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Mikromonster: Unsere heimlichen Haustiere

Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus) • Spinnentier, Unterklasse Milben • 0,1 mm (von bloßem Auge nicht zu erkennen) • harmlos, außer für Allergiker

4. Massenvermehrung im Kopfkissen

Hausstaubmilbe (Dermatophagoides pteronyssinus) • Spinnentier, Unterklasse Milben • 0,1 mm (von bloßem Auge nicht zu erkennen) • harmlos, außer für Allergiker

Ein Bett ohne Milben? Pardon: Gibt es nicht. Laut Schätzungen tummeln sich in einem einzigen Kissen bis zu 400’000 der winzigen Spinnentiere. Ist es frisch gewaschen, sind es noch immer einige zehntausend. Zum Glück sind die Achtbeiner harmlos, außer für Menschen, die auf den Milbenkot allergisch reagieren.

Milben leben in Kissen und Decken, weil sie feuchtwar­mes Klima lieben. Und weil sie hier ihre Nahrung finden: alte Hautschuppen von Menschen. Die Krabbler stecken aber auch im Schmutz unter dem Bett. Ein Teelöffel voll Staub enthält durchschnittlich fast 1000 Milben und eine Viertelmillion Kotkügelchen.

Im Frühling und Sommer legt ein Weibchen insgesamt bis zu 80 Eier. Zehn Tage später ist die nächste Generation an der Reihe, eine Massenvermehrung. Im Oktober ist Schluß: Viele Milben sterben, einige warten in einer Art Winterschlaf auf den Frühling.

Bücherskorpion (Chelifer cancroides) • Spinnentier, Ordnung Pseudoskorpione • 4–5 mm • harmlos

5. Paartanz auf alten Akten

Bücherskorpion (Chelifer cancroides) • Spinnentier, Ordnung Pseudoskorpione • 4–5 mm • harmlos

Bevorzugt in altem Papier leben kleine Wesen, die wie Krebse aussehen. Es sind Bücherskorpione, harmlose Nützlinge, die sich unter anderem von Milben ernähren. Ihre acht Beine, mit denen sie sowohl vorwärts als auch rückwärts gehen können, verraten, daß sie zu den Spinnentieren gehören.

Von einem kleinen Wohngespinst aus jagen sie. Die Beute wird mit den Scheren gepackt und mit Gift getötet. Die Paarung dieser Pseudo­skorpione ist faszinierend: Auf einen Balztanz des Männchens folgt ein Paartanz, bei dem beide synchron auf und ab schreiten. Darauf setzt das Männchen ein ­Samenpaket auf dem Boden oder in alten Akten ab, ergreift das Weibchen mit seinen Zangen und schleift es über den Samen.

Später trägt das Weibchen die Eier in einem Brutbeutel an der Genitalöffnung mit sich herum. Ein echter Spezialfall in der Liliput-Menagerie unserer heimlichen Haustiere.

Silberfischchen (Lepisma saccharina) • Insekt, Ordnung Fischchen • zirka 1 cm (ohne Anhänge) • harmlos

6.Lebende Fossilien im Badezimmer

Silberfischchen (Lepisma saccharina) • Insekt, Ordnung Fischchen • zirka 1 cm (ohne Anhänge) • harmlos

Den Silberfischchen sollte man einen gewissen Res­pekt zollen. Denn diese geschuppten Insekten gab es wohl schon, als die ersten Wirbeltiere an Land gingen. Mindestens 300 Millionen Jahre alt sind sie – daher könnte man sie auch als lebende Fossilien bezeichnen.

Besonders gerne ernähren sich die flinken Fischchen von Papier, Teigwaren, Fotos oder Kleidern. Bevor der Mensch all diese Dinge erfand, begnügten sich die Urinsekten mit Haaren, Hautschuppen oder Milben.

Silberfischchen sind lichtscheu und nachtaktiv. Sie können rund fünf Jahre alt werden. Ein Weibchen legt zeitlebens nur etwa zwölf Eier ab. Spannend ist wiederum das Sexualverhalten: Ähnlich wie bei den Bücherskorpionen legt das Männchen ein Samenpaket auf den Boden. Dann bedeckt es das wertvolle Gut mit einem kleinen Dach aus Seide und vollführt vor dem Weibchen einen Balztanz. Das weibliche Fischchen schlüpft unter das Gespinst und nimmt den Samen auf.

Ein Detail am Rande: Der Hauptfeind des Silberfischchens ist der Gemeine Ohrwurm

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9. Mord aus dem Hinterhalt