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Zum Phantom mutiert: Das Nabucco-Pipeline-Projekt

Aus “Stimme Rußlands” vom 16. Jänner 2013
Das Nabucco-Pipeline-Projekt, das die EU mit den kaspischen Erdgasvorkommen verbinden soll, kann bald zu den Akten gelegt werden. Der EU ist es bisher nicht gelungen, eine gleichwertige Alternative zum russischen Partner Gazprom zu finden.

Westliche massendmedien betrachten Nabucco als eine erledigte Sache. Die italienische Zeitung IL Foglio schreibt, daß die Europäische Union auf das Energie-Projekt, das die EU-Länder unabhängiger vom russischen Gas machen sollte, überhaupt verzichten kann. Diese Vermutungen gehen auf die Ausschreibung für den Kauf von aserbaidschanischer Gasvorkommen im Kaspischen Raum zurück, deren Ergebnisse in der nächsten Zeit bekannt gegeben werden. Aus kommerziellen Gründen wird das Konsortium Trans Adriatic Pipeline (TAP) vor anderen Bewerbern bevorzugt. Dem Projekt gehören die deutsche E.On Ruhrgas AG und das norwegische Unternehmen Statoil an. Die Pipeline soll aus Aserbaidschan durch die Türkei, Griechenland, Albanien und Italien verlegt werden. Auf solche Weise kriegt Nabucco nicht nur den stärksten Gegner aus Rußland, das Projekt South Stream, sondern wird auch von der EU durch TAP in den Rücken gefallen.

rwe-verkaufte-anteile-an-naDie Misserfolge von Nabucco fingen letztes Jahr an, als sich die Aktionäre der Gasleitung South Stream auf den Bau der Nord-Pipeline einigten. Einige Tage nach der Unterzeichnung dieses Abkommens trat die ungarische Firma MOL aus dem Nabucco-Konsortium aus. Vor kurzem verlies das Projekt einer seiner wichtigsten Aktieninhaber und Partner – der deutsche Konzern RWE.

Eigentlich ist seit langem klar, daß Nabucco früher oder später seine Teilnehmer verlieren wird, sagt der Chefanalyst des russischen Fonds für nationale Energiesicherheit, Alexander Pasetschnik. Das Projekt wird kaum seine ursprüngliche Form bewahren, es wurde schon in ein kürzeres Nabucco-West umstrukturieret. Probleme mit den Ressourcen und Investoren sowie geringer Gas-Verbrauch in der EU führen dazu, daß Nabucco sich als kommerziell unzweckmäßig erweist.

Gazprom hat unterdessen zwei Leitungen der Gaspipeline Nord Stream verlegt, South Stream soll zum Jahr 2015 auch realisiert werden. Bis Ende dieses Jahres wird der Bau der Pipeline in Serbien anfangen. Gazprom hat mehr Vorteile, so Alexander Pasetschnik:

„Ich möchte nochmals darauf hinweisen, daß Gazprom über eine Ressourcenbasis verfügt, die dem europäischen Nabucco gerade fehlt. Die Gerüchte darüber, daß das Projekt eingefroren wird oder sich überhaupt auflöst, könnten stimmen. So schnell geschieht dies aber nicht, mit dem EndbeSchluß wird es noch dauern, das ist klar. In Wirklichkeit ist Nabucco jedoch bisher ein Phantom.“

Wegen der heutigen wirtschaftlichen Situation in den EU-Ländern gehen die meisten Teilnehmer des Projekts nicht mehr von ihren politischen Ambitionen, sondern kommerziellen Gründen aus. Niemand will in eine Pipeline investieren, die nicht durch Verträge abgesichert ist. Die Hauptfrage betrifft die Füllung der Gasleitung und ist bislang nicht gelöst.

Es stellt sich heraus, daß an Nabucco größtenteils die Europäische Komission interessiert war, weil dies als Mittel zur Druckausübung auf Rußland bei der Diversifikation von Lieferungen von Energieträgern benutzt werden kann, bemerkte im Interview mit der STIMME RUSSLANDS der Experte für den Öl- und Gasmarkt, Dmitri Ljutjagin:

„Die Idee ist an sich nicht so schlecht. Hinsichtlich der Rohstoffbasis ist alles aber sehr kompliziert. Außerdem sind bestimmte Investitionen aller Teilnehmer erforderlich. Hier bestand das Hauptproblem darin, die Interessen vieler Länder zu bündeln. Dazu gibt es politische Unstimmigkeiten zwischen den Staaten, auf deren Territorium die Gasleitung verlegt werden soll.“

Die Nabucco-Geschichte ist aber noch nicht beendet, meint Dmitri Ljutjagin. Das Projekt kann zu den Akten gelegt werden, damit man jederzeit je nach der politischen oder wirtschaftlichen Situation in Europa darauf zurückgreifen kann. Was TAP betrifft, können die Experten noch nicht einschätzen, ob das Konsortium ein ernster Gegner für South Stream ist. Vor allem, weil TAP bisher nur ein Projekt ist.
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