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Gib mir die Welt plus fünf Prozent – Geschichte der Entstehung unseres Geldsystems mit Video

Kurzvorstellung

Der Film zeigt die tatsächliche Entwicklung unseres Geldes – sowie den Fehler im Geldsystem.
Warum überall Geld fehlt “Gib mir die Welt plus 5 Prozent”. Die Geschichte vom Goldschmied Fabian. 50 aufschlußreiche Minuten über den grundlegenden Fehler in unserem Geldsystem und das grundlegende Geheimnis des Banken- und Geldwesens.

Inhalt

* Was ist Geld? * Wie entstanden Banknoten, Schecks usw. * Der grundlegende Fehler im System * Warum überall Geld fehlt * Warum die Bürokratie immer weiter ausufert * Warum die Belastungen für die Bürger laufend anwachsen * Warum es zu Kriegen kommt * Warum das Bargeld schrittweise abgeschafft wird * Die Ursache der Globalisierung * Das unentdeckte Geheimnis des Banken- und Geldwesens

Tauschhandel

Fabian war innerlich erregt, als er seine Rede übte, die er am kommenden Tag vor einer großen Menschenmenge halten würde. Schon immer hatte er nach Macht und Prestige gestrebt. Nun würde sein Traum bald wahr werden.

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Fabian war innerlich erregt, als er seine Rede übte

Fabian war Handwerker, der mit Gold und Silber arbeitete, Schmuck und Verzierungen herstellte, doch es gefiel ihm nicht, daß er sich seinen Lebensunterhalt mit Arbeit zu verdienen hatte. Er suchte den Reiz des Außergewöhnlichen, die Herausforderung – nun stand sein großer Plan vor der Verwirklichung.

Seit Generationen war der direkte Warentausch die gängige Art des Handels. Familien lebten davon, sich auf bestimmte Waren zu spezialisieren und den Überschuß mit Waren eines anderen Händlers auszutauschen. Der Marktplatz war der laute Mittelpunkt des gesellschaftlichen Lebens. Dem Volk gefiel das bunte Treiben, denn es gab immer viel Neues und Interessantes zu hören. In letzter Zeit allerdings nahmen Umtriebe und Streitigkeiten zu – ein besseres System schien nötig, wenngleich die Menschen immer noch fröhlich waren und die Früchte ihrer Arbeit genossen.

Die Regierungsform war äußerst simpel: In jeder Gemeinde wurde ein Bürgerrat gewählt, dessen Aufgabe es war, Freiheiten und Rechte des Einzelnen zu sichern und zu gewährleisten. Niemand durfte gegen seinen Willen zu irgendetwas gezwungen werden. Das war der einzige Zweck der Regierung. Dennoch war der Bürgermeister manchen Situationen nicht gewachsen, insbesondere wenn es darum ging, bei Uneinigkeiten auf dem Marktplatz festzulegen, ob beispielsweise ein Messer mit einem oder zwei Körben Mais zu bezahlen sei oder ob einer Kuh mehr Wert beizumessen wäre als einem Leiterwagen.

Fabian hatte nun angekündigt, daß er die Lösung für diese Probleme habe.

Münzgeld

Tags darauf erläuterte Fabian vor einer großen Menschenmenge sein neues System, das er „Geld” nannte. Da die Sache recht viel versprechend klang, fragten die Menschen in ihrer Neugierde, wie zu beginnen sei.

»Ich habe die Lösung für unsere Probleme mit dem Tauschhandel!«

»Das Gold, aus dem ich Schmuck mache, ist ein erstklassiges und wertvolles Metall, das nicht rostet und lange währt. Also werde ich aus Gold Münzen herstellen und sie Goldtaler nennen«, sagte er und erklärte weiter, daß jeder Taler einen bestimmten Wert habe und daß „Geld” als Tauschmittel wesentlich praktischer sei als der direkte Austausch von Waren.

Ein Mitglied des Bürgerrates brachte zur Sprache, daß es nicht allzu schwierig sei, Gold selbst zu schürfen und damit Taler herzustellen. »Das wäre „unlauter” und müsste strikt unterbunden werden«, entgegnete Fabian, »nur die vom Bürgerrat zugelassenen Münzen sind erlaubt. Zur Sicherheit werden sie mit einem Siegel versehen.« Jedes Gemeindemitglied sollte anfangs dieselbe Anzahl neuer Münzen erhalten.

Der Markttag warf einige Probleme auf, denen nicht ohne weiteres beizukommen war.

Das klang fair, allerdings unterbrach der Kerzenmacher: »Das Anrecht auf die meisten Taler habe ich, da jeder Bürger meine Kerzen braucht.« – »Auf keinen Fall«, schrie einer der Bauern, »ohne mein Gemüse würden wir alle hungern! Ich verdiene die meisten Taler!« Fabian ließ sie eine Weile streiten und unterbreitete dann folgenden Vorschlag: »Da ihr euch nicht einigen könnt, schlage ich vor, jedem einzelnen so viele Taler zu leihen wie er will, unter der Voraussetzung, daß diese zurückgezahlt werden. Da ich das Geld zur Verfügung stelle, habe ich ein Recht auf eine Vergütung: für 100 Taler erhalte ich am Ende eines Jahres 105 zurück. Diese 5 Taler nenne ich „Zins”, sie sind mein Verdienst.«

Dies klang akzeptabel – und 5 % hörten sich geringfügig genug an. Fabian verlor keine Zeit und verbrachte die nächsten Tage und Nächte mit der Herstellung von Münzen. In der folgenden Woche standen die Leute vor seinem Geschäft Schlange – und nachdem der Bürgerrat die Münzen inspiziert und genehmigt hatte, liehen sich die ersten Bürger ihre ersten Taler; anfangs nur ein paar wenige, um das ungewohnte System auszuprobieren, dann immer mehr.

