Home / Rezepturen / Wikinger – Gelage bei Haferbrei und Quellwasser

Wikinger – Gelage bei Haferbrei und Quellwasser

food.original
Rezepte zum Nachmachen:http://magazine.tnn-online.net/blog/feiern-wie-die-wikinger-fladenbrot-weizenbrei-und-met-zum-gelage/

Wikingergelage waren entgegen der gängigen Ansicht eher selten, da der karge Norden kaum genug hervorbrachte, um die zahlenmäßig an sich recht kleine Anzahl Nordländer üppig zu ernähren.

Im Alltag wurden Breie gegessen, Fladenbrot, Fisch und Wild, getrunken wurden Milch und Wasser. Bier und Met dagegen waren aufgrund des rauhen Klimas nicht in Massenvorhanden.
Dank der Schilderungen aus Sagatexten, die gerne und ausführlich von den Freuden des Lebens berichten, aber auch durch archäologische Funde von ausgegrabenen Nahrungsresten bis hin zu den Mageninhalten von Moorleichen wissen wir recht gut über die Ernährung der frühmittelalterlichen Nordeuropäer Bescheid.

Getreidebrei

Breie und Muse bildeten einen wesentlichen Bestandteil des mittelalterlichen Speisezettels – und die Normannen bildeten da keine Ausnahme.

Im Nordeuropa des frühen Mittelalters baute man vor allem Gerste, Hafer und Roggen, aber nur selten Weizen bzw. Dinkel an, der ein milderes Klima benötigt. Alle diese Getreide – vor allem aber der Hafer – wurden geschrotet und mit Salzwasser zu einer Art Porrige verkocht. Daneben fand Buchweizen (kein Getreide, sondern ein Knöterichgewächs) als „Grützengrundstoff” seinen Eingang in die nordgermanische Küche. In einigen Gegenden Norwegens und Schwedens ist die berüchtigte „Havregröt” noch bis in die Gegenwart hinein Volksnahrungsmittel – der „tägliche Brei” der Wikinger wird kaum schmackhafter gewesen sein.

Der reizlose Brei wurde gelegentlich dadurch verbessert, daß das Getreide vor dem Mahlen geröstet und zuweilen mit Raps- und Leindotter gemischt wurde. Bei festlichen Gelegenheiten und in wohlhabenden Haushalten verbesserten Butter, Sahne oder Dickmilch den Brei, und zuweilen gab es sogar Ansätze, den Getreidebrei mit Nüssen, Kräutern und Trockenfrüchten zu einer Art Müsli aufzuwerten. In schlechten Zeiten griff man aber auch auf wenig schmackhafte „Streckmittel” wie Knöterich, Spörgel, Gänsefuß, Ackerveilchen und ähnlichen, heutigen Landwirten nur noch als Unkräuter bekannte Wildpflanzen zurück.

Brot

Brot wurde aus Roggen- oder Gerstenmehl gebacken, denn Weizenmehl war derart kostbar, daß es nur den „Hochedlen”, den Jarls und Königen, vorbehalten blieb. Aus dem Mehl knetete man flache Fladen, die in langstieligen Pfannen gebacken wurden.

Es gibt Autoren, die behaupten, die Nordgermanen hätten weder Hefe noch Sauerteig gekannt. Das ist nicht ganz richtig, es stimmt aber schon, daß Brotfladen im Norden meistens ohne Treibmittel gebacken wurden.

Sauerteig und Hefe wurden im Altertum und im Mittelalter ausschließlich nach dem noch heute bekannten Prinzip des „Ansatzes“ verwendet. Angeflogene Wildhefen und Milchsäurebakterien führen in mindestens 9 von 10 Fällen nicht zu einem aufgegangenem Teig oder gut gegorener Maische, sondern zum Verderb. Geglückte Ansätze wurden weitergegeben, d. h. bei jedem Backen oder Brauen bewahrte man einen Teil des Teiges oder der Maische auf, um sie das nächste Mal zu verwenden. Oft wurden einfach Bier oder Met, in dem noch Hefeflocken schwammen, als Backansatz verwendet.

Wenn der Stammteig oder die Stammmaische abstarb, was bei Kälte leicht passieren konnte, mußte man warten, bis einem mit viel Glück ein neuer Ansatz gelang oder man von einem glücklicheren Nachbarn etwas Stammteig abbekommen konnte. In abgelegenen Gegenden mit rauem Klima mußte man deshalb oft ohne Hefe und Sauerteig auskommen.

Die Hefe- und Sauerteig-Ansätze waren Wildsorten und entsprechend unberechenbar. Nur selten entwickelten sie genügend Triebkraft, um die schweren Roggen- und Gerstenmehle zu halbwegs lockeren Teigen verarbeiten zu können.
Das Brot, das in etwa dem in Nordwegen und Island noch heute bekanntem „Fladbröd” entspricht, aß man am besten noch ofenwarm, denn später wurde der Brotfladen steinhart.

In mancher Hinsicht war dieses Fladbröd ein Vorläufer des Knäckebrots – das Hartbrot war gut haltbar und eignete sich somit hervorragend als Vorrat für den Winter oder als Schiffsproviant. Relativ oft wurde diesem Brot gemahlene Kiefernborke beigemischt, die jedoch nicht nur ein Streckmittel war, sondern dem Körper auch lebensnotwendige Vitamine zuführte. Der gefürchtete Skorbut, die Geisel der „christlichen Seefahrt”, war auch dank dieses Zusatzes im „alten Norden” unbekannt. Gebissschäden waren dafür um so häufiger – die Zähne vieler Wikingerschädel waren auch bei relativ jungen Menschen in ruinösem Zustand, und das obwohl der kariesfördernde raffinierte Zucker noch unbekannt war. Der Grund dafür waren die zahlreichen Gesteinspartikel der steinernen Handmühlen, in denen das Mehl gemahlen wurde. Die weichen Breie setzten sich in dem durch die Steinchen beschädigten Zahnschmelz fest und die Karies fand reiche Beute …

Milchprodukte

Schon römische Autoren wie Cäsar und Tacitus bescheinigen den Germanen eine hochentwickelte Milchwirtschaft. Das gilt erst recht für den rauen Norden Europas: wo harte Fröste oder häufige Überschwemmungen keinen Ackerbau mehr zuließen, konnten immer noch Kühe, Schafe und Ziegen weiden. Das gilt auch für die sich weiter im Süden infolge von Raubbau ausbreitenden Heideflächen.

Aus der Milch ihrer Herdentiere stellten die Wikinger eine Reihe der auch heute noch üblichen Produkte her: verschiedene Sorten Käse, Butter, Buttermilch, Sahne, Sauermilch, Dickmilch und sogar eine Art Joghurt. Skyr, gesalzene Dickmilch, die sich lange hielt, dürfte zur Bordverpflegung der Wikinger gehört haben.

Nächste Seite:

Gemüse, Gewürze, Kräuter
Obst, Beeren, Pilze
Fisch, Fleisch
GETRÄNKE
Bier, Obstweine, Met