Home / Medien / Aus den Blogs / Über das Abschießen von Passagierflugzeugen und die Zerstörung historischer Kulturdenkmäler

Über das Abschießen von Passagierflugzeugen und die Zerstörung historischer Kulturdenkmäler

Von Robert Barsocchini (Anm.d.Ü.: leicht gekürzt), Quelle: Empireslayer.org, Übersetzung: FritztheCat (Propagandamelder)

laos_02
laos-baustein-die-ebene-der
ebene-der-tonkrueg
laos1993
image27

Ausdauernd berichtet der Investigativjournalist Robert Parry darüber, daß die US-Elite die MH17-Tragödie als Propagandawerkzeug gegen Rußland verwendet.

Man sei ja so erschüttert über den Abschuß, aber diese angebliche Erschütterung ließ sich schon vor einem Jahr entlarven. Man muß Washington nur (unter anderem) daran erinnern, daß sie selbst ein offensichtlich ziviles Flugzeug auf einer zivilen Flugroute abgeschossen haben:

Iranian Air 655, fast 300 Tote Zivilisten

David Carlson, “der Kapitän eines in der Nähe liegenden US-Schiffes gab bei der Marineuntersuchung zu Protokoll: “Ich habe mich lautstark gewundert, als die Vincennes (der Lenkwaffenzerstörer der die Rakete abfeuerte) ihre Absicht ankündigte, ein Flugzeug anzugreifen, das ganz klar ein ziviles Flugzeug war”.

Der Kommandant der US Vincennes wurde nicht etwa bestraft, nein, er bekam den Verdienstorden und Bush der Ältere sagte über den Vorfall: “Ich werde mich nie für die Vereinigten Staaten entschuldigen – ganz egal, was passiert ist…”

Und es hat sich (erstaunlicherweise ist die US-Reaktion zu MH17 eine ganz andere) in den USA so gut wie niemand dafür interessiert, als Washington der Schuldige war. Es gab “keine Empörung, keine verzweifelte Suche nach Opfern, keine leidenschaftliche Verurteilung der Verantwortlichen, keine geschliffenen Beschwerden eines US-Botschafters bei der UN über diesen “riesigen und herzzerreißenden Verlust”.

Gleichermaßen ist die US-Elite über die Zerstörung historischer Artifakte durch ISIS “erzürnt”.

Ganz abgesehen davon daß die USA schon historische Stätten zerstört haben, bevor ein Wesen namens AlQaeda (welches sich in ISIS verwandelte) dank der US-Invasion entstand: Die USA haben ein langes Register, was die Zerstörung von historischen Artifakten anbelangt – das reicht zurück bis zur Staatsgründung.

Ein Beispiel:

Die “Ebene der Tonkrüge” ist eine steinzeitliche archäologische Landschaft in Laos. In einer Landschaft auf einem Plateau (Xieng Khouang, Laos) verteilt, liegen tausende steinzeitlicher Gefäße.

Die erste Erkundung der Ebene der Tonkrüge reicht in die frühen 30er-Jahre des 20. Jahrhunderts und Forscher vermuten, daß es mit prähistorischen Bestattungsritualen in Verbindung steht. Japanische und laotische Archäologen entdeckten menschliche Überreste, Bestattungsgaben und Keramiken. Die Ebene der Tonkrüge ist eine der wichtigsten Stätten zur Erforschung der südostasiatischen Frühgeschichte.

Ende der 60er und Anfang der 70er-Jahre führte Washington gegen Laos (und den Rest von Indochina) einen völkermordenden Feldzug durch. Dabei wurde – hauptsächlich über der Ebene der Tonkrüge – mehr Sprengstoff abgeworfen als die Allierten im gesamten 2. Weltkrieg einsetzten – Millionen von Tonnen. “Das gesamte Staatsgebilde über der Oberfläche wurde eingeebnet”.

Zu den von den USA abgeworfenen Bomben gehörten 262 Millionen Splitterbomben, man schätzt, daß 80 Millionen davon nicht detonierten. Diese töten weiterhin Menschen. Die Anzahl der Bombenopfer nach dem Krieg geht in die Zehntausende.

Das Beispiel Laos zeigt zwei Dinge: Washingtons hohe Achtung vor historischen Artifakten und gleichermaßen vor Zivilisten

Die Beseitigung der Bomben würde $16 Milliarden kosten. Auch jetzt werden dort Menschen getötet und verstümmelt. Die USA haben in diesem über 9-jährigen Völkermord in Laos täglich 18 Millionen ausgegeben, die Entschädigungszahlungen betragen bisher 85 Millionen.

