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So wird künstliche Intelligenz unser Leben revolutionieren

Autor Luise Beltzung

Filmstart von „Ex Machina“ in Deutschland war der 23. April 2015.

Künstliche Intelligenz ist die vielleicht größte Bedrohung der Menschheit. Diese frohe Kunde hat kürzlich erneut ​kein Gerin​gerer als der Silicon Valley-Pionier Elon Musk verbreitet.

Wir dürften uns glücklich schätzen, wenn AI-Systeme (Artificial Intelligence) uns in naher Zukunft lediglich als Haustiere versklaven, ​ließ uns der Gründer von Tesla und SpaceX netterweise wissen.

Mit seiner Skepsis ist Musk nicht allein. Auch Bill Gates und Stephen Hawking warnen vor der ​technologischen Singularität, dem Zeitpunkt, an dem Maschinen so intelligent sind, daß sie sich selbstständig verbessern können. Sie glauben, daß die High-Tech-Maschinen, deren Entwicklung unsere hochtechnisierte Gesellschaft gerade so eifrig vorantreibt, schon bald nicht mehr „tun, was wir wollen“—ihre Sorge brachten sie kürzlich typisch Mensch gemeinsam mit anderen prominenten Tech-Vordenkern in einem ​diplomatischen offenen Brief zum Ausdruck.

Steuern wir also blindlings in die selbstverschuldete Robo-Apokalypse? Fest steht, daß künstlich intelligente Maschinen längst nicht mehr nur Science Fiction sind: Ein australischer Roboter ​bringt sich anhand von YouTube-Tutorials kochen bei, bei Siemens haben ​smarte Systeme das vollautomatisierte Fließband übernommen, während App-Fernbeziehungen beweisen, daß ​Love-Storys zwischen Mensch und Maschine schon heute durch Bots gesteuert werden könnten.

Können wir uns in eine KI verlieben, die all unsere Sehnsüchte besser erfüllt, als jeder Mensch?

Wie genau die Veränderungen durch die Automatisierung aussehen werden, ist umstritten. Alle Robotik- und KI-Experten, die ich für diesen Artikel interviewt habe, sind zwar überzeugt, daß der Menschheit ein großer Wandel bevorsteht—aber wie genau dieser aussehen wird, bewerten sie äußerst unterschiedlich. Fest steht allerdings, daß unsere Gesellschaft moralisch denkbar schlecht vorbereitet ist. Klar ist aber auch, daß es keinen Grund zur Panik gibt, sondern wir uns realistisch anschauen sollten, was die Zukunft bringen wird.

Um herauszufinden, worauf wir uns—von automatisierten Chirurgen, Sexrobotern bis hin zu selbstfahrenden Fahrzeugen—wirklich einstellen müssen, habe ich Wissenschafter aus den verschiedensten Bereichen befragt. Was können wir tun, um zu verhindern, daß Roboter die Kontrolle übernehmen—und wie sorgen wir dafür, daß KI-Maschinen zu den besten Freunden unserer Zukunft werden.

Roboter zum Verlieben

Ein Forscher-Team der Universität Singapur will Roboter bauen, die Gefühle bei Menschen wahrnehmen und darauf reagieren können. Der erste Prototyp geht schon mächtig auf Kuschelkurs!

Ein Forscher-Team der Universität Singapur will Roboter bauen, die Gefühle bei Menschen wahrnehmen und darauf reagieren können. Der erste Prototyp geht schon mächtig auf Kuschelkurs!

Wenn man Ray Kurzweil, dem Superstar unter den Futuristen, Glauben schenkt, dann werden Roboter schon in fünfzehn Jahren unser Level von bewußtsein erreicht haben. Wann werden sozial kompetente Roboter zu unseren Freunden werden? Könnte sich eine breite Mehrheit mit der Liebe zu Maschinen arrangieren, gar romantischen Sex mit einer künstlichen Intelligenz haben? Oder würden all die Liebschaften platonisch bleiben?

So futuristisch das Konzept einer Roboter-Romanze heute auf den ersten Blick aussehen mag, so nah ist uns doch heute schon die unzerstörbare Liebe zu den mehr oder weniger smarten Geräten, die uns im Alltag umgeben: Wir hängen an den einfachsten Dingen und trauern um ihre Defekte, nicht nur wegen ihrer Funktionalität, sondern auch, weil wir eine Bindung zu ihnen aufbauen. Und selbstverständlich schreiben wir den Apparaten menschliche Eigenschaften zu.

Manche Kleinkinder freunden sich schon heute lieber mit Robotern an als mit den klassischen, ​leblosen Teddybären. Und was ist mit den Erwachsenen? Auch die entwickeln zumindest zeitweise eine Leidenschaft für Bots. Beim diesjährigen SXSW Festival ​in Austin gelang es einer virtuellen Person, vielen den Kopf zu verdrehen: Der Tinder-Chatbot ist zwar nicht unbedingt das intelligenteste System, daß die Menschheit je entwickelte—aber er beglückt sein Publikum mit bestechend einfachem Charme.

Wie lang wird es aber brauchen, bis AI-Roboter unsere Gefühle erwidern? Vorerst werden die Maschinen eher in Form von Gadgets in unser Liebesleben eindringen—ob nun in Form ​lernender Vibratoren oder Siri-ähnlichen Gestalten.

Es könnte noch Jahrzehnte dauern, bis Künstliche Intelligenz das Mysterium der Liebe versteht, was selbst wir Menschen meist kaum begreifen. Die Roboter müßten so viel lernen, wobei Experten durchaus glauben, daß all das im Rahmen ihrer Möglichkeiten liegt: Gefühle beobachten und ausdrücken; verstehen, ob die Liebe echt oder simuliert ist; und dann noch charmant flirten.

Das sind die Gefahren:

Wir verlieben uns in Maschinen, die all das perfekt erfüllen, was wir Menschen von ihnen erwarten und uns erträumen. Am Ende jedoch brechen sie uns wegen so banalen Bugs wie Akkulaufzeit oder Systeminkompatibilität unser Herz.

Die schönsten Veränderungen, die uns intelligente Liebesmaschinen bescheren werden:

Statt einsam Tagebuch zu schreiben, können wir uns mit Bots unterhalten und sie im Idealfall einfach muten, wenn es uns nicht gefällt. Und, ganz ehrlich, viele der Gespräche auf Tinder und Okcupid brauchen nicht viel künstliche Intelligenz, um in ihrem heutigen Tiefgang übertrumpft zu werden.

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Roboter, die für uns kämpfen und töten