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C.G. Jung und die Matrix: Ist unsere Realität ein kollektiver Traum?

Jahrzehntelang hat C. G. Jungs «Rotes Buch» in einem Schweizer Banktresor gelegen. Nun ist dieses erstaunliche und rätselhafte Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Es enthält den «Urstoff» von Jungs Lebenswerk. Das Manuskript ist derzeit in New York im Rubin Museum of Art ausgestellt.

Jahrzehntelang hat C. G. Jungs «Rotes Buch» in einem Schweizer Banktresor gelegen. Nun ist dieses erstaunliche und rätselhafte Werk der Öffentlichkeit zugänglich gemacht worden. Es enthält den «Urstoff» von Jungs Lebenswerk. Das Manuskript ist derzeit in New York im Rubin Museum of Art ausgestellt.

Was wäre, wenn unsere Realität einem kollektiven Traum gleicht, in dem wir alle Träumende sind und zugleich von anderen als deren Traumfiguren erträumt werden?

Carl Gustav Jung zu Realität und Symbolen:

Er vertrat zu diesem Thema einen interessanten Standpunkt. Er suchte nicht nur nach Symbolen in Träumen sondern auch in der Realität: „Es gibt und gab stets Menschen, die in der Welt und ihren Erfahrungen symbolische Bedeutung erkennen – es scheint uns etwas gespiegelt zu werden, das in der Natur der Sache versteckt liegt“

Während wir uns durchs Leben bewegen, werden wir uns schrittweise mehr und mehr über Dinge bewußt, die wir zuvor nicht wahrgenommen haben. Jung war der Meinung, daß wir mit einem uns unbewußtes Thema in dem Moment konfrontiert werden, wenn wir bereit sind es in unser bewußtsein zu integrieren. Hierzu muß die Person das Thema zunächst nach außen projizieren, damit es sich in der Realität manifestieren und somit wahrgenommen werden kann. Das zu integrierende Thema kann dabei sowohl in Form einer einzelnen Person als auch eines Kollektivs in unser Leben treten. Wenn uns unser Unterbewußtsein auf diesem Wege auf etwas hinweist und wir die Botschaft ignorieren, kehrt das Thema in der Regel auf offensichtlichere Weise erneut in unser Leben zurück, damit wir es beim nächsten Mal nicht mehr so leicht ignorieren können.

In diesem Prozess wird das zu integrierende Thema praktisch immer als negativ erlebt, da es ungewollt in unser Leben eindringt. Aber etwas Böses kann auch als Katalysator wirken, der bei uns eine bewußtseinserweiterung auslöst. Der Schlüssel zu einer positiven Lernerfahrung liegt somit nicht unbedingt darin, „das Böse“ erfolgreich zu besiegen sondern eher darin, die Lektion zu erkennen, die aus dieser Erfahrung gelernt werden kann.

Jung hatte auch sehr interessante Ansichten bezüglich dem Thema UFOs : Er war der Meinung, daß die Menschheit extrem viele Aspekte ihres wahren Wesens abgespalten und verdrängt hat. UFOs waren seiner Ansicht nach die Manifestation einer Projektion von Aspekten, die so fremdartig sind, daß sie in dieser uns fremdartig erscheinenden Form auftreten.

Trauma

Viele Menschen haben im Lauf ihres Lebens traumatische Erfahrungen gemacht. Während einer traumatischen Erfahrung wird ein Teil der Persönlichkeit abgespalten und ins Unterbewußtsein verdrängt, damit ein bewußtes Erinnern unmöglich wird. Sigmund Freud definierte die Zwangsneurose als ein psychologisches Phänomen, bei dem Menschen, die über abgespaltene und ihnen somit unbewußte Persönlichkeitsaspekte verfügen, dazu tendieren, die Traumasituation, die zur Abspaltung geführt hat, erneut herbeizuführen. Dies ist ein unbewußter Versuch die abgespaltenen Teile wieder zu integrieren. Da diese Menschen den tieferliegenden Grund für ihr Verhaltensmuster nicht kennen, bedürfen Sie professioneller Hilfe, um das Muster zu erkennen und das ver-deckte Trauma freizulegen, damit es erfolgreich integriert und somit geheilt werden kann.

Projektion des eigenen Schattens und der Kampf gegen das „Böse“

Wenn die abgespaltenen Aspekte unserer Persönlichkeit nicht erfolgreich integiert werden können, so lungern sie dauerhaft in unserem Unterbewußtsein herum. Der Mensch tendiert dazu, diese verdrängten Aspekte dann auf andere Menschen zu projizieren. Da dieser Prozess völlig unbewußt abläuft, kann es vorkommen, daß wir eine bestimmte Person überhaupt nicht ausstehen können, obwohl es uns nicht möglich ist, genau zu benennen, warum wir so empfinden. Sollte es uns doch gelingen, den Aspekt der anderen Person zu identifizieren, der uns aufregt, so ist es hilfreich unsere Auf-merksamkeit nach innen zu lenken und zu versuchen, uns den verdrängten Aspekt, der uns gespiegelt wurde, in uns selbst bewußt zu machen.

