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Tove Larsen will mit einer Toilette die Slums der Schwellenländer hygienischer machen.

Dr. Tove Larsen Mitglied der Direktion der Eawag, Leiterin Forschungsprojekte Siedlungswasserwirtschaft Tove Larsen ist Chemieingenieurin und promovierte Verfahrenstechnikerin von der Technischen Universität Dänemarks (DTU).

Milliarden von Menschen haben keinen oder nur unzureichenden Zugang zu Toiletten. Wo es ­eine Anlage gibt, fehlt oft eine ordentliche ­Kanalisation.

Tove Larsen von der Forschungsanstalt ­Eawag in Dübendorf kennt den Notstand um die Notdurft: «In den Slums der Großstädte, zum Beispiel in Afrika, herrschen verheerende hygienische Verhältnisse, die zu tödlichen Infektionen bei Kindern führen.»

Seit zwei Jahrzehnten arbeitet die Verfahrensingenieurin an Lösungen für dieses Problem. Nun steht der Durchbruch bevor. Kommenden Frühling wird der Prototyp einer neuen Toilette in der ­kenianischen Hauptstadt Nairobi ge­testet.

Die von Larsen in Zusammenarbeit mit dem Designstudio Eoos entwickelte Blue Diversion Toilet sieht nur äusserlich aus wie ein einfaches Stehklo. Es handelt sich um ein ausgeklügeltes System für die getrennte Entsorgung von Fäkalien und Urin, das ohne Kanalisa­tion auskommt.

«Hintergrund ist die No-Mix-Technologie», sagt Larsen. Das heißt, die ­Exkremente fallen und fließen wie bei einer Trocken­toilette in separate Behälter. Das für Spülung und Händewaschen benötigte Wasser fließt in einem geschlossenen Kreislauf und wird von der Anlage selbst aufbereitet. «Dank eines Membranfilters und einer elektrolytischen Chlorierung ist es hygienisch einwandfrei», sagt Larsen. Solarpanels und Wassertank machen die Toilette unabhängig von Wasser- und StromanSchluß.

Ein Modell der Toilette erhielt im August 2012 von der Bill und Melinda Gates Foundation einen Preis für gutes ­Design. Die vom Softwaremilliardär finanzierte Stiftung unterstützt Projekte, die den Hygienenotstand mit innovativen Ansätzen angehen.

Die Gestaltung des blauen Klos erhöht die Akzeptanz bei den Benutzern, die oft zum ersten Mal ihr Geschäft auf einem richtigen WC verrichten. Diese Einschätzung bestätigte sich im ersten Feldtest, der diesen Frühsommer in den Slums von Kampala in Uganda stattfand.

«Die Toilette wurde 1200-mal und damit rege benutzt», sagt Larsen. Der Testlauf erlaubte es, kleine Mängel zu ermitteln. Als Schwachpunkt erwies sich etwa die Fusspumpe, mit der die Benutzer das Wasser in die Tanks pumpen. Zurzeit wird der Prototyp für den zweiten Testlauf in Nairobi überarbeitet.

Ist das System erst einmal im Dauereinsatz, werden Mitarbeiter lokaler Vertragsnehmer die Tanks unter den Toiletten leeren und Fäkalien und Urin zu Biogas und Dünger verarbeiten. «Die dazu notwendigen Techniken sind erprobt», sagt Larsen.

Damit wird die Blue Diver­sion Toilet zum Businessmodell für lokale Unternehmer. 
Die Benutzer zahlen ihnen einen kleinen Betrag für die Benutzung der Toiletten und die Entsorgung der Fäka­lien, dazu kommt der Erlös aus dem Verkauf des Düngers. Der Test in Nairobi soll zeigen, wie gut das Konzept funktioniert. ­Larsen ist zuversichtlich, daß ihre Toilette danach in großem Stil zum Einsatz kommt.

Zur Person:

larsen (1)Tove Larsen ist Chemieingenieurin und promovierte Verfahrenstechnikerin von der Technischen Universität Dänemarks (DTU). Im Jahr 1999 kam sie an die Eawag, das Wasserforschungs-Institut des ETH-Bereichs, um das inter- und transdisziplinäre Projekt Novaquatis über Urinseparierung zu leiten (www.novaquatis.eawag.ch). Das Projekt wurde im Jahr 2006 erfolgreich beendet und gewann im Jahr 2008 für seine visionären, innovativen und integrativen Ansätze den Preis für transdisziplinäre Forschung der Schweizer Akademien der wissenschaften. Tove Larsen leitet derzeit die Gruppe «Konzepte» in der Abteilung Siedlungswasserwirtschaft an der Eawag. In den letzten drei Jahren führte sie das mehrfach preisgekrönte Eawag-Projekt «Blue Diversion», welches von der Bill & Melinda Gates-Stiftung finanziert wird.

The ecological toilet of the future: Tove Larsen at TEDxLausanne