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Sie schweigen so sprechend, weil sie verlieren – über die Befreiung von Palmyra

Warum sind der Westen, die Türkei und die "Opposition" nicht glücklich über die Befreiung von Palmyra?

Warum sind der Westen, die Türkei und die “Opposition” nicht glücklich über die Befreiung von Palmyra?

Im Mai des letzten Jahres eroberten Extremisten von Daesh/ISIS (das ist eine terroristische Organisation, die in Rußland verboten ist) die antike Stadt Palmyra in Syrien. Die Welt war entsetzt. Das Weltkulturerbe Denkmal der UNESCO verwandelte sich von einem in den anderen Augenblick in ein Symbol der Expansion des “Kalifats”.

Die Ermordungen, Vollzug von Scharia-Todesstrafen im alten Amphitheater an Un- und Andersgläubigen, entsetzten Millionen von Menschen. Als aber die Armee der syrischen Regierung (SAA) am Wochenende mit der Unterstützung von Rußland Palmyra befreite, brachten vielleicht nur Rußland, die Vereinten Nationen und internationale Organisationen, die sich mit dem Schutz von Altertümern beschäftigen, darüber ihre Freude zum Ausdruck.

“Während die schwarzen Henker an diesem Wochenende Palmyra verließen, schwiegen die Herren Obama und Cameron”, schrieb der britische “The Independent” und stellte sofort die Frage, ob nicht jetzt eigentlich die ganze Welt applaudieren und jubeln sollte ob der größten Niederlage des ISIS in der Geschichte? Vor allem jetzt, nach den Brüsseler Angriffen. Danach bemerkte der Journalist Robert Fisk ironisch, daß wir einige Tage vor der Befreiung von Palmyra vom Kommando der USA Berichte über die beiden Flugbombardements auf die Extremisten in der Stadt hätten gehört haben sollen.

“Das ist wirklich alles, was Sie über den amerikanischen “Krieg gegen den Terror” wissen sollen. Wenn die syrischen Streitkräfte mit der Unterstützung Rußland auch er-Raqqa einnnehmen, wird der Westen auch dazu angelegentlich schweigen”, kommt “The Independent” zum Schluß.

Ohne viel Freude nahmen auch gewisseLänder des Nahen Ostens die Nachricht über die Befreiung von Palmyra auf. In den lokalen Medien wurde der Sieg der syrischen Regierungstruppen einzig als trockener Fakt dargestellt und nur über die strategische Bedeutung des Erfolges von Damaskus diskutiert.

Nach den Versionen der vielen Nahost-Analysten, sei der Sieg auch nicht so besonders groß: In der Tat sei nur ein kleines Dorf eingenommen worden und Daesh würde jetzt einfach neue Gebiete befestigen. Zumal Palmyra nun in den Händen des Diktators Baschar Al-Assad läge, und die massive Zerstörung von historischen Denkmälern diesen Sieg zu einem Pyrrhus-Sieg entwerten würde.

Die “Moderate Opposition” in Syrien ging noch weiter und erzählte in ihren sozialen Netzwerken, daß angeblich die meisten Zerstörungen in Palmyra gerade w e g e n der Offensive der Regierungstruppen geschahen. Die lokalen “Demokraten” zählten einige getötete russische Berater auf und berichteten, daß die iranischen Unterstützungs-Bataillone selbst Extremisten von Daesh mittels Kopfabschneiden töten würden. Die “Opposition” vermutete sogar, daß Damaskus nun notwendig Waffenruhe durch Daesh für den Ausbau der kontrollierten Gebiete brauchte.

“Ich befürchte Eines, die Waffenruhe wird dem Assad-Regime erlauben, alles unter seine Kontrolle zu bringen, was noch von Syrien übrig geblieben ist. Das gesamte schöne Territorium, das jetzt noch unter der Kontrolle des Daesh und Al-Nusra steht”, sagte der Agentur Reuters gegenüber bedauernd Riyadh Nassan Agha, Mitglied des Obersten Ausschusses für die Verhandlungen. Er vertritt in Genf die gesamte Opposition. (Anm. Red.: Wäre das auch nicht das Ziel von diesen Verhandlungen gewesen?)

Aber Ankara hat schließlich alle Relativierer mühelos übertroffen. Während der Befreiung von Palmyra war Ministerpräsident Ahmet Davutoglu zu Besuch im benachbarten Jordanien und erklärte, daß die militärisch siegreichen Handlungen von Damaskus eine Bedrohung für alle Länder der Region seien!

Aber das ist doch ein Sieg, ein bedeutender!

Einer der wenigen Analysten, die den Erfolg der Regierungstruppen in Palmyra als einen schwerwiegend strategischen betrachten, ist ein oppositioneller Militärstratege, Oberst Albay Rahal, der zuvor in der syrischen Armee gedient hatte.

Gemäß dem Oppositionellen, dessen Worte die türkische Nachrichtenagentur “Anadolu” wiedergab, besitzt die Stadt Palmyra eine wichtige Image-und Strategie-Bedeutung:

“Tadmur (der arabische Name von Palmyra) befindet sich auf der Straße, die Damaskus mit dem Iran und dem Irak verbindet. Hier liegt der Flughafen. Rußland beabsichtigt, ihn als Base zu benutzen”, meint Albay Rahal.

Indem Damaskus die Stadt im Zentrum von Syrien besetzte, besiegelte das gleichzeitig die erste ernsthafte Niederlage von Daesh und wird nun in der Lage sein, nah an die von den Extremisten belagerte Stadt Deir-ez-Zor zu kommen. Damit begann zugleich die Vorbereitung des Sturms auf die sogenannte Hauptstadt des “Islamischen Staates”, Raqqa.

