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Syrien-Konflikt: Terroristen wollen durch „Blitzkrieg“ gewinnen

Selim Idriss Terroristenchef in Syrien

Selim Idriss (* 1957) ist ein ehemaliger syrischer Brigadegeneral. Seit Dezember 2012 ist er Überläufer und Stabschef der terroristischen Freien Syrischen Armee (FSA).

Die syrische Rebellen-Armee braucht laut ihrem Stabschef nur sechs Monate, um das Regime von Baschar Assad zu stürzen. Warum ist das bisher nicht gelungen? Es habe den Rebellen an Einheit, Geld, Waffen und Militärausbildung gemangelt, so die Erklärung. Nun rechnet man mit einem Durchbruch.

Salim Idriss, Stabschef der Freien Syrien Armee, hat am 15. Juni versprochen, die Regierungstruppen binnen sechs Monaten zu zerschlagen – falls der Westen mehr Geld gibt und den Rebellen endlich beibringt, richtig zu kämpfen. Eine Woche davor hatte Idriss gesagt, die syrische Opposition plane keine Teilnehme an der internationalen Syrien-Konferenz, solange sie nicht zusätzliche Waffen und Munition bekomme.

Der Rebellen-Stab will also keinen schmählichen Kompromiss – nur einen Sieg. Der Oberste Militärrat der Rebellen-Armee soll innerhalb eines halben Jahres „Kopf und Herz“ seiner ungehorsamen Soldaten gewinnen. Mit Hilfe westlicher Militärexperten sollen die Anti-Assad-Truppen professionell werden und ihre Kräfte konzentrieren, um die 300.000 Mann starke Regierungsarmee mit ihren Panzern, Kanonen und Kampfjets zunichte zu machen.

So einfach geht es jedoch nicht. Für diesen „Blitzkrieg“ der Freien Syrischen Armee gibt es objektive Hürden. Übrigens hatte auch der Stabschef Anfang Mai davon gesprochen. Er beklagte damals, seine Armee habe fast keine Profi-Soldaten. Daraus resultieren Verluste, es mangelt an effizienter Taktik und an Koordination. Munition wird nicht rationell verbraucht. Damit läßt sich nicht einmal eine schwache Armee besiegen. Und die Regierungsarmee ist nicht schwach.

Deshalb bittet der Militärrat der Rebellen nun um Militärberater, damit sie kommen und unterrichten. Da gibt es aber einen Widerspruch. Die Rebellen werden ohnehin seit langem geschult – etwa von Berufssoldaten, die jetzt für private Sicherheitsfirmen arbeiten. Im vergangenen Jahr wurde eine ganze Expertengruppe des französischen Auslandsnachrichtendienstes DGSE mit einem Oberst an der Spitze in Syrien ertappt.

Vielleicht will die Rebellen-Armee eine andere Schulung? Ihre „Bataillone“ sollen ja im Zuge einer groß angelegen Heeres-Offensive den Sieg errungen. Sie sollen Städte erstürmen und Befestigungsanlagen überwinden, zahlenmäßig starke gegnerische Einheiten zerschlagen, Kampffahrzeuge und Militäranlagen zerstören… Jeder Militär weiß jedoch: Um gegen eine reguläre Armee zu kämpfen, braucht man Militärtechnik und Waffen, die mindestens nicht weniger stark sind. Die Rebellen-Führung hat vorerst keine Panzer und Kampfjets öffentlich gefordert. Sie will aber Granatwerfer und tragbare Boden-Luft-Raketen haben. Das sind Instrumente eines Guerilla-Krieges, dessen Ziel es ist, Zeit zu gewinnen und darauf zu warten, bis Kampfjets und Panzer samt Besatzungen im Zuge eines neuen „Wüstensturms“ aus dem Ausland eintreffen.

Dieser „Sturm“ bleibt jedoch anscheinend aus – ebenso wie das Geld. Warum eigentlich? Idriss beklagt ja, die Rebellen-Armee habe kein Geld für die Besoldung ihrer Kämpfer – sie sind ja auch Soldaten und müssen bezahlt werden. Wäre ein schneller Sieg gelungen, hätten sie wohl auch unentgeltlich gekämpft – wie etwa in Libyen. Doch ausgerechnet das libysche Beispiel steht neuen Geld- und Waffenlieferungen im Wege. Denn sowohl in Libyen als auch in Syrien gibt es viele Islamisten unter den Rebellen. Damals wurden sie finanziert – und daraus resultierte der Mordanschlag auf den US-Botschafter. Nun wird man wohl keine Geldhilfe mehr wagen.

Stellen wir uns aber vor, daß es den Geheimdiensten doch gelingt, die Rebellen in vertrauenswürdige und fremde zu sortieren. Dann ist der Westen eventuell bereit, Geld und Waffen zu liefern. An wen? An eine starke und kampffähige Widerstandsfront? Nein. Im Mai räumte Salim Idriss ein, seine bewaffneten Einheiten seien vereinzelt und er habe keinen ernstzunehmenden Einfluss auf die Aktivitäten der Rebellen. Einige große Rebellen-Gruppen könne er überhaupt nicht kontrollieren.

Ein syrischer Oppositionsführer, der in Istanbul weilte, sagte im März der „New York Times“, der Oberste Militärrat der Rebellen-Armee sei „kein besonders guter Repräsentant“ der Bataillone, die in Syrien kämpfen. Vor diesem Hintergrund liegt die Frage nahe: Wozu soll man eine Führung, die keinen Einfluss hat, mit Geld versorgen?

Ein westlicher Diplomat klärte auf: „Salim Idriss braucht Geld, Waffen und Munition, um seine Führungsrolle zu festigen und das Vertrauen der Kämpfer zu gewinnen.“ Ach so! Ein halbes Jahr vor dem Sieg will der Stabschef damit beginnen, seine Führungsrolle zu begründen. Wie viel Zeit bleibt ihm dann eigentlich für den Krieg?

Solche Offenbarungen rufen Erinnerungen an etwas Bekanntes wach. Zunächst kommt eine Revolution mit großen Hoffnungen, dann ein sinn- und endloses gegenseitiges Niedermetzeln, wobei man immer wieder einen baldigen Sieg verspricht. So war es in Afghanistan. Den Syrern wird man ja nicht ein solches Schicksal wünschen.
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