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WEF: Das allererste Statement des IWF zum Thema Virtuelle Währungen

CHRISTIAN MAEDER — 22. JANUAR 2016

WEF: Zum Bitcoin Paper des IWF – Virtual Currencies

WEF: Zum Bitcoin Paper des IWF – Virtual Currencies

Welchen Platz nehmen die Blockchain und Cryptocurrencies am World Economic Forum in Davos ein? Nicht Wenige verfolgen die Diskussion rund um Bitcion mit grossem Interesse.

Soeben präsentierte Christine Lagarde, die geschäftsführende Direktorin des Internationalen Währungsfonds, ein Papier zum Thema Bitcoin. Dies ist insofern hochspannend, da es das erste Statement auf Papier des IWFs zum Thema Cryptocurrencies ist!

IWF WEF2016: Christine Lagarde

IWF WEF2016: Christine Lagarde

“Virtual currencies and their underlying technologies can provide faster and cheaper financial services, and can become a powerful tool for deepening financial inclusion in the developing world.”
– Christine Lagarde, IWF Direktorin

Die Aufgaben und „Reichweite“ des IWF ist folgende: Der IWF fördert die Zusammenarbeit in der Währungspolitik, fördert die Ausweitung des Welthandels, hilft beim Stabilisieren von Währungskursen, überwacht die Gelpolitik und vergibt Kredite an Länder ohne ausreichende Währungsreserven. Dabei, das ist ggf. für Bitcoin interessant, wirkt der IWF unterstützend, insbesondere mit technischer Hilfe in all diesen Bereichen. Daneben gibt es noch die Weltbank, die oft als Schwesterorganisation angesehen wird. Beide Organisationen haben den Ursprung im sogenannten Bretton-Wood-System, welches nach dem zweiten Weltkrieg geschaffen wurde und damals das Ziel hatte, fixe Wechselkurse einzuführen. Die tatsächliche Wirkung, die der IWF hat, liegt klar in der Kreditvergabe an Länder in Zahlungsot. In anderen Bereichen beschränkt sich die Wirkung auf „Beratung und Unterstützung“, denn der IWF kann keine „zwingende“ Maßnahmen verhängen.

Der Bericht ist das allererste Statement des IWF zum Thema Cryptocurrencies. Genaugenommen faßt dieser Bericht das gesamte digitale Geld in „Virtual Currencies“ zusammen. Ich verwende im Weiteren die Übersetzung davon, also Virtuelle Währungen. Und hier kommt gleich ein erster Kritikpunkt: Die Verwendung eines Begriffes wie Digitale Währungen wäre besser. Denn „virtuell“ suggeriert „Nichtexistenz“. Meines Erachtens sind „virtuelle Währungen“ zwar digital, aber durchaus real und man kann damit reale Dinge kaufen. Bitcoin wurde, so sagt man, vor seiner Entstehung als Digital Cash betitelt.

Aber nun zur Sache: Dieses Dokument ist ein einfaches, erstes Statement geworden und läßt sich recht gut in folgende 3 Teile teilen:

  • Klassifizierung
  • Funktionsweise
  • Regulierung

Besonders interssant: Wie der IWF die wichtigen Punkte wie Dezentralisierung sowie Cryptocurrencies hervorhebt.

Die Blockchain-Technologie rsp. dezentralisierte Datenbanken werden erklärt sowie einzelne Regulierungsansätze einiger Länder erwähnt. Aber vor allem stellt der IWF treffend fest:

“’Virtual currencies‘ technologies hold promise of greater financial inclusion and lower remittances costs.”

Die Technologie wird viel günstigere Überweisungen als bisher ermöglichen. Das tönt jetzt nach Rappenspalterei, aber wie effektvoll auch nur wenige Rappen bei flächendeckender Anwendung ausmachen können, zeigte Johann Geevers diesen Herbst an einer Konferenz in Zürich eindrücklich auf.

Der IWF stellt im Weiteren fest, daß der Gebrauch von Virtuellen Währungen besonders in Ländern mit lascher Geldpolitik sich zügig verbreiten könnten. Allerdings, je nach Volatilität dieser Währungen, könnte aber auch eine Dollarisierung stattfinden. Der IWF hält fest, daß es schwierig ist, Vorhersagen im Breich Virtuelle Währungen zu machen und bemerkt zudem, daß dieses Papier eine allererste Stellungsnahme des IWF ist und vor allem dazu dienen soll, eine konstruktive Diskussion im Bezug auf Regulierung in Gang zu setzen. Überhaupt ist Regulierung ein großes Thema und fast der ganze letzte Teil widmet sich diesem Thema.

Intelligenterweise stellt der IWF die treffende Frage: Wer soll reguliert werden? Der Nutzer der virtuellen Währungen oder andere beteiligte Parteien wie Exchanges? Um dann im Punkt [66] festzustellen:

Regulatory responses should be commensurate to the risks without stifling innovation.

Auf Deutsch:
Die regulatorische Reaktionen sollten den Risiken angemessen sein, ohne Innovation abzuwürgen.

In jedem Fall sind virtuelle Währungen ein Weites Feld und wir stehen alle erst am Anfang einer imposanten Entwicklung. Um den richtigen Umgang mit Virtuellen Währungen finden zu können, ist noch ein großer Effort an Monitoring und Analyse nötig. Dies stellt auch der IWF als Fazit fest.

Kritikpunkt: Der Bericht geht zuwenig auf den möglichen Impact der Blockchaintechnologie auf „The Unbanked“ ein; ja die enthaltenen Statements „Es wird halt günstiger Geld zu überweisen“ kommen fast ein wenig lapidar daher, Smart Contracts, deren Risiken sowie Möglichkeiten und Decentralized Applications (Dapps) wie sie beispielsweise Ethereum ermöglichen wird, fehlen gänzlich. Lösungsansätze werden nicht präsentiert, der ganze Bericht besteht fast nur aus Fragen. Zudem kann man von einem derartigen Verein eine in sich schlüssige(re) Definition von Geld erwarten. Ansonsten guter Ansatz und schön sieht der IWF in Virtuellen Währungen Potential und Innovation!

QUELLE

[1] WEF2016: INTERNATIONAL MONETARY FUND – Virtual Currencies and Beyond: Initial Considerations
[3] http://www.imf.org/external/pubs/cat/longres.aspx?sk=43618
[2] http://www.weforum.org/