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Wikinger – Gelage bei Haferbrei und Quellwasser

Gemüse, Gewürze, Kräuter

In den Hausgärten der Bauern im südlichen Teil der Urheimat der Wikinger, also im heutigen Dänemark, Schleswig-Holstein und Südschweden, gedieh eine überraschend große Vielfalt an Gemüsesorten. Kohl, Bohnen, Erbsen, Lauch, Rüben, Zwiebeln, Knoblauch, Kümmel, Senf und eine lange Reihe Küchenkräuter, wie Dill, Kresse oder Petersilie waren bekannt.

Ein spöttischer Archäologe meinte sogar, damals sei die Gemüseversorgung besser gewesen als im modernen Schweden.
Die Legende, daß die meisten Würz- und Arzneikräuter erst über die Klostergärten in den Norden kamen, stimmt nicht! Vieler dieser Kräuter gedeihen auch in Nordeuropa wild. Kräuter und Gemüse mediterraner Herkunft gelangten schon spätestens in römischer Zeit, wahrscheinlich schon eher, durch Handel in das nördliche Europa.

Andere Gewürze, vor allem Pfeffer, wurden durch den ausgedehnten Fernhandel beschafft, waren entsprechend teuer, und fanden sich aber wohl nur auf den Tellern der Wohlhabenden.

In Norwegen, den Inseln des Nordatlantik oder in Island und Grönland wuchsen nur noch wenige Gemüsepflanze – man führte hierher getrocknete Hülsenfrüchte aus milderen Gegenden ein. Auch in milderen Gegenden ergänzten Wildpflanzen wie Sauerampfer und Löwenzahn den Speiseplan.

Allerdings wurde diese auch aus heutiger Sicht wertvolle Kost durch die Kochmethoden der Wikinger eher verdorben als zubereitet, denn alles und jedes wurde stundenlang im Kochkessel zerkocht. Später, im hohen Mittelalter, war das Zermusen und Zerkochen von Lebensmitteln geradezu eine Küchenphilosopie – unser heutiges Wort „Gemüse”, d. h. das „Gemuste”, „Zu-Mus-Gekochte”, zeugt noch von dieser Unsitte. Zur Zeit der Wikingern war es noch nicht ganz so schlimm – aber ein heutiger Feinschmecker würde sich von den meisten Wikingereintöpfen mit Grausen abwenden.

Obst, Beeren, Pilze

Äpfel, Birnen und Pflaumen waren bei den Normannen bekannt und geschätzt, und so wurden überall, wo es das Klima zuließ, Obstbäume gepflanzt. Da das Mittelalter nach 900 ein Klimaoptimum erlebte, gediehen selbst relativ weit im Norden Äpfelbäume und HaselNußsträucher. Gerade auf dem Gebiet der Apfelzucht machten nordländische Obstbauern gute Fortschritte – angeblich wurde der Apfelanbau in der Normandie und im Niederelbegebiet von den Normannen begründet. Das Wappen der aus Edda und Nibelungenlied bekannten Wälsunger zeigte einen Apfel!

In den Gärten der Nordgermanen wuchs außerdem Beerenobst, wie schwarze und rote Johannisbeeren, Himbeeren und Brombeeren. Wildfrüchte und Beeren aus den Wäldern ergänzten im Sommer den Speiseplan.

Pilze wurden gerne gesammelt und zwar nicht nur als Nahrungsmittel: Die Sagatexte weisen auf den Gebrauch halluzinogener Pilze, wie dem Fliegenpilz und verschiedener Arten der Gattung Psilocybe als Rauschmittel hin. Pilze und Beeren wurden, wie das Kulturobst, auch als Winter- und Schiffsproviant gedörrt.

Fisch

Bodenfunde von Fischgräten und von Netzen, Reusen und Angeln weisen darauf hin, daß die fischreichen Gewässer Nordeuropas schon damals intensiv befischt wurden. Allerdings wurde die Fischküche in den Sagas nur wenig gewürdigt. Das lag wohl daran, daß der Fisch zu alltäglich und gewöhnlich war, um in Heldengedichten besungen zu werden.

Fische wurden gekocht, gebraten oder an langen Eisengabeln geröstet und gegrillt. Fund im norwegischen Sogn deuten darauf hin, daß Fisch und Fleisch auch in Lehmpackungen zwischen heißen Steinen gegart wurden. Fische wurde im Gegensatz zum späten Mittelalter nur selten durch Einsalzen konserviert – Salz wurde durch das Verdampfen von Meerwasser gewonnen; ein aufwendiges und wenig ergiebiges Verfahren, weshalb es vergleichsweise teuer war. Die gängigste „Fischkonserve” war der luftgetrocknete Stockfisch, der auch exportiert wurde.