Die Integration solcher Aspekte unseres eigenen Schattens ist der einzig funktionierende Weg ein zunehmend ausgeglicheneres Individuum zu werden und für die meisten Menschen ist dies eine Lebensaufgabe. Solange wir unsere Aufmerksamkeit nur nach außen auf die Menschen richten, die uns aufregen, können wir das diesem Prozess zu-grundeliegende Probleme nicht lösen. Andere zu bekämpfen und dafür zu sorgen, daß sie weggehen oder sich ändern, ist nie eine dauerhafte Lösung. Nur durch Selbstreflektion und Innenschau ist wirklicher Wandel möglich und nur so kann eine dauerhafte Lösung gefunden werden.

Kollektive Psychose und Realitätsverweigerung

Jung warnte mehrfach vor der Gefahr einer kollektiven Psychose bei der große Teile der Bevölkerung von unterdrückten Aspekten ihres eigenen Schattens übermannt würden. Wenn Menschen wiederholt die Möglichkeit ungenutzt lassen, schrittweise verdrängte Aspekte zu integrieren, würde sich irgendwann so viel negative Energie aufgestaut haben, daß es zu einer unkontrollierten Entladung in Form einer kollektiven Psychose kommen könnte, die sich in irrationalen Handlungen der Bevölkerung ausdrücken würde. Zu einem gewissen Grad scheint die menschliche Spezies wirklich gerade auf eine kollektive Psychose zuzusteuern. Wir scheinen eine Spezies mit einem kollektiven Trauma zu sein und wir wiederholen das Trauma an uns selbst und an anderen. Durch diese Wieder-holung scheint sich uns etwas zeigen zu wollen, die Frage ist nur, ob wir willens sind zu erkennen, was sich uns da zeigen will. Die Einsicht, die wir gewinnen könnten, dürfte allerdings inzwischen eine sehr schmerzhafte sein, weil wir schon so lange in einem Zustand der Realitätsverweigerung verharrt haben.

Realität als kollektiver Traum

Realität kann man aus vielen unterschiedlichen Blickwinkeln und Weltbildern heraus betrachten. Die rein materielle Interpretation der Realität durch eine rein wissenschaft-liche Brille hat es der Menschheit ermöglicht eine hoch-technologische Zivilisation auf-zubauen aber dieser Sichtweise mangelt es an tieferer Bedeutung und Sinn. Wenn man die Realität jedoch als kollektiven Traum betrachtet, so kann man das Universum als einen Feedback Mechanismus ansehen, der in Form von Symbolen mit uns kommuniziert.

Die Ereignisse, die sich in der Welt abspielen, können in diesem Fall als Abbild unseres kollektiven inneren Zustands angesehen werden. Genauso wie Ereignisse und Umstände in persönlichen Leben arrangiert werden, um den persönlichen inneren Zustand des Individuums zu reflektieren, geschieht dies auch auf kollektiver Ebene.

Solange wir uns nicht über unser kollektives Erträumen der Realität bewußt sind, scheinen wir uns auf einem Pfad der Selbstzerstörung zu bewegen. Durch das Über-nehmen von Verantwortung und die bewußtwerdung über die symbolische Dimension der Realität, können wir unser bewußtsein erweitern und kollektive Träumer einer Realität werden, die auf ein konstruktiveres und positiveres Endergebnis zusteuert.

Dieser Ansatz bedeutet keinesfalls Passivität und einfaches Rumsitzen und „Erträumen einer besseren Realität“. Aber solange wir keine gemeinsame Vision haben, wo sich unser gemeinsamer Traum hinentwickeln soll, solange bleiben auch unsere Handlungen un-fokussiert, weil ein gemeinsames Ziel fehlt und somit tendieren die Handlungen dazu destruktiv zu bleiben.

Die Erkenntnis daß unsere inneren Prozesse erhebliche Auswirkungen auf die äußere Welt haben, kann ähnlich gesehen werden, wie in einem Traum aufzuwachen und luzid zu werden (sich im Traum darüber bewußt werden, daß man gerade träumt). In der Realität luzid zu werden, geht damit einher die künstliche Trennung zwischen innerer und äußerer Welt aufzulösen.

