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Steinzeit, Mammuts, Lagerfeuer – Männer kochen (grillen) anders

Wenn der Mann am Rost steht und den Rauchschwaden hinterherblickt, dann kann es schon mal passieren, daß seine Urinstinkte geweckt werden und er in einen Tagtraum vom Jäger und Beschützer verfällt.

Schon in der Steinzeit war es die Aufgabe des Mannes, die Beute zu erlegen, und wer dabei die schärfste Pfeilspitze hatte, hatte gewonnen. Prinzipiell hat sich daran in den letzten 50.000 Jahren wenig geändert, bis auf die Tatsache, daß moderne Männer auch das Zubereiten des Jagdgutes nicht mehr unbedingt ihren Frauen überlassen.

Für viele kann die Grillsaison nicht schnell genug beginnen. Kaum erreichen die Temperaturen an die 15 Grad wird im eigenen Garten, auf Balkonen oder im Park mit Brandbeschleuniger hantiert, Fleisch mariniert und Würstchen werden gewendet. Egal ob beim Barbecue in den USA, dem Churrasco in Lateinamerika oder beim Grillfest hierzulande: am Grill stehen Männer. Zumindest in den meisten Fällen. Warum Grillen eine Männerdomäne ist, scheint mehrere Gründe zu haben:

1. Der Fun- bzw. Risikofaktor

daß Männer anders Kochen als Frauen ist klar. Sie kochen um Spaß zu haben und um neue Herausforderungen zu meistern. Oder weil sie einfach Hunger haben. Der Herausforderungs- bzw. Risikofaktor scheint aber ausschlaggebend zu sein. Und wo ist er höher als am offenen Feuer im Freien?

2. Der Steinzeiteffekt

Damals in der Steinzeit war die Rollenverteilung klar – Mann: Jagen, Frau: Sammeln. Und was der Mann einmal erbeutet hat, wurde auch nicht so schnell wieder aus der Hand gegeben. Auch die Zubereitung des Fleisches übernahm der Mann selbst. Die Gewohnheiten der letzten 3 Millionen Jahre scheinen Spuren bis in die Gegenwart hinterlassen zu haben. Denn egal ob damals vor der Höhle oder heute hinter dem Gartenzaun – Grillen bleibt Männersache!

3. Die Frauen

Einen ganz anderen, aber dennoch einleuchtenden Grund liefert die Frauenwelt. Es ist nämlich durchaus möglich, daß nach mühsamen Organisieren, Einkaufen, Salatschnibbeln, Dekorieren und Co. das Grillen gerne und freiwillig den Männern überlassen wird.

Männer, die auf Koteletts starren

Es ist früh am Morgen, der Mann legt sich sein Bärenfell um und streckt den Kopf aus der Höhle. Mutigen Schrittes macht er sich auf in die große, gefährliche Welt, um seiner wichtigsten Pflicht nachzukommen: die Familie zu ernähren. Er riskiert sein Leben, kämpft mit Mammuts und Säbelzahntigern, erlegt ein wildes Tier mit einem gezielten Stich seiner Speerspitze.

Mit der Beute auf den Schultern kommt der tapfere Held nach Hause, wo seine Lieben den ganzen Tag das Feuer bewacht und auf ihn gewartet haben. Stolz hängt er das tote Tier über die Flammen und brät es. Dankbar tätschelt seine Frau ihm den Bauch, er hat seine Pflicht erfüllt, er ist der Größte … An dieser Stelle endet der Tagtraum, verehrte Herren, und Sie kommen bitte wieder zurück in die Realität.

Grillen spricht unsere Urinstinkte an.

Der Rauch, die Hitze, der Geruch von Essen wecken den Neandertaler in uns. Menschen versammeln sich um die Feuerstelle, das ist evolutionär in ihr Verhalten eingraviert. “Seit etwa 100.000 Jahren können die Menschen mit Feuer umgehen. Seitdem wird Essen über Hitze zubereitet, wodurch sich zum Beispiel auch das menschliche Gebiss verändert hat und Sprache sich entwickeln konnte”, erklärt Gunther Hirschfelder, KulturWissenschafter an der Universität Regensburg. “Für die soziale und kulturelle Menschbildung spielte das Kochen mit Feuer also eine große Rolle.”

Die Begeisterung für das Grillen gründet sich demnach auf die positiven Erfahrungen, die unsere Vorfahren bereits damit gemacht haben. Diese Intuition ist Teil unseres Erbguts. Was bei der Betrachtung einer Grillparty heute auffällt: Einerseits haben Männer und Frauen gleichermaßen Spaß an dem Event, alle kommen gerne zusammen, um einen Sommerabend mit Grillen im Garten zu verbringen. Andererseits sind es fast immer die Männer, die am Rost stehen und mit Feuer und Fleisch hantieren. Wiederholt sich hier das Muster? Verfallen emanzipierte, moderne Frauen beim Grillen einfach wieder in die Rolle der bauchtätschelnden Höhlenfrau und Männer in die des kraftstrotzenden Anführers?

Das Drehen und Wenden am Rost, das Fleisch-in-die-Hand-Nehmen ist und bleibt eine männliche Domäne. Daß Männer sich gut dabei fühlen und ihre Rolle als Grillmeister genießen, ist verständlich. Und es heißt nicht, daß die Frauen, die danebensitzen, es verpasst hätten, sich zu emanzipieren – im Gegenteil. Am Herd standen sie lange genug. Die Männer indes stehen mit Begeisterung am Grill, gerade weil es der letzte Bereich ist, den sie für sich haben und den sie verteidigen.

Wenn der Mann also am Rost steht und den Rauchschwaden hinterherblickt, dann kann es schon mal passieren, daß seine Urinstinkte geweckt werden und er in einen Tagtraum vom Jäger und Beschützer verfällt. Doch bevor die Koteletts verbrennen, sollte man ihn wieder wecken.