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US-Armee will Coleman-Barracks wegen “Aggression Rußlands” länger nutzen

“Eine Woche später wäre das Gelände an die Bundesrepublik übergeben worden”, erinnert sich Army-Sprecherin Christine Gebhard. Mittlerweile wird in Sandhofen seit rund viereinhalb Monaten wieder Ausrüstung gelagert, repariert und für den Einsatz vorbereitet.

Eigentlich wollte die US-Armee die Coleman-Barracks in Mannheim längst an Deutschland zurückgegeben haben – Jetzt braucht man das Gelände noch mindestens ein Jahr: “Das ist eine Reaktion auf die Aggression Rußlands”

Mannheim. Anstelle eines Naturschutzgebiets oder einer Regattastrecke rollen in der Coleman-Kaserne zwischen Mannheim-Sandhofen und Lampertheim wieder die Panzer. Rund 250 Kampffahrzeuge sind seit Anfang Februar hier verladen worden. “Das ist eine Reaktion auf die Aggression Rußlands”, sagte General Ben Hodges, Kommandant der US-Heeresstreitkräfte in Europa, gestern beim Ortstermin.

Deswegen hätten die USA die Entscheidung getroffen, ihre Depots für Militärgeräte in Europa aufzustocken. Man wolle für den Fall der Fälle schnell einsatzfähig sein. Zudem gehe es um Abschreckung. Dies sei wichtig, um den Regierungen aller verbündeten Länder politische Optionen jenseits eines Krieges offenzuhalten.

Dafür wurde Coleman praktisch über Nacht reaktiviert. “Eine Woche später wäre das Gelände an die Bundesrepublik übergeben worden”, erinnert sich Army-Sprecherin Christine Gebhard. Mittlerweile wird in Sandhofen seit rund viereinhalb Monaten wieder Ausrüstung gelagert, repariert und für den Einsatz vorbereitet.

“Coleman wurde auf Zeit wieder in Betrieb genommen”, heißt dies im offiziellen Sprachgebrauch der Army. Wobei dieses “auf Zeit” eine offene Zeitspanne ist, wie Hodges einräumte. “Vorerst geht es um ein Jahr, aber auch eine weitere Verlängerung ist möglich.”

“Coleman wurde auf Zeit wieder in Betrieb genommen”, heißt dies im offiziellen Sprachgebrauch der Army. Wobei dieses “auf Zeit” eine offene Zeitspanne ist, wie Hodges einräumte. “Vorerst geht es um ein Jahr, aber auch eine weitere Verlängerung ist möglich.”

Auch wenn der Standort länger genutzt werden sollte, werde er weiterhin nur als Übergangslösung angesehen, sagte Hodges. Die strategische Überlegung sei, militärisches Equipment im Baltikum, in Polen, Ungarn, Rumänien und Bulgarien zu lagern. Aber es dauere seine Zeit, dort geeignete Standorte zu finden.

Coleman hat indes längst nicht mehr das Gesicht eines lebendigen Standorts. Farbe und Putz an den Wohngebäuden blättern ab, die Wiesen sind ungemäht, die Sozialgebäude verwittern vor sich hin und über der Landebahn des ehemaligen Flugplatzes wächst das Gras. “Hier lebt niemand mehr. Wir sprechen deshalb nicht mehr von den Coleman-Baracks, sondern von der Coleman Work-Site“, so Army-Sprecher Gregory Jones.

“Work-Site” bedeutet so viel wie “Einsatzstelle”.

Rund 500 Arbeitskräfte kommen täglich hier her, über- oder bewachen die Verladung der schweren Gerätschaften. “Wir hatten keinen großen Aufwand, die Gleise wieder in Betrieb zu nehmen”, verriet Klaus Hopbach. Als Leiter des Bereichs “Militärlogistik” der Deutschen Bahn koordiniert er die Verladung der bis zu 800 Meter langen Züge, die von Mannheim-Waldhof auf die Gleise des Militärgeländes rollen und – bei Bedarf – auch wieder bis in die entlegensten Winkel Europas hinaus.

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Von Deutschen Stützpunkten aus wollen die US-Besatzer weiter nach Osteuropa vordringen, um den angeblichen Aggressor Rußland durch Blitzverlegung von Nato-Truppen nachhaltig in die Enge treiben zu können

Sorgen bereitet ihm der Mangel an Spezialfahrzeugen bei der Bahn. “Wir haben nur noch rund 300 Wagen, die auf Schwerlast ausgelegt sind.” Und so ein Panzer bringt es locker auf über 60 Tonnen und muß millimetergenau platziert sein. Die Bahn sei wichtiger Bestandteil der “Schnellen Eingreiftruppe” der Nato. “Wir können Gerätschaften in spätestens 48 Stunden in die äußersten Winkel Osteuropas verfrachten”, sagte Hopbach. “Wobei wir frühstens vier Wochen vorher erfahren, ob zum Beispiel ein Manöver ansteht.”

Auch das sei in den vergangenen viereinhalb Monaten schon vorgekommen, “aber zuletzt ist hier in Mannheim vor allem Fracht angekommen.” Rund 250 Panzer und Einsatzfahrzeuge sowie etwa 1200 nicht näher bezeichnete “Ausrüstungsgegenstände”, wie es nach offiziellen Angaben der 405. Army Field Support Brigade in Mannheim heißt.

Original erschienen auf: http://www.rnz.de/nachrichten/metropolregion_artikel,-US-Armee-will-Coleman-Barracks-wegen-Aggression-Russlands-laenger-nutzen-_arid,123638.html