Das „Böse“ als potentieller Katalysator

Viele Menschen betrachten die Entwicklungen in der Welt zunehmend durch die Angst-Brille, doch man kann die Dinge auch anders sehen: Das „Böse“ hat in sich sowohl das Potential die Menschheit zu transformieren oder sie zu zerstören. Die Ereignisse, die sich auf der Weltbühne abspielen kann man auch als Initiationsprozess betrachten, der uns in eine neue Sichtweise der Realität katapultieren kann. Diese veränderte Sichtweise kann die Menschheit dazu befähigen eine Lösung für die globale Krise zu erschaffen, die aus einem rein materialistischen Weltbild heraus unmöglich ist.

Um Menschen auf ihre eigenen verdrängten Schattenaspekte aufmerksam zu machen, müssen diese Aspekte fokussiert und auf eine Person projiziert werden, die diese Aspekte optimal in der physischen Realität verkörpern kann. Wenn man Politiker wie Barack Obama oder Wladimir Putin betrachtet, so kann es interessant sein, die Situation mal aus einem völlig unorthodoxen Blickwinkel zu betrachten: Obama und Putin könnten auch als Verkörperungen archetypischer Kräfte angesehen werden, die durch die kollektiven Projektionen der Bevölkerung erzeugt werden. Sie spiegeln uns dann nur die Schnitt-menge von Aspekten unserer individuellen Schattenaspekte.

C.G. Jung hatte diesbezüglich interessante Ansichten: Er dachte, daß diese arche-typischen Kräfte durch die menschliche Ignoranz gespeist werden und daß Aspekte unserer Persönlichkeit, die wir abspalten, ein Eigenleben entwickeln. Er nannte sie deshalb autonome Komplexe.

Synchronizitäten

Jung war der erste Psychologe, der den Begriff der Synchronizität geprägt hat. Er definitierte Synchronizität als Erfahrung, bei der mehrere kausal unabhängige Ereignisse in einer sinnstiftenden Weise zusammentreffen, z.B. man denkt plötzlich an eine Person, die man seit Jahren nicht mehr gesehen hat und trifft sie eine Minute später auf der Straße oder diese Person ruft einen kurz darauf an.

Speziell wenn Synchronizitäten regelmäßig auftreten könnte ein Mensch sich über die traumartige Natur der Realität erinnert fühlen und dadurch kann das Universum zune-hmend zu einem synchronistischen Universum werden, in dem wir auf unsere innere Führung hören.

»Wer zugleich seinen Schatten und sein Licht wahrnimmt, sieht sich von zwei Seiten, und damit kommt er in die Mitte.«

C.G. Jung

Carl Gustav Jung (* 26. Juli 1875 in Kesswil; † 6. Juni 1961 in Küsnacht), meist kurz C. G. Jung, war ein Schweizer Psychiater und der Begründer der analytischen Psychologie.

Jung war der Mystiker unter den Vätern der Psychoanalyse, denn während Freud vieles vom Sexualtrieb ableitete und Adler den Machttrieb in den Vordergrund stellte, sah der humanistisch denkende und in protestantischer Tradition aufgewachsene Schweizer Jung das Individuum in Verbundenheit mit den „Ahnen“, also durchaus heidnisch als magisches Wesen.

In der Jungschen bzw. Analytischen Therapie gilt der Traum als der wichtigste Weg-weiser zum Unbewußten. Hier findet die Begegnung mit den Archetypen statt, die durch die Traumbilder zu uns sprechen. Einer der wichtigsten Aspekte jeder Therapie liegt für Jung daher in der Individuation, in der Selbstwerdung, in der Begegnung mit „dem Göttlichen in uns selbst“.

Jungs Reise ins Reich der Mythen und Symbole hat zu einer materialreichen Sammlung geführt, die zum Gegenstand philosophischer und anthropologischer Forschung ge-worden ist. Vor allem in sinnsuchenden und literarischen Kreisen traf und trifft seine Weltanschauung auf Interesse. Ausgangspunkt und einziges Erkenntnismittel im Hinblick auf die Erforschung der psychischen Realität ist für C.G. Jung die „Erfahrung“, wobei damit vor allem die „innere“ Erfahrung gemeint ist, also das bewußtwerden seelischer Inhalte.

Jung greift dabei auf persönliche Erfahrungen, Erfahrungen seiner Analysanden und auf den Niederschlag gesamtmenschheitlicher Erfahrungen in der Geistesgeschichte zurück und gewinnt so seinen empirischen Zugang zur Seele. Im Gegensatz zu Freud begreift Jung das Unbewußte neben dem Aspekt des persönlichen Unbewußten noch in einem kollektiven Sinne.

Nach seinem Verständnis haben die aus allen Kulturen überlieferten Mythen und Märchen ihre Wurzeln in individuellen Träumen und Visionen, die zugleich stellvertretenden Charakter haben.