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Mikromonster: Unsere heimlichen Haustiere

Kleidermotte (Tineola bisselliella) • Insekt, Ordnung Schmetterlinge • 9 mm • befällt Textilien und Pelze

Viele winzige Tiere leben unbemerkt in unseren Wohnungen. Bei genauer Betrachtung offenbaren sie faszinierende Verhaltensweisen.

1. Schmaus im Schrank (Foto oben)

Kleidermotte (Tineola bisselliella) • Insekt, Ordnung Schmetterlinge • 9 mm • befällt Textilien und Pelze

«Wie die Motte zum Licht», sagt man. Für die Kleidermotte gilt das nicht: Sie liebt dunkle Schränke. Hier wachsen die Raupen auf, die sich an Stoffen und Pelzen gütlich tun. Als Zusatznahrung dienen Speisereste an Kleidern. Nur Kunstfasern munden nicht.

Bei sehr guter Ernährung verpuppt sich die Raupe nach einem Monat, bei schlechtem Angebot dauert es bis zu zwei Jahre. Die geschlüpften Falter leben dann noch einen Monat, ohne zu essen. Denn die Mundwerkzeuge fehlen ihnen. Nach der Begattung legen die Weibchen etwa 100 Eier in den Kleiderschrank. Es sei denn, dort liegen Mottenkugeln.

Kopflaus (Pediculus humanus capitis) • Insekt, Ordnung Tierläuse • 3–4 mm • saugt Blut

2.Schmarotzer mit Klammerbeinen

Kopflaus (Pediculus humanus capitis) • Insekt, Ordnung Tierläuse • 3–4 mm • saugt Blut

Vor 250 Jahren galten stark verlauste Herren als besonders potent, weil die kleinen Krabbler angeblich die «schlechten Säfte» absaugten. Heute sind die Kopfläuse seltener – dennoch kommen sie in Kindergärten und Schulen immer wieder vor. Wenigstens übertragen die Blutsauger keine Krankheiten. Auch Blutarmut droht nicht, wie diese Rechnung zeigt: Der höchste Einzelbefall in jüngerer Zeit lag bei 2657 Läusen. Diese tranken täglich 0,7 Milliliter Blut – eine belanglose Menge.

Zwei weitere Läuse haben sich auf den Menschen spezialisiert: die Kleiderlaus und die Filzlaus, die gerne in intimen Körpergegenden nistet.

Bettwanze (Cimex lectularius) • Insekt; Unterordnung Wanzen, Familie Plattwanzen • 5 mm (vollgesogen: 9 mm) • saugt Blut

3.Rüder Wanzensex

Bettwanze (Cimex lectularius) • Insekt; Unterordnung Wanzen, Familie Plattwanzen • 5 mm (vollgesogen: 9 mm) • saugt Blut

Wer sein Bett mit Wanzen teilt, wird es irgendwann bemerken. Denn die Tierchen beißen den Schlafenden und saugen Blut, was Hautentzündungen und intensiven Juckreiz aus­lösen kann. Zudem sondern sie ein süßlich stinkendes Sekret ab, dessen Geruch man schwerlich ignorieren kann.

Bettwanzen verstecken sich hinter Möbeln, Bildern oder Fußleisten, immer in der Nähe des Betts. Die Überlebenskünstler können monatelang hungern, um dann ihr Gewicht in einer einzigen Blutmahlzeit zu versiebenfachen.

Außergewöhnlich läuft die Paarung ab. Experten bezeichnen sie als «traumatische Insemination». Das Männchen nähert sich dabei dem Weibchen von hinten rechts. Ist es nah genug, sticht es ihm mit einem nadelförmigen Begattungsorgan in den Bauch. Meistens trifft es dabei genau auf ein kleines Organ unter der Haut, das den Samen aufnehmen kann. Die Spermien gelangen anschließend über die Hämolymphe, das «Blut» der Insekten, zu den Eierstöcken.

Allerdings ist das Männchen nur an jungfräulichen Weibchen interessiert. Dank Rezeptoren auf dem Begattungsorgan erkennt es, ob sich im weiblichen Organ schon Samen eines anderen Männchens befinden. Ist dies der Fall behält es seine Spermien zurück.

Bettwanzen kamen ab dem 17. Jahrhundert sehr häufig vor, da die zunehmend beheizten Wohnungen ihnen gute Bedingungen boten. Heute müßten sie eigentlich auf der Roten Liste der gefährdeten Arten stehen. Bislang hat sich allerdings kein Biologe gefunden, der sich dafür starkgemacht hätte.

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