Fleisch

In den Sagatexten werden oft Fleischspeisen erwähnt. Daraus darf man keineswegs schließen, daß die Wikinger große Fleischesser gewesen wären. Im Gegenteil: reichlich gutes Fleisch war etwas Besonderes, das deshalb auch besonders gewürdigt wurde. Da man dem Fleisch kraft- und mutfördernde Eigenschaften zuschrieb, achteten Schiffs- und Truppenführer stets darauf, daß ihre Leute ausreichend Fleisch bekamen, das man sich gegebenenfalls durch Raub beschaffte. Das Vieh wurde wegen seiner Arbeitskraft, wegen seiner Wolle oder seiner Milch gehalten und nur bei besonderen Anlässen geschlachtet, allenfalls die Schweine waren allein zum Verzehr bestimmt. Geschlachtet wurden die Schweine und das Geflügel wie im späteren Mittelalter vor allem im „Blutmond“, dem November, dann waren die Tiere am bestem im Fleisch und brauchten geräuchert oder getrocknet den Winter über kein Futter.

Die Jagd hatte eine relativ große Bedeutung, sowohl als gesellschaftliches Ereignis wie zur Nahrungsergänzung. In allen Kulturschichten der Wikingerzeit finden sich Knochen von Wildtieren.

Fleisch wurde wie Fisch gegrillt, gekocht oder gebraten. Konserviert wurde das Fleisch durch Einsalzen d. h. Pökeln, durch Trocknen oder durch Räuchern.

GETRÄNKE

Im Alltag tranken die Wikinger vor allem Milch und Wasser. Trotzdem ist das Klischee vom „trinkfreudigen Wikingerkrieger” nicht ganz falsch.

Bier

Die Nordländer brauten ihr Bier aus Gerste, hin und wieder auch aus Hafer. Als Bitterstoff wurde bereits Hopfen verwendet, wie Funde aus Haithabu und Graveney bezeugen. Da der Hopfen zum größten Teil aus milderen Landstrichen eingeführt werden mußte, wurden auch Wegewartenwurzel und Schafgabe zum Würzen verwendet. In Mitteleuropa wurde auch Bilsenkraut zu diesem Zweck gebraucht, vielleicht war das auch im Norden der Fall. Bilsen-Bier ist eine starke, halluzinogene und enthemmende Rauschdroge.

Es waren schon mehrere Biersorten bekannt. Für den täglichen Verzehr wurde Dünnbier gebraut, das, da es sich in Fässern besser hielt als Frischwasser, in großen Mengen als Schiffsproviant diente. Dieses Dünnbier wurde auch gerne zum Kochen verwendet.

Für festliche Gelegenheiten gab es natürlich auch Starkbier. Die obergärigen Normannenbiere gab es als helle und als dunkle altbierähnliche Sorten, sowohl süffig wie herb, wobei sehr starke Biere das höchste Prestige genossen. „Je größer der Herr, desto stärker sein Bier”, galt aus Faustregel der nordgermanischen Seefahrer.

Wenn sich die Gelegenheit ergab, war der Bierkonsum der Wikinger maßlos. Der Höhepunkt eines typischen Normannenfestes scheint der allgemeine Vollrausch gewesen zu sein, dem auch kultische Bedeutung zukam. Eine Eigenart der Wikinger war es war, das Bier – wie andere alkoholische Getränke – oft erwärmt zu trinken.

Obstweine

Weintrauben von einigermaßen brauchbarer Qualität gediehen in der Heimat der Normannen nicht. Wein war deshalb – anders als in Mitteleuropa – ein Luxusgetränk. Dafür verstand man sich im Norden auf die Kunst der Obstweingewinnung.
Apfelwein, der in etwa dem moussierendem Cidre entsprach, und Johannisbeerwein (im Schwedischen heißt die rote Johannisbeere noch heute „Vinbär”!) waren die gängigsten Obstweine, die oft erhitzt und gewürzt getrunken wurden. Als die Kunst des Destillierens im Norden bekannt wurde, gehörten Obstschnäpse zu den ersten „heimischen Spirituosen”.
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Met

Met (Mjöd) gilt als „das” Wikingergetränk schlechthin – nicht ganz zu recht, denn Met wurde schon zur Bronzezeit aus vergorenem Honig gewonnen. Er war bei den Kelten sehr beliebt und sogar den alten Griechen („Methys”) bekannt.
Darüber, wie oft Met genossen wurde, gibt es unterschiedliche Angaben. Wolfram zu Mondfeld z. B. meint, er sei eher selten gewesen, da lediglich der Honig von Waldbienen zur Verfügung stand. Andere Autoren meinen dagegen, daß schließlich schon der griechische Forschungsreisende Phytheas die Bienenzucht in Nordeuropa bezeugen würde – und warum sollten ihre Nachkommen diese Kunst verlernt haben? Bei den Kelten Mitteleuropas ist eine systematische Imkerei inzwischen nachgewiesen, wann und in welchem Umfang sie sich im Norden verbreitete, ist nicht bekannt.

Neuere archäologische Funde legen nahe, daß zumindest wohlhabende Kreise sich öfter mal ein Trickhorn Met leisten konnten – wenngleich seltener, als das Klischee den Wikingern nachsagt. Met wurde meistens warm getrunken.