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Ungarn verbrennt 500 Hektar Felder mit Genmais

04. Juni 2013, Mike Adams für Kopp-Verlag

Wenn es darum geht, die Öffentlichkeit vor GVO zu schützen, weiß Ungarn, was zu tun ist: Die Felder abbrennen, auf denen Genmais wächst!

Laut einer Pressemitteilung von Lajos Bognar, Vize-Staatssekretär im Ministerium für ländliche Entwicklung, hat die Regierung circa 400 Hektar Felder zerstört, auf denen gesetzwidrig Mais angebaut worden war. In Ungarn ist der Anbau von GVO-Pflanzen gesetzlich untersagt. Bognar erklärte, der Gen-Mais sei untergepflügt worden, Pollen hätten sich nicht verbreitet. Bei den Ermittlungen hatten Kontrolleure unter den Pflanzen auch Produkte von DuPont, Pioneer und Monsanto gefunden.

Wegen des ungehinderten Güterverkehrs in der EU hat die ungarische Regierung keine Handhabe, den Import von Gen-Saatgut legal zu stoppen. Wird jedoch entdeckt, daß es ausgebracht wird, kann sie die betreffenden Pflanzen zerstören lassen – eine wirksame Abschreckung für Bauern, die womöglich mit dem Gedanken spielen, das Gesetz zu mißachten.

Der regionale Rundfunk berichtete, zwei der größten internationalen Saatgutproduzenten seien in die Sache verstrickt, Gen-Saatgut sei möglicherweise auf mehreren Tausend Hektar im Land ausgebracht worden. Die meisten der örtlichen Bauern hätten protestiert, weil sie erst jetzt herausgefunden hätten, daß sie Gen-Saatgut verwendeten.

Da die Saison bereits läuft, ist es für eine erneute Aussaat zu spät, die diesjährige Ernte ist also verloren.

Die ganze Angelegenheit wird noch schlimmer für die Bauern, denn die Firma, die das Saatgut im Bezirk Baranya verkauft hat, befindet sich in Liquidation. Deshalb werden mögliche Entschädigungen – sofern sie von den internationalen Saatgutproduzenten überhaupt gezahlt werden – in erster Linie an die Gläubiger des Unternehmens und nicht an die Bauern gehen.

Das Einschreiten der Regierung geschah gemäß einer im März erlassenen neuen Verordnung, wonach Saatgut vor dem Verkauf an die Bauern auf GVO untersucht werden muß. Trotzdem ist Saatgut der US-Konzerne Monsanto und Pioneer auf den Markt gelangt. Die ungarische Regierung gab bekannt, sie werde Saatgut auch weiterhin überprüfen lassen, auch wenn die Saatguthändler verpflichtet seien, sicherzustellen, daß ihre Ware gentechnikfrei sei.

Vergangene Woche beantragte die ungarische Tochtergesellschaft Monsantos, des weltweit größten Saatgutherstellers, beim Budapester Stadtgericht die einstweilige Aufhebung der Entscheidung des ungarischen Landwirtschaftsministeriums, den Mais zu zerstören. Wie die Budapest Times meldet, ist der Antrag abgelehnt worden.

In dem Versuch, den Schaden in Grenzen zu halten, gab Monsanto eine Erklärung ab, in der es hieß, man respektiere »daß Ungarn den Anbau genetisch veränderter Pflanzen auf ungarischen Bauernhöfen verhindern möchte. Monsanto verkauft nach Ungarn ausschließlich herkömmliches, kein gentechnisch verändertes Saatgut. Unser Saatgut gelangt dort erst auf den Markt, wenn es auf GVO überprüft und für gentechnikfrei erklärt wurde, wie nationale und internationale gesetzliche Bestimmungen erfordern«. Da Monsanto aber bekanntermaßen die private Sicherheitsfirma Blackwater anheuert – eine Firma, die dafür berüchtigt ist, bei Einsätzen im Irak auch unschuldige Zivilisten getötet zu haben –, damit sie Bauern mit Monsanto-Gen-Saatgut ertappt, selbst wenn dies von benachbarten Feldern herübergeweht wurde, vermuten manche Ermittler, Monsanto versuche, GVO in Ungarn durch die Hintertür einzuführen.

Trotz massiven Drucks durch Biotech-Unternehmen, Gen-Saatguthersteller und die EU zählt Ungarn zu den wenigen EU-Ländern, die sich erfolgreich dagegen zur Wehr setzen, daß GVO in ihre Nahrungskette gelangen. Im Gegensatz dazu enthalten rund 80 Prozent aller abgepackten Lebensmittel, die in den USA verkauft werden, gentechnisch veränderte Organismen. Etwa 85 Prozent von in den USA geerntetem Mais, von Zuckerrüben, Sojabohnen und Raps stammen aus Gen-Saatgut.

Im vergangenen November fällte ein Richter in Kalifornien das bemerkenswerte Urteil, Zuckerrüben aus Monsanto-Saatgut zerstören zu lassen. Bezirksrichter Jeffrey White hatte zuvor entschieden, das US-Landwirtschaftsministerium habe die Biotech-Pflanze 2005 zu Unrecht zugelassen. Die Regierung habe vor der Zulassung nicht die gesetzlich vorgeschriebene sorgfältige Umweltstudie durchführen lassen. Die »Roundup Ready«-Zuckerrüben-Setzlinge wurden daraufhin ausgegraben und zerstört.