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TTIP-Studie: Rund 600.000 Arbeitslose mehr in Europa

Stoppt TTIP!

Berlin (LiZ). Das in Geheim­verhandlungen zwischen der US-Regierung und der EU-Bürokratie vorbereitete “Frei­handelsabkommen” TTIP würde in Europa rund 600.000 Arbeitsplätze kosten und – je nach Land – zu Einkommens­verlusten bis zu 5.000 Euro pro Person und Jahr führen. Dies ergibt eine aktuelle Untersuchung der Tufts University in Massachusetts.

Laut dieser aktuellen Studie würden infolge von TTIP auch Steuereinnahmen und Bruttoinlandsprodukte erheblich schrumpfen. Die Studie basiert auf Modellen der Vereinten Nationen (United Nations Global Policy Model, GPM).1 “Die Studie belegt, daß TTIP nicht nur ein Angriff auf soziale Standards, Arbeitsrechte, Umweltschutz, nachhaltige Landwirtschaft und Demokratie ist. Die Mehrheit der Menschen würde mit TTIP zugleich einen Verlust an Wohlstand hinnehmen müssen,” warnte Roland Süß vom Koordinationskreis der NGO ‘attac’.

Die bisher von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studien, die dem “Freihandelsabkommen” TTIP einen Wachstums-Effekt von 0,05 Prozent pro Jahr zusprechen, basieren laut ‘attac’ auf unrealistischen Annahmen. Die verwendeten Modelle stammen aus den 1980er- und 1990er-Jahren und gehen davon aus, daß “wettbewerbsfähige” Wirtschaftssektoren, die von einer Marktöffnung profitieren, alle entstanden Verluste in den anderen schrumpfenden Sektoren kompensieren würden. Dies würde auch für verlorene Arbeitsplätze gelten:

So lange die Löhne nur niedrig genug seien, würde jede Arbeitnehmerin und jeder Arbeitnehmer in einem andern Sektor eine neue Stelle finden.

“Allein die Erfahrungen der vergangenen Jahre in Europa zeigen die Absurdität der Annahme, daß niedrigere Löhne mehr Arbeitsplätze schaffen. Wirtschaftssektoren, die einem plötzlich verschärften internationalen Wettbewerb mit ungleichen Bedingungen ausgesetzt sind, schrumpfen weitaus schneller, als dies von anderen Sektoren aufgefangen werden kann. Zudem können steigende Löhne im Exportsektor den Verlust an Binnennachfrage nicht ausgleichen, weil dann die Löhne in der Mehrzahl der Sektoren sinken. Gerade vor dem Hintergrund der europäischen Kürzungspolitik und einer seit Jahren sinkenden Binnennachfrage würde ein weiterer Druck auf Löhne die Rezession in Europa vertiefen,” erklärte Roland Süß.

Die von der EU-Kommission in Auftrag gegebenen Studien berücksichtigen im übrigen nicht die Wechselwirkungen mit “unbeteiligten” Ländern auf die veränderte Situation am Weltmarkt – so die Stellungnahme von ‘attac’. Darin sei auch eine Abnahme des Handels in anderen Ländern und aus anderen Ländern nicht berücksichtigt – wie bereits Erfahrungen mit ähnlichen Abkommen wie NAFTA zwischen den USA, Kanada und Mexiko oder dem Mercosur in Südamerika zeigten.