In seinem Kommentar verweist der Analyst auch auf den Energieaspekt des Sieges von Damaskus. Da für Daesh die Kontrolle über Öl-und Gas überlebenswichtig ist, verliert der “Islamische Staat” in Palmyra nun diesen Zugriff auf die wichtige Gasleitung, meint Albay Rahal.

Zu Beginn des Krieges in Syrien wurde ein Projekt erarbeitet wonach die Gasleitung ein Teil der Gas-Pipeline Iran – Irak/ Syrien – Irak mit einer Leistung von rund 40 Milliarden Kubikmeter pro Jahr werden sollte.

Außerdem, sagt der oppositionelle syrische militärische Stratege, auf der Höhe von Palmyra befindet sich die Gas-Speicher Station T3, eine der wenigen, seltenen noch im Land erhaltenen Energieanlagen. Von hier aus strömt Erdgas in die von Damaskus kontrollierte größere Stadt Homs. Die Kontrolle über solche Energieobjekte zu erhalten, war einer der Gründe, warum die militanten Daesh Palmyra nicht einfach aufzugeben gewillt waren, sondern erst nach heftigen Kämpfen, ist sich Albay Rahal sicher.

Ein Kopf an Kopf Rennen um den Sieg über Daesh: Wer siegt früher und behauptet am Ende mehr als sein Eigen? Eine wichtige Verhandlungsbasis!

Der Westen und seine Verbündeten geben also mehr oder weniger, direkt und indirekt zu verstehen, daß die Befreiung von Palmyra nicht der Rede wert sei. Darüber jedoch, daß die Befreiung von Palmyra wirklich eine unangenehme Überraschung für den Westen und seine Verbündeten, der Erfolg der Regierungstruppen ein wirklich strategischer Durchbruch gegen Daesh war, offenbaren die Fakten.

Beispielsweise veröffentlicht die “moderate Opposition” fleißig Nachrichten in sozialen Netzwerken über angeblich eigene Erfolge im Kampf gegen die Extremisten des “islamischen Staates”. Jedoch mehr als die Einnahme einigen Dörfer im Norden des Landes und die Verhaftung von 40 (!) Kämpfern konnten die syrischen “Demokraten” nicht vorweisen. Nachrichten über ihre “außerordentlichen Siege” stellten im Twitter-Netzwerk auch die Dschihad-Koalition “Armee des Islam” und die Gruppierung “Ahrar-al-Sham”.

Es ist bezeichnend, daß in den letzten Tagen auch das fragwürdige Einmannunternehmen “syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte” mit Sitz in Großbritannien, plötzlich begann nicht mehr über die “nachweislichen” Opfer des Krieges zu erzählen, sondern über vermutete zukünftige Siege der “Opposition”. Zum Beispiel, daß die “Opposition” sich vorbereiten würde, den Rest der Grenze zur Türkei von Daesh zu befreien.

Dabei verbreiten arabische Medien die Nachricht, daß vom Westen unterstützte “Syrische Demokratische Kräfte”, bestehend aus syrischen Kurden, Arabern und Turkomanen, sich bereits an den Zugängen zu Raqqa befänden.

“Die “Syrischen Demokratischen Kräfte” liegen in nur noch fast 4 Kilometern Entfernung vom Dorf Al-Malja, das an der Grenze von Raqqa liegt”, sagte Meiden-Aktivist Hussein Bakri der Nachrichtenagentur ARA Newsgegenüber.

Interessant, daß die Amerikaner am Wochenende noch einmal erklärten, daß sie im Gegensatz zu Ankara nicht die syrischen Kurden der YPG mit den Rebellen der Arbeiterpartei Kurdistan vergleichen würden und sie deswegen nicht zu den Terroristen gehörig zählen. Das sagte der Vize-Pressesekretär des US-Außenministeriums, Mark Toner. Und Präsident Barack Obama lehnte ein Treffen mit Recep Erdogan in den USA ausdrücklich ab, wohin der Präsident der Türkei anläßlich der Eröffnung einer Moschee in Maryland (deren Bau Ankara finanziert) zu kommen geplant hatte.

Vermutlich ist Washington schon verärgert von der Doppelstandard-Politik der Türkei bei der Bekämpfung von ISIS/Daesh. Vor allem jetzt, wenn Damaskus und Moskau offenbar alle Lorbeeren des Sieges über den Terrorismus in Syrien einstreichen, die USA aber mehr als je zuvor erfolgreiche Bodenoperation in diesem Land brauchten, was aber einzig und allein nur die syrischen Kurden durchführen könnten.

Die Befreiung von Palmyra fiel zeitlich zusammen mit den neuen Aussagen von Ankara über dessen Krieg gegen die Terroristen. Wie der türkische Generalstab berichtet, beschoß das türkische Militär die Positionen von Daesh im Norden des Iraks aus türkischen Panzerhaubitzen T-155 Fırtına und mit Panzern. Zumindest früher war so etwas noch nie passiert. Wenig später stellte sich jedoch heraus, daß der Artillerieschlag einzig als Vergeltung wegen des Todes einer türkischen Militärs auf einer Militärbasis der Türkei neben Mossul geführt wurde. Während der Kämpfe mit irakischen Kurden war zufällig eine unkontrollierte Daesh-Rakete auf die Position der türkischen Truppen niedergegangen. Ein diesmal wirklich unbeabsichtigter Kollateralschadens-Effekt von Daesh/Isis. Die Hand, die einen füttert, beißt man nicht.

30.03.2016

Quelle: www.eadaily.com, Übersetzung: fit4Russland