Das neue Konzept „Geld” funktionierte erstklassig und bald wurde alles mit Goldmünzen bzw. Talern bewertet. Der auf den Waren angebrachte Wert wurde „Preis” genannt und anhand des Aufwandes und der Zeit festgelegt, die in Form von Arbeit geleistet wurde.

Wettbewerb

Es war ein echter und ehrlicher freier Wettbewerb

In einer der Städte des Landes lebte Alban als einziger Uhrmacher. Seine Kundschaft war bereit, einen hohen Preis für seine Uhren zu bezahlen. Dann öffnete ein neuer Uhrmacher einen Laden und Alban war gezwungen, seine Preise zu senken, um nicht alle seine Kunden an die billigere Konkurrenz zu verlieren. Dieser freie Wettbewerb im ursprünglichen Sinne erfaßte bald sämtliche Branchen.

Weil alle möglichst viel Geld einnehmen wollten, wurde viel gearbeitet und produziert, der Lebensstandard stieg und schließlich wunderte sich ein jeder, wie ein Leben vor dem „Geld” überhaupt möglich gewesen war.

Schulden

Zum Jahresende suchte Fabian all diejenigen auf, die Geld von ihm geliehen hatten. Manche besaßen mehr, als sie aufgenommen hatten, was zugleich bedeutete, daß andere weniger haben mußten, da ja nur eine bestimmte Menge in Umlauf war. Diejenigen, die mehr in Besitz hatten, zahlten die hundert Taler plus fünf Taler Zins zurück, mußten aber oftmals neues Geld leihen, um weiter im Geschäft bleiben zu können.

Die anderen jedoch merkten zum ersten Mal, daß sie Schulden hatten. Fabian gewährte ihnen daraufhin eine Ratenzahlung und nahm Teile ihrer Besitztümer als Sicherheit. Sogleich suchte jeder nach den fehlenden Talern – doch diese waren sehr schwer aufzutreiben.

Eine Rechnung, die nie aufgehen kann

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Niemand außer Fabian begriff, daß die Zinsen niemals gezahlt werden konnten

Keinem wurde gewahr, daß die ganze Nation niemals wieder unverschuldet sein konnte, denn selbst, wenn jeder einzelne aller ursprünglich hergestellten und herausgegebenen Taler am Jahresende zurückgezahlt worden wäre, fehlten pro verliehenen 100 Talern immer noch jene fünf Taler „Zins”. Nur Fabian wußte, daß es unmöglich war, den Zins jemals in seiner Gesamtheit zu erhalten bzw. daß die Rechnung niemals aufgehen konnte, da dieses Extra-Gold ja nie in der Realität existiert hatte, es niemals in Umlauf gegeben worden war und niemand sonst extra Münzen hatte herstellen dürfen.

Es können keine 105.000 einzelnen Münzen zurückbezahlt werden, wenn insgesamt nur 100.000 hergestellt worden sind. Alle „fünf Taler”, die Fabian zum Jahresende Zins bezahlt wurden, mußten also einem anderen Dorfbewohner fehlen.

Bank-Noten

Es bürgerte sich ein, anstelle von Münzen mit einer oder mehreren von Fabians Quittungen zu bezahlen

In seinem Atelier hatte Fabian einen großen Tresor. Manche Kunden fanden es praktisch und bequem, ihm ihre Münzen gegen eine geringe Gebühr anzuvertrauen. Hierfür erhielten sie von Fabian eine Quittung. Bei größeren Einkäufen war es mühsam, viele Münzen mit sich herumzuschleppen und so bürgerte es sich im Laufe der Zeit ein, anstelle von Münzen mit einer oder mehreren von Fabians Quittungen zu bezahlen, die dem Wert der gekauften Ware entsprachen.

Die Ladenbesitzer akzeptieren die Quittungen als echtes Zahlungsmittel, da sie dieselben ja zu Fabian bringen und dafür wieder Goldmünzen erhalten konnten. Die Quittungen wanderten schnell von Hand zu Hand, ohne daß das Gold selbst bewegt werden mußte.

So kam es, daß Fabians Quittungen bald als ebenso „echt” und wertvoll angesehen wurden wie die Goldmünzen selbst. Es dauerte nicht lange und Fabian stellte fest, daß es ziemlich unwahrscheinlich war, daß auch nur einer seiner Kunden plötzlich alle seine Münzen zurückfordern würde. Also dachte er sich: „Warum mehr Münzen herstellen, wenn sie doch gar nicht gebraucht werden?”, und so fing er an, die bereits vorhandenen, bei ihm deponierten Münzen herzuleihen – anfangs mit großer Vorsicht, nach und nach aber mit wachsender Selbstverständlichkeit. Er sagte sich: „In der Tat ist es nicht mein Eigentum, sondern nur das treuhänderisch bei mir deponierte Kundengold, aber es ist nun mal in meinem Besitz – und darauf kommt es an.”

Geldschöpfung aus dem Nichts

Eines Tages erhielt Fabian eine große Kreditanfrage. Er schlug dem Kunden vor: „Warum eröffnen wir nicht ein Depot in Ihrem Namen, anstatt die gesamten Münzen zu Ihnen zu transportieren?

Der Geldverleih erwies sich als ein äußerst einträgliches Geschäft

Ich stelle Ihnen einfach eine entsprechende Menge Quittungen aus!” Der Kreditsteller war einverstanden und marschierte mit einem Haufen Quittungen davon. Er hatte ein stattliches Darlehen erhalten und dennoch war alles Gold in Fabians Tresor verblieben!

Nachdem der Kunde fort war, hatte Fabian ein Lächeln auf den Lippen, denn es war ihm gelungen „einen Kuchen sowohl zu behalten als auch zu essen”. Er konnte also Gold verleihen und es dennoch in seinem Besitz behalten. Freunde, Bekannte und Fremde, ja selbst Feinde brauchten Geld für ihre Geschäfte – und solange sie Sicherheiten vorweisen konnten, war dem Geldverleih keine Grenze gesetzt.

