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7 Tage um den 6. Februar: Samische Woche in Tromsø

Konzerte, Vorträge, Sprachkurse, Lassowurf, Lagerfeuerkaffe, dazu große Portionen mit warmem Bidos und bunte Jacken aus dem gesamten Siedlungsgebiet der Samen: Die samische Woche ist ein einziges Fest.

Aber nichts übertrifft den Rentierwettbewerb in der Storgata inmitten der Stadt!

Samische Woche

Der Tag der Samen, der 6.Februar, ist die Jahrestag des ersten Treffens zwischen den Samen aus dem Norden und dem Süden, aus Norwegen und Schweden. Es fand 1917 in Trondheim statt. Dieser Tag ist ein offizieller Ehrentag geworden und in Tromsø ist dies inzwischen eine jährliches Traditionsfest samischer Kultur, das sich über eine ganze Woche erstreckt..

Kultur

Die ganze Woche lang wird die samische Kultur mit Konzerten, Vorträgen und schönen Abenden gefeiert. Es werden Sprachkurse für Anfänger, Kunstausstellungen, Feierlichkeiten in den Bibliotheken und spezielle Veranstaltungen für die Kinder angeboten. Der eigentliche Tag der Samen wird im Rathaus mit einer offizielle Feier begangen.

Meisterschaft im Lassowerfen

Lassowerfen ist eine Notwendigkeit in der Rentierhaltung. Im Sportverbund der Samen (SVL) ist das Lassowerfen eine feste Disziplin. Die in Tromsø abgehaltene Meisterschaft ist eine offizielle Norwegenmeisterschaft. Auf dem Stortorget, mitten beim Samstageinkauf, wird die Lassowurfarena aufgestellt. Es wird in Damen – , Herren- und Juniorklassen angetreten. Dann geht es darum das Geweih zu treffen, während halb Tromsø in atemloser Spannung zuschaut.

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Rentierwettfahren

Am Sonntag wird die Storgata abgesperrt und zur Bahn für das Rentierwettfahren. Am Nordende warten die Rentiere in ihrer Startbox . Wenn der Startschuss ertönt werfen sie sich in voller Geschwindigkeit die Storgata entlang Richtung Süden, dahinter einen schmächtigen Kutscher auf Skiern . Das Ziel ist das Südende der Fußgängerzone. Die Veranstaltung ist eine nordische Meisterschaft und die 12 besten Rentiere aus Norwegen und Finnland gehen an den Start. Es wird kein Unterschied zwischen weiblichen und männlichen Kutschern gemacht, es zählt nur das schnellste Rentier. Zusätzlich zur Seniorenklasse treten fünf Junioren zur Meisterschaft an.

Samisch-arktischer Wintermarkt

Die ganze Woche lang sind die Lavvos auf dem Stortorget in Tromsø zu finden. Jeder ist herzlich willkommen drinnen eine Tasse Lagerfeuerkaffe zu genießen. Traditionelles samisches Festessen, Bidos, kommt auch auf den Tisch. Außerdem kann man Lefser aus den Seesamendörfern probieren. In Handwerksbuden wird Duoddji, samisches Kunsthandwerk, verkauft. Wenn die Kälte zubeißt sind besonders die Fausthandschuhe aus Olmmaivaggi/Manndalen sehr beliebt.

Romssa

samenbanner3Gräber, Sieidi’s (Opfersstätten) und samische Berg – und Inselnamen zeigen, daß die samische Kultur lange Wurzeln in Romssa/Tromsø hat. Heute wird die Sprache in Moskavuotna/Ullsfjord ganz im Osten von Tromsø und von den Einwanderern aus ganz Nordkalotten gepflegt. Somit ist Tromsø eine der größten Samengemeinden in Norwegen, in denen sowohl in Kindergärten als auch in Schulen samisch gesprochen wird.

Im äußersten Norden von Europa leben uralte Melodien, eigenartige Handwerkstraditionen und eine besondere Sprache im Zusammenspiel mit moderner Technologie. Die Kultur der Samen ist im Großteil Nordnorwegens die älteste Kultur und sie ist heute stark im Wiederkommen.

Ein Volk in vier Ländern

Die Samen leben in vier Ländern: Norwegen, Schweden, Finnland und Rußland. Man rechnet mit rund 80 000 Samen in den vier Ländern, davon lebt gut die Hälfte in Norwegen. Weniger als die Hälfte von ihnen wiederum sprechen Samisch. In Norwegen leben die Samen sozusagen in ganz Nordnorwegen sowie in Trøndelag und in der Femundsmarka in Hedmark.

Die Sprache

Die Samen sprechen eine Sprache die, zusammen mit Sprachen wie Finnisch, Estnisch und Ungarisch zur uralischen Sprachfamilie gehört. Norwegisch und die übrigen indoeuropäischen Sprachen sind hingegen nicht mit dem Samischen verwandt.

Es werden 9 verschiedene aber nahverwandte samische Dialekte gesprochen. Heute werden drei davon in Nordnorwegen verwendet. Samen aus dem äußersten Süden von Nordnorwegen können mit ihren unmittelbaren samischen Nachbarn sprechen, aber mit den Samen ganz im Norden von Nordnorwegen können sie nicht kommunizieren. Die Dialektgrenzen entsprechen nicht den Sprachgrenzen, die meisten Dialekte werden in mehreren Ländern gesprochen. Die samische Sprache ist heutzutage in der Inneren Finnmark Mehrheitssprache und wird zusätzlich über den Großteil von Nordnorwegen hinweg in kleinen Gemeinschaften sowie in einigen Kreisen in den nordnorwegischen Städten gesprochen.

Rentierzüchter, Küsten-Samen, Fluß-Samen

samenbanner1Rund 2600 Samen in Norwegen leben von der Rentierhaltung, und der Großteil der Fläche Nordnorwegens wird real für die Rentierhaltung genutzt. Traditionell haben die meisten Samen vom Fischen, Viehzucht und Jagd entlang der Küste, in den Fjorden und entlang der großen Flüsse im Binnenland gelebt. Heute lebt ein großer Teil der Samen außerhalb der traditionellen samischen Gebiete und ist in die Städte in Nordnorwegen oder in die Osloer Gegend gezogen. Noch mehr leben noch in den traditionellen samischen Siedlungsgebieten, ernähren sich jedoch innerhalb des modernen Dienstleistungsbereichs, der Industrie, des Tourismus und des öffentlichen Sektors.

Joik

Die samische Kultur hat viele einzigartige Erscheinungsformen. Der Joik ist eine der ältesten Gesangstraditionen Europas, jedoch äußerst lebendig. Ein Joik wird einer Person, einem Tier oder einem Ort gewidmet, und die Harmonien geben die Eigenschaften dessen wieder, von dem man singt. Wenn man mit jemandem anbandeln will, kann man für seine Auserwählte joiken, das ist ziemlich wirkungsvoll!

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Duodji

Die kittelähnlichen Oberteile, die Samentrachten, sind eine weitere ungebrochene, lebendige Tradition. Im Gegensatz zu den engen Vorschriften über das Tragen von norwegischen Volkstrachten kann man gut seine eigene Variante tragen, und diese Oberteile ändern