Währenddessen geben die USA jährlich fast 4 Milliarden an Hilfe für das reiche Land Israel aus, verpulvern Billionen für weitere Kriege und gewähren für eine (verbotene) Modernisierung ihrer Atomwaffen 1 bis 1,5 Billionen. Theodore Postol, Professor Emeritus am MIT in Boston, sagt dazu: Es fällt einem schwer zu verstehen, was Obama und das Weiße Haus mit diesem kontraproduktiven Programm erreichen wollen.”

Der Journalist Brett S. Morris glaubt, daß die USA bei der Beseitigung der Bomben nicht mithelfen werden, weil “es ihnen völlig gleichgültig ist”. Der New Yorker Geschäftsmann Dori Shimoda, der “Give Children a Choice” gründete, sagte, daß die fortgesetzten Explosionen “geplant waren. Es geschah mit Absicht, daß es nicht nur während der Bombardierung sondern auch danach zu Opfern kommt.”

Branfman während der Bombardierung: “Es handelt sich wohl um die längste Bombardierung der Zivilbevölkerung in der Geschichte der Menschheit.”

Warum haben die USA einen solchen Feldzug gegen Laos angezettelt? Die Bomber hatten keine Arbeit. Das wird in offiziellen Regierungsdokumenten bestätigt.

Der Soldat Lee Thorn, an der Bombardierung beteiligt, sagte: “es war einfach Mord … meistens töteten wir nur Zivilisten”, mit Ausnahme eines Soldaten haben alle anderen “da oben nur gelacht”, als die Bomber ganze Städte “in Schutt und Asche legten”.

Laos: Projekt Peacebomb

Das südostasiatische Land Laos wurde während dem Vietnamkrieg stark bombardiert. Von 1964-1973 warfen die USA dort mehr Bomben ab als im Zweiten Weltkrieg auf Deutschland und Japan zusammen. Etwa 30% der über 250 Million abgeworfenen Bomben sind Blindgänger, sprich nicht explodierte Sprengkörper die heute noch überall im Land verteilt liegen. Viele Gegenden, vor allem in den ländlichen Regionen von Laos sind daher nach wie vor unzugänglich oder ungenügend geräumt, oft kommt es zu Todesfällen durch scharfe Bomben, welche bei Berührungen explodieren. Viele Menschen riskieren – aus der Armut heraus – ihr Leben, auf der gezielten Suche nach Bombenschrott, um das so gewonnene Altmetall verkaufen zu können bzw. um es zu Alltagsgegenständen zu recyceln.

„Zwischen 1964 und 1973 warf die US Armee 250-260 Millionen Bomben über Laos ab. Das entspricht einem B 52 Bomber voll tödlicher Geschosse alle 8 Minuten. 24 Stunden am Tag. 9 Jahre lang.“

Vor diesem Hintergrund hat 2010 das Label Article 22 das Projekt Peacebomb über eine Crowdfunding Aktion ins Leben gerufen. Zusammen mit lokalen Arbeitern und Künstler in der Provinz Xieng Khouang, die bereits seit den 1970ern Löffel aus den gesammelten Metallresten geschmolzen haben, entstand die Idee hochwertigen Schmuck aus dem Aluminium herzustellen. Durch den Kauf der Accessoires und Schmuckstücke fließt Geld zurück in das RISE Projekt (Rural Income through Sustainable Energy) der Schweizer NGO Helvetas, die damit vor Ort unter anderem die Infrastruktur aufbaut und die Lebensbedingungen der Kommunen verbessert. Außerdem spenden die Article 22-Gründerinnen Elisabeth Suda und Camilla Hautefort für jede verkaufte Kette für die Räumung von verstreuten Metallresten der Patronen, Geschosse und Bomben auf einer Fläche von 3 m² Land, ebenso für Aufklärungstrainings der Menschen vor Ort im Umgang mit den herumliegenden Sprengkörpern. Eine wirklich schöne Idee!

“Buying back the bombs. We may not be able to reverse the 250 million bombs that the United States dropped on Laos during its nine-year aerial bombardment, but perhaps we can buy back those same bombs, sliver by sliver, and in doing so, heal two countries.”

Hier gehts zur Website von Article 22.