Fabian war in der Lage, ein Mehrfaches des in seinem Tresor gelagerten Geldes – dessen Eigentümer er noch nicht einmal war – zu verleihen, indem er schlicht und einfach Quittungen ausstellte und alles war in Butter, solange der wahre Eigentümer nicht sein Gold zurückverlangte, das Vertrauen der Leute aufrecht erhalten wurde und er genauestens Buch darüber führte! Der Geldverleih war in der Tat ein lukratives Geschäft.

Geheimbund

Die Goldschmiede beschlossen die Gründung eines Geheimbundes

Fabians sozialer Status stieg so schnell wie sein Wohlstand. Sein Wort und seine Ansichten in Finanzangelegenheiten erlangten geradezu prophetische Natur. Goldschmiede aus anderen Teilen des Landes waren interessiert an seinem Erfolg, und Fabian berief ein Treffen der Goldschmiede ein, das bereits unter Geheimhaltung stattzufinden hatte. Schließlich durfte der Schwindel nicht an die Öffentlichkeit gelangen, wenn die Sache weiterhin funktionieren sollte.

Nach etlichem Abwägen wurde eine Logenbruderschaft gegründet und die Mitglieder auf absolutes Stillschweigen vereidigt. Sie nannten sich die „Erleuchteten” – und die neu „erleuchteten” Goldschmiede begannen nun in allen Teilen des Landes nach Fabians Anweisungen Geld zu verleihen.

Schecks, Überweisungen

Mittlerweile wurden Fabians Quittungen genauso akzeptiert wie seine Goldtaler und genauso in seinem Tresor unter Verschluß gehalten. Wenn ein Händler einem anderen einen bestimmten Betrag bezahlen wollte, verfaßte er einfach eine kurze Notiz an Fabian, der sodann die Zahlen vom Konto des einen auf das Konto des anderen Händlers übertrug. Auch dieses neue System wurde sehr populär.

Durch diese „Überweisungen” oder „Schecks” entstand unbemerkt wiederum eine ganz neue Form von Geld – Geld, das nur in Fabians Büchern existierte – seine Bücher repräsentierten somit die ersten Girokonten.

Staatliches Zahlungsmittel

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Spät in der Nacht offenbarte Fabian seinen Goldschmieden im Rahmen eines weiteren Geheimtreffens einen neuen Plan, der kurz darauf den Bürgermeistern und Regierungsbeamten unterbreitet wurde: Fabian täuschte alarmplanmäßig vor, daß viele gefälschte Schecks aufgetaucht seien. Bestürzt baten die Beamten um seinen Rat.

»Mein Vorschlag ist, daß die Regierung künftig Quittungen druckt, die schwer zu fälschen sind und „Banknoten” genannt werden. Wir Goldschmiede tragen hierfür gerne die Kosten, uns erspart dies schließlich die Zeit für das Ausfüllen der Quittungen.« Dies schien einleuchtend und die Beamten stimmten ohne Einwand zu, da sie ihre Aufgabe im Schutz der Bürger vor Betrügern sahen. Außerdem, so Fabian, würden manche aus Gold heimlich Taler herstellen und folglich sollte jeder, der nach Gold schürft, mit verstärkter Überwachung verpflichtet werden, das selbe bei den Behörden abzugeben, wobei selbstverständlich die dem Wert entsprechende Vergütung in Form von Münzen und Banknoten dafür ausgehändigt werden würde.

Auch dieser Vorschlag wurde angenommen und die Regierung druckte die neuen Bankquittungen. Auf jeder Banknote war ein bestimmter Wert aufgedruckt: 1 Taler, 2 Taler, 5 Taler, 10 Taler. Die geringfügigen Druckkosten wurden von den Goldschmieden übernommen. Da diese Scheine wesentlich handlicher zu transportieren waren, wurden sie von der Bevölkerung rasch angenommen.

Trotz ihrer Handlichkeit wurden die Banknoten aber nur für rund 10 % aller Transaktionen verwendet. Fabians Aufzeichnungen zeigten, daß 90 % aller Transaktionen durch Überweisungen und Schecks abgewickelt wurden. So war die Zeit gekommen, die nächste Stufe von Fabians Plan umzusetzen.

Spareinlagen

Der nächste Schritt im Plan des „erleuchteten Mannes” bestand nun darin, die sich im Umlauf befindlichen Banknoten als Anlage in seinen Tresor zu locken. Daher überarbeitete er seine Forderung und bot nun seinerseits einen fixen Zinssatz von 3 % für „Spareinlagen” an.

Um das Geld in seinem Tresor zu bewachen und zu verwalten, hatte Fabian ursprünglich ein kleines Entgelt verlangt

Die Kunden waren natürlich sehr erfreut, daß sie anstelle einer Gebühr nun sogar einen Bonus erhielten und akzeptierten dafür auch, daß Fabian das Geld weiter verlieh, wobei er seine gewöhnlichen 5 % Zinsen verlangte, was letztendlich nur 2 % Profit zu sein schienen. Das von Fabian verwaltete Vermögen wuchs naturgemäß weiter an – und wieder verlieh er wesentlich höhere Summen, als tatsächlich in Form von Banknoten im Tresor lagen.

Er war bald in der Lage, für jede 100 Taler in seinem Tresor 200, 300, 400, 800 oder sogar 900 Taler zu verleihen, indem er einfach einen Scheck ausstellte, wobei er peinlichst darauf bedacht war, das neun-zu-eins-Verhältnis nicht zu überschreiten, denn durchschnittlich wollte einer von zehn Kunden sein Geld in Form von Goldmünzen oder Banknoten ausbezahlt bekommen (was dem Verhältnis von 10% Bargeld und 90% bargeldlosem Zahlungsverkehr entspricht).

Stünden keine ausreichend flüssige Mittel in Fabians Tresor mehr zur Verfügung, würden die Leute natürlich sofort Verdacht schöpfen und ihr Vertrauen verlieren. Die Sparbuchidee stellte sich unerwartet lukrativ dar, da Fabian so bis zu 900 Taler Buchvermögen aus 100 Talern realer Einlage ableiten konnte, wobei die daraus erwirtschafteten 45 Taler (= 5 % Zins aus 900 Talern) somit weit, weit mehr waren, als lediglich 2 %, wie allgemein angenommen wurde.

Aufgrund der vielen Sparer wuchs das von Fabian verwaltete Vermögen rapide an

Die anderen Goldschmiede folgten mit großer Freude diesem Plan. Sie erschufen Geld einfach aus dem Nichts – nur mit Hilfe eines Füllfederhalters – und verlangten obendrein noch Zins dafür.

Natürlich, sie prägten das Geld nicht selbst, sondern ließen die Regierung Noten drucken bzw. Münzen prägen, die dann von den Goldschmieden unter die Leute gebracht wurden. Fabian trug lediglich die Druckkosten. Dennoch erschufen sie Geld aus dem Nichts und verlangten darauf auch noch Zinsen.

Die meisten Menschen glaubten, die Versorgung mit Geld sei Sache der Regierung. Sie glaubten ja auch, Fabian würde nur jenes Geld verleihen, das andere als Spareinlage bei ihm deponiert hatten. Hätten alle Anleger ihre Gelder auf einmal zurückgezogen, wäre der Schwindel aufgeflogen. Wenn viele Darlehen in Banknoten oder Münzen ausgezahlt werden mußten, stellte dies kein Problem dar. Fabian erklärte der Regierung einfach, daß das Bevölkerungswachstum oder eine allgemeine Zunahme der Produktion zusätzliche Geldmittel erforderte – die er dann für eine geringe Druckgebühr erhielt.

„Wirtschaftswissenschaft”

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Für jeweils 100 Taler Bargeld im Tresor verlieh Fabian bis zu 900 Taler an Kreditnehmer

Der Tag kam, an dem ein Geschäftsmann und schlauer Denker das System genauer unter die Lupe nahm und Fabian mit folgender Überlegung konfrontierte:

»Für 100 Taler werden 105 Taler als Rückzahlung verlangt; da diese fünf fehlenden Taler nicht existieren, kann die Rechnung niemals aufgehen. Bauern stellen Lebensmittel her, Arbeiter produzieren Waren, du aber bist der Einzige, der Geld produziert.

Angenommen, es gäbe nur einen einzigen Geschäftsmann im Land, der die gesamte Wirtschaft kontrolliert, und dieser würde 90 % allen Umlaufgeldes in Form von Ausgaben und Löhnen wieder auszahlen und die restlichen 10 % als Gewinn verzeichnen, dann würde dem Unternehmer von den ursprünglichen 100 % Gesamtkapital nach wie vor der Zinsanteil fehlen – er könnte ihn nur bezahlen, indem er neues Geld ausliehe.

Das System kann daher nur funktionieren, wenn Du 105 Taler ausgibst – 100 an den jeweiligen Empfänger plus 5 an Dich selbst, die Du dann ebenfalls in den Wirtschaftskreislauf einbringst. Nur so wären dann 105 Taler im Umlauf und nur so könnten dann alle Schulden überhaupt beglichen werden.«

Fabian hörte scheinbar aufmerksam zu und wußte zugeknöpft zu erwidern: »Wirtschafts- und Finanzwissenschaften sind wesentlich komplexer, als daß sie derart vereinfacht abgehandelt und dargestellt werden könnten. Ein Verständnis dieser Themen verlangt ausgiebiges und vertieftes Fachwissen. Ich bin aber sehr dankbar für die vorgebrachten Bedenken und kümmere mich um die Angelegenheit, kümmere Du Dich um die Deine: Du mußt Deine betriebswirtschaftliche Effizienz steigern, die Produktion ankurbeln, die Ausgaben durch Rationalisierung senken und ein besserer Geschäftsmann werden. Natürlich stelle ich mich gegen entsprechendes Honorar immer gerne als Fachberater in diesen Dingen zur Verfügung.«

Fabian galt landläufig als der Experte und Einwände waren zwecklos, denn schließlich schien die Wirtschaft zu boomen und das Land einen enormen Aufschwung zu verzeichnen.

Die Falle schnappt zu

Um die Zinsen für das geborgte Geld zu decken, mußten die Händler ihre Preise erhöhen. Daraufhin beklagten sich die Arbeitnehmer, ihre Löhne seien zu niedrig. Die Arbeitgeber wollten aber keine höheren Löhne zahlen; sie verwiesen auf die Gefahr eines Bankrotts. Die Bauern wurden für ihre Erzeugnisse nicht anständig bezahlt, und viele Hausfrauen klagten über die allzu teuren Lebensmittel.

Das System funktioniert nicht

Schließlich kam es zu Streiks, einem bis dahin unbekannten Phänomen. Immer mehr Menschen wurden auch von Armut heimgesucht, und selbst Freunde oder Verwandte hatten nicht die Mittel, um ihnen zu helfen. Der eigentliche Reichtum des Landes geriet weitgehend in Vergessenheit – die fruchtbaren Böden, die großen Wälder, die Bodenschätze und Viehbestände. Alles drehte sich nur noch ums Geld, dieses scheinbar höchste Gut, das jederzeit Mangelware war. Aber niemand hinterfragte das System. Man glaubte nämlich, die Regierung habe all diese Mechanismen im Griff!

Wenn 105 Taler in Umlauf wären, könnten die Schulden zurückgezahlt werden

Ein paar Leute waren in der Lage, ihren Überschuß zusammenzulegen und freie »Kredit-« oder »Finanzinstitute«
zu gründen. Damit ließen sich 6 % Zinsen oder mehr herausholen, was Fabians Zinsangebot von 3 % deutlich übertraf – allerdings konnten diese freien Firmen nur Geld verleihen, das wirklich ihr Eigentum war. Im Gegensatz zu Fabian waren sie nicht mit der seltsamen Befugnis ausgestattet, Geld aus dem Nichts zu erschaffen, indem es einfach mit dem Füllfederhalter in die Bücher eingetragen wurde.

Diese freien Finanzinstitute irritierten Fabian und seine Kumpane – daher gründeten sie kurzerhand eigene. Die Konkurrenz wurde größtenteils aufgekauft, bevor sie überhaupt aufblühen konnte. In kürzester Zeit befanden sich alle Finanzinstitute in ihrem Besitz oder unter ihrer Kontrolle.

Depression und Wohlfahrtsstaat

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Um die Zinsen für das geborgte Geld zu decken, mußten die Händler ihre Preise erhöhen

Die gesamtwirtschaftliche Lage verschlechterte sich weiter. Die Arbeiter meinten, ihre Chefs würden zu viel Profit einstreichen. Die Arbeitgeber wiederum hielten ihre Arbeitskräfte für faul und ineffizient. Alle schoben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe.

Auch die Gouverneure fanden keine Lösung; außerdem mußte doch, wie es schien, vorrangig das Problem der Armut behoben werden. Es wurden Sozialprogramme eingeführt und jeder Einwohner gesetzlich verpflichtet, Beiträge zu leisten.

Immer mehr Menschen wurden auch von Armut heimgesucht

Dies wiederum erzürnte die Bürgerschaft, die noch der »altmodischen Vorstellung« anhing, Nachbarn sollten einander in einer Notlage freiwillig helfen.

»Diese Abgaben sind nichts weiter als legalisierter Raub«, tönte es aus dem Volk. »Alles, was man dem Einzelnen gegen seinen Willen abknöpft, egal für welchen Zweck, kommt einem Diebstahl gleich.« Doch jeder allein fühlte sich ohnmächtig und fürchtete sich vor der Gefängnisstrafe, mit der die Nichtzahlung von Steuern und Abgaben geahndet werden konnte.

Die Sozialprogramme sorgten zwar für kurzfristige Linderung, konnten aber die Probleme nicht aus der Welt schaffen. Im Gegenteil, bald schon kamen sie verstärkt zurück – und mit ihnen weiterer Geldbedarf. Die Sozialausgaben erreichten schwindelerregende Höhen, und auch der kostspielige Verwaltungsapparat uferte aus.

Staatsverschuldung und Bürokratie

Die meisten Mitglieder der Regierung waren anständige Leute mit redlichen Absichten. Sie wollten ihre Mitbürger nicht gern mit weiteren Kosten belasten. So verfielen sie auf den letzten Ausweg, das fehlende Geld bei Fabian und seinen Kumpanen zu borgen.

Streiks waren ein bis dato unbekanntes Phänomen

Sie hatten allerdings keine Ahnung, wie sie diese Anleihen je wieder zurückzahlen sollten. Eltern konnten die Lehrer ihrer Kinder nicht mehr bezahlen. Sie konnten sich auch die Ärzte nicht mehr leisten. Selbst Transportunternehmen machten Pleite; es war einfach kein Geld mehr da. Schritt für Schritt sah sich die Regierung gezwungen, all diese Funktionen zu übernehmen und zu verwalten. Lehrer, Ärzte und viele andere Berufsgruppen wurden zu Beamten und Angestellten im öffentlichen Dienst.

Nur wenige zogen unter diesen Umständen noch Befriedigung aus ihrer Arbeit. Sie erhielten ordentliche Gehälter, verloren aber ihre Eigenständigkeit und Identität. Ein jeder war nur noch ein Rädchen in einer gigantischen Maschinerie. Es gab keinen Spielraum für persönliche Initiative, berufliche Leistungen fanden kaum Beachtung, Löhne und Gehälter waren nahezu unverrückbar festgelegt, und befördert wurde man nur noch, wenn ein Vorgesetzter in den Ruhestand ging oder starb.

Einkommensteuer

Es wurden Sozialprogramme eingeführt und jeder Einwohner gesetzlich verpflichtet, Beiträge zu leisten

In ihrer Verzweiflung beschlossen die Regierenden wieder einmal, Fabian um Rat zu fragen. Sie hielten ihn für außerordentlich klug, und in finanziellen Fragen schien er stets die beste Lösung parat zu haben.

Er hörte sich all ihre Probleme an, überlegte und sprach: »Viele Menschen werden mit ihren eigenen Problemen nicht fertig – sie sind darauf angewiesen, daß ein anderer einspringt und die Probleme für sie löst. Sicher seid ihr alle einverstanden, daß man den meisten Menschen das Recht auf Lebensglück und Deckung ihrer Grundbedürfnisse zugestehen sollte. Wir vertreten doch schließlich das übergeordnete Prinzip, daß alle Menschen gleich sind. Um nun einen Ausgleich zu schaffen, muß man den überschüssigen Wohlstand der Reichen abschöpfen, um ihn den Armen zufließen zu lassen. Anders geht das nicht. Ihr müßt also ein abgestuftes Steuersystem einführen.

Je mehr einer hat, umso mehr muß er zahlen. Besteuert einen jeden nach seinem Vermögen und gebt einem jeden nach seinen Bedürfnissen. Zum Beispiel sollten Schulen und Krankenhäuser für finanziell Schwächere kostenlos zugänglich sein.«

Er hielt ihnen eine lange Predigt über hochtönende Ideale und schloß mit den Worten: »Und bitte vergeßt auch nicht, daß ihr mir Geld schuldet! Ihr habt es euch nun schon recht lange ausgeliehen. Ich kann euch entgegenkommen, indem ich die Tilgung aussetze, aber zumindest müßt ihr mir weiterhin die Zinsen zahlen. Die Hauptschuld bleibt also bestehen, doch die Zinsen sind obligatorisch.«

Niemand hinterfragte Fabians Philosophie.

Der eigentliche Reichtum des Landes geriet weitgehend in Vergessenheit

Die Regierung führte tatsächlich eine abgestufte Einkommensteuer ein. Je mehr jemand verdiente, um so höher lag nun der Prozentsatz, nach dem er besteuert wurde. Niemand mochte die Einkommensteuer, aber alle zahlten, weil sie sonst ins Gefängnis gekommen wären. Die Kaufleute sahen sich abermals gezwungen, ihre Preise anzuheben.

Und wieder forderten die Arbeitnehmer höhere Löhne, woraufhin viele Unternehmer einen Teil der Belegschaft durch Maschinen ersetzen mußten oder in Konkurs gerieten. So wurde die Arbeitslosigkeit freilich verschlimmert, was die Regierung zur Einführung weiterer Modelle für Sozialhilfe und Arbeitslosengeld veranlaßte.

Die Regierung führte Zölle, Subventionen und andere Schutzmaßnahmen ein, um verschiedene Industriezweige vor dem Zusammenbruch zu bewahren und Arbeitsplätze zu retten. Hier und da begann man sich zu fragen, ob der Sinn der Produktion wohl eigentlich darin lag, Waren herzustellen oder lediglich für Arbeitsplätze zu sorgen.

Mit weiterer Verschlechterung der Lage versuchte die Regierung durch Lohn- und Preiskontrolle sowie komplexe Reglementierung ein wenig Stabilität zu wahren. Mittels Mehrwertsteuer und allen möglichen Abgaben sollte der Fiskus gestärkt werden. Jemand stellte einmal fest, daß ein Laib Brot auf seinem Weg vom Mähdrescher bis zur Hausfrau mit über 50 verschiedenen Steuern belastet war.

Ständige Reformen

Nun schlug die Stunde der »Experten«, die manchmal sogar ins Kabinett aufstiegen, meist jedoch in undurchsichtigen Gremien zusammentrafen und Jahr für Jahr nur inhaltslose Papierevorlegen konnten. Bestenfalls empfahlen sie eine weitere »Umstrukturierung« des Steuersystems, aber die Gesamtsumme der Steuern und Abgaben stieg unaufhörlich weiter an. Fabian forderte unerbittlich seine Zinsen ein. Dieser Posten verschluckte einen immer größeren Teil des Steueraufkommens.

Parteipolitik

Die Arbeitnehmer forderten höhere Löhne, woraufhin viele Unternehmer einen Teil der Belegschaft durch Maschinen ersetzen mussten oder in Konkurs gerieten

Die Arbeitnehmer forderten höhere Löhne, woraufhin viele Unternehmer einen Teil der Belegschaft durch Maschinen
ersetzen mussten oder in Konkurs gerieten

Damit entstand eine ganz neuartige Form der Politik, nämlich Parteipolitik – die Leute stritten miteinander, welche Partei die Probleme am Besten lösen könnte. Man diskutierte über Persönlichkeiten und Ideologien, man warf sich Etiketten an den Kopf und veranstaltete über alles ein großes Geschrei, nur nicht über das eigentliche Problem. In den leitenden Gremien machte sich eine stille Verzweiflung breit.

Das wahre Ziel: Totale Kontrolle

Schließlich kam es so weit, daß in einer Stadt der fällige Zinsbetrag die Summe des erwirtschafteten Einkommens überstieg. Im ganzen Land wuchs die Menge der nichtbezahlten Zinsen, und auch auf die überfälligen Zinsen wurden jetzt Zinsen erhoben, der sogenannte Zinseszins.

So konnte der konkrete Reichtum des Landes allmählich von Fabian und seinen Kumpanen übernommen werden, sei es durch Übertragung des Eigentums oder wachsende Kontrolle in den Aufsichtsräten. Aber noch war die Kontrolle nicht allumfassend. Die Geheimbündler wußten, daß sie erst dann sicher im Sattel sitzen würden, wenn sie jeden einzelnen Menschen perfekt unter der Knute hätten.

Das Kriegsgeschäft

Überall fehlte es an Geld. Viele Menschen waren arbeitslos und verarmten. Die Sozialsysteme konnten sich nicht um alle kümmern, sodass das Volk allmählich aufbegehrte. Fabian überzeugte die Regierung, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen, nämlich erstens: Ein Krieg sei das beste Mittel, um die Menschen im Kampf gegen einen gemeinsamen äußeren Feind wieder zusammenzuschweißen; und zweitens: Dies sei auch der beste Weg, um die einheimischen Regierungsschulden zurückzuzahlen, nämlich durch Ausbeutung anderer Länder nach dem Sieg.

Damit die Kriegsmaschinerie anrollte, ließ Fabian Fabriken bauen, gab ihren Besitzern Geld, um Bomben herzustellen, verlieh Geld an das Militär – und gewährte schließlich den Opfern hochverzinste Kredite für den umfangreichen Wiederaufbau. Danach gab es weitere großzügige Kredite unter dem Titel Wirtschaftsförderung.
Dieses System mit all seinen Auswirkungen war so erfolgreich, daß viele Länder der Welt plötzlich nicht nur »Auslandsschulden« hatten (nämlich bei Fabian), sondern auch in irgendwelche kriegerischen Auseinandersetzungen verwickelt oder daran beteiligt waren.

Fabian sorgte dafür, daß immer ein »Gleichgewicht der Mächte« bestand, sodaß jedes Land gegen jedes beliebige andere in den Krieg gepreßt werden konnte. Das schien Fabian z.B. immer dann angebracht, wenn ein Land Fabians »Vorschläge« ignorierte, seine Schulden nicht zurückzahlte oder ein neues, von Fabian unabhängiges Geldsystem einführen wollte.

Fabian finanzierte – meist über Strohmänner, Tarnorganisationen oder Geheimdienste – immer auch das angegriffene Land, damit der Krieg möglichst lange dauerte (und auch am Wiederaufbau möglichst viel zu verdienen war), und ließ sich dann »seine Kredite« durch Ausplünderung der Infrastruktur und der Bodenschätze des eroberten Landes zurückbezahlen.

Massenmedien

Die meisten Mitbürger, die gegen das heimtückische System aufbegehrten, konnten zum Schweigen gebracht werden, indem man sie wirtschaftlich unter Druck setzte oder sie einfach lächerlich machte. Zu diesem Zweck kauften Fabian und seine Kumpane den größten Teil der Zeitungen, Fernseh- und Rundfunksender auf und setzten dort handverlesene Führungskräfte ein.

Viele dieser Medienbetreiber waren aufrichtig bemüht, die Welt zu verbessern, aber sie merkten überhaupt nicht, wie sie ausgenutzt wurden. Mit den Lösungen, die sie propagierten, wurde immer nur an den Symptomen herumgedoktert, ohne die Ursache des Problems je beim Schopf zu packen.

Es gab durchaus verschiedene Zeitungen und Zeitschriften – manche für den linken Flügel, manche für den rechten, wieder andere für die liberale Mitte, ebenso auch Zeitschriften für die Arbeiter, andere für die Unternehmer … Man durfte lesen und schreiben, was man wollte, aber nur, solange man nicht versuchte, dem eigentlichen Problem auf den Grund zu gehen.

Fabians großer Plan stand kurz vor der Vollendung. Das ganze Land – und nicht nur dieses Land – war schwer bei ihm verschuldet. Über das Bildungssystem und die Massenmedien beherrschte er nicht nur die Gemüter, sondern sogar den Verstand der Menschen. Was die Bevölkerung dachte und glaubte, lag im Endeffekt ganz in Fabians Hand.

Mentalität der Herrscherklasse

Die Sozialprogramme sorgten zwar für kurzfristige Linderung, konnten aber die Probleme nicht aus der Welt schaffen

Die Sozialprogramme sorgten zwar für kurzfristige Linderung, konnten aber die Probleme nicht aus der Welt schaffen

Wenn ein einzelner Mensch viel mehr Geld besitzt, als er zu seinem Privatvergnügen jemals ausgeben könnte, welchen besonderen Genuss kann er dann aus der Welt noch herausholen?

Für die selbsternannte Elite gibt es darauf eine klare Antwort: Die Macht. Die nackte, ungezügelte Macht über andere Menschen. Die Idealisten waren sehr geschickt in den Medien und in der Politik placiert und so tatsächlich entschärft worden, doch die wahren Kontrollfreaks mit jener speziellen Herrschermentalität, die Fabian suchte, fand er in den Machtjunkies der Finanzdynastien.

Die meisten der ehemaligen Goldschmiede hatten eine solche Mentalität entwickelt. Ihr maßloser Wohlstand befriedigte sie nicht länger. Sie waren auf der Suche nach dem »Kick« einer neuen Herausforderung: Macht überdie Massenwar das ultimative Spiel!

Diese Leute meinten, sie seien allen anderen überlegen. »Zu herrschen ist unser Recht und unsere Pflicht. Die Massenwissen nicht, was gut für sie ist. Man muß sie zusammentreiben und herumdirigieren. Wir dagegen sind zum Herrschen geboren.«

Das Zentralbanksystem

Überall in Stadt und Land kontrollierten Fabian und seine Kumpane zahlreiche Kreditinstitute. Mag sein, daß es Privatfirmen mit unterschiedlichen Eigentümern waren; aber allerscheinbaren Konkurrenz zum Trotz arbeiteten sie eng zusammen. Mit staatlicher Absegnung war eine Zentralbank eingerichtet worden, deren Gründung nicht einmal auf eigenem Kapital beruhte; nein, auch hier beruhte die »Geldschöpfung« darauf, daß die Spareinlagen der Bevölkerung belastet wurden. Schulden, wohin man schaut!

Nach außen hin erweckte dieses »Reservenzentrum« den Anschein, auf seriöse Weise die Geldversorgung zu regulieren und irgendwie eine Regierungsfunktion zu verkörpern. Aber seltsamerweise wurde in das Vorstandsgremium dieser Zentralbank niemals ein gewählter Regierungsvertreter oder leitender Staatsbeamter aufgenommen.

Die Regierung verschuldete sich nicht mehr direkt bei Fabian, sondern konnte sich an die Zentralbank wenden, wobei als Sicherheit für die Kredite die Steuereinnahmen des nächsten Jahres galten. Dies stand in Einklang mit Fabians Plan, nämlich den Verdacht von seiner eigenen Person abzulenken und statt dessen eine Verfahrensweise der Regierung vorzuschieben. Im Hintergrund behielt er natürlich alle Fäden in der Hand.

Fabians indirekte Kontrolle der Regierungsgeschäfte war derart perfekt, daß ihm einmal die Prahlerei herausrutschte: »Wenn ich das Geld einer Nation kontrolliere, dann kann es mir gleich sein, wer die Gesetze macht!« Es war einerlei, welche Partei regierte, denn Fabian beherrschte das Geld, die Finanzen, das Lebensblut der Nation.

Die Regierung erhielt das Geld, aber für jede weitere Anleihe wurden Zinsen in Rechnung gestellt. Immer größere Beträge verströmten in allerlei Sozialleistungen, und die Regierung konnte kaum die Zinsen bezahlen, von einer Rückzahlung der Hauptschuld ganz zu schweigen.

Gelegentlich fragte noch jemand: »Wenn Geld ein von Menschen geschaffenes System ist, dann wird man es doch bestimmt an die Bedürfnisse des Menschen anpassen können, sodass es dem Menschen dient, anstatt ihn zu beherrschen, oder?« Doch Leute dieses Schlages wurden immer seltener und ihre Stimmen gingen unter in dem höllischen Lärm, den die ewige Suche nach den fehlenden 5 Talern für den Zins hervorrief.

Die Regierungen und mit ihnen die Parteifarben kamen und gingen – Schwarz, Rot, Gelb, Grün –, aber das Prinzip blieb das gleiche. Egal welche Regierung »an der Macht war«, Jahr für Jahr rückte Fabians Endziel immernäher. Die Gesetze der Menschen waren ohne Belang. Sie wurden besteuert bis zum Erbrechen. Ihre Zahlungsfähigkeit war am Ende. Jetzt war die Zeit reif für Fabians letzten, großen Schachzug!

EC-und Kreditkarten


10 % allen Geldes waren nach wie vor in Form von Münzen und Scheinen im Umlauf. Mit Bargeld in der Tasche hatten die Menschen immer noch eine gewisseKontrolle über ihreigenes Leben. Diese letzte Bastion der persönlichen Handlungsfreiheit galt es abzuschaffen, ohne Verdachtzu erwecken.

Man konnte behaupten, es sei eine Sicherheitsfrage. Schecks wurden außerhalb der eigenen Gemeinschaft nicht angenommen; Bargeld wollte man auf Reisen nicht wollte herumschleppen. Eine bequemere Lösung war in diesem Bereich also durchaus willkommen.

Natürlich hatte wieder Fabian die passende Idee. Seine Organisation stellte jedermann ein Kärtchen aus Kunststoff aus, das den Namen des Inhabers, ein Foto und eine Identifikationsnummer zeigte. Man brauchte diese Karte beim Einkaufen nur vorzulegen; die Geschäftsleute setzten sich mit dem Zentralcomputer in Verbindung und überprüften den Kredit, woraufhin der Kunde bis zu einem bestimmten Betrag nach Herzenslust einkaufen konnte.

Für den Kunden wurde die Kreditkarte zusätzlich attraktiv gemacht, indem bei der Rückzahlung am Monatsende keinerlei Zins für ihn anfiel. Die Geschäftsleute hingegen hatten wesentlich höhere Ausgaben, die wiederum auf den Preis der Endprodukte aufgeschlagen und somit an den Kunden weitergegeben werden mußten.

Fabian und seine Kumpane erfreuten sich eines immer hervorragenden Rufes, ja, sie wurden regelrecht als Säulen der Gesellschaft angesehen. Ihre Äußerungen zu Finanz- und Wirtschaftsfragen wurden beinahe wie ein religiöses Dogma akzeptiert.

Zahlreiche kleine Unternehmen brachen unter der ständig wachsenden Belastung durch Steuern und Abgaben zusammen. Für alle möglichen Techniken und Prozeduren wurden besondere Genehmigungen und Zulassungen eingeführt, sodaß die verbleibenden Firmen sich kaum über Wasser halten konnten. Fabian besaß oder kontrollierte sämtliche Großunternehmen mit jeweils Hunderten von Tochtergesellschaften. Die Konkurrenz zwischen diesen großen Firmen war eine reine Vorspiegelung.

Am Ende wurden alle Konkurrenten vom Markt verdrängt. Klempner, Autoschlosser, Elektriker und die meisten anderen Handwerker und Kleinbetriebe erlitten das gleiche Schicksal – sie wurden von Fabians Großkonzernen verschluckt, die allesamt unter dem Schutz der Regierung standen.

Fabian plädierte sodann für die endgültige Abschaffung von Münzen und Papiergeld, damit es keine Firma und auch keine Einzelperson mehr geben konnte, die ohne Kreditkarten und das allgegenwärtige Computersystem auskam.

Für den Fall, daß jemand seine Kreditkarte verlor, sollte nach Fabians Plan einem jedem Bürger die Identifikationsnummer zwangsweise auf die Hand tätowiert werden, sodaß man sie unter einem speziellen Licht ablesen und an einen Computer weiterleiten könnte. Denn ohne einen solchen Identitätsbeweis würde niemand mehr irgendetwas kaufen oder verkaufen können. Jeder Computer sollte an einen gigantischen Zentralcomputer nangekoppelt sein, in dem alle Informationen über jeden einzelnen Menschen gespeichert wären. So wüßte Fabian über alle vollständig Bescheid.

Sobald dies erreicht wäre, besäße er die ultimative, totale Kontrolle über alle Menschen des Landes – und bald darauf über alle Menschen der Erde.

Diese Erzählung ist natürlich frei erfunden.

Falls Sie jedoch meinen, Parallelen zur Realität entdeckt zu haben bzw. wissenmöchten, ob es einen Fabian im wirklichen Leben gab/gibt, stellt die Geschichte der englischen Goldschmiede im 16./17. Jahrhundert einen guten Ausgangspunkt für weitere Recherchen dar.

Die Chronik der »Bank von England« beispielsweise begann um 1694. König William von Oranien steckte aufgrund seines Krieges mit Frankreich in finanziellen Schwierigkeiten. Die Goldschmiede »liehen« ihm die seinerzeit mehr als astronomische Summe von 1,2 Millionen Pfund und knüpften – neben einem Zinssatz von 8 % – daran die Bedingung, daß der König ihnen einen Freibrief zur Kreditvergabe in beliebiger Höhe ausstellte – zuvor mußte der Wert der ausgestelltenQuittungen nämlich noch exakt der Menge des tatsächlich deponierten Goldes entsprechen.

In der Fortsetzung kann sich alsdann die Lektüre von Büchern über die Finanz eskapaden des Dynastie-Begründers Mayer Amschel Rothschild (1744–1812) sehr lehrreich gestalten.

In der Gegenwart wird »Fabian« durch Herrn David Rockefeller verkörpert, den Enkel des einst reichsten Mannes der Welt, John Davison Rockefeller.

David war nicht nur Vorsitzender der Chase Manhattan Bank (mit maßgeblichem Einfluß auf alle wesentlichen Geldgeschäfte der Welt), sondern auch »Vorsitzender« des heute noch mächtigsten und reichsten Familienimperiums der Welt. Zudem stand er etlichen elitären Gruppen vor, wie dem Council of Foreign Relations (einer maßgeblichen, treibenden Kraft der Weltpolitik) und den berüchtigten Bilderbergertreffen, bei der die mächtigsten Kapitäne aus Industrie, Politik und Medienwelt alljährlich ihre etwas zwielichtigeren Pläne und Aktivitäten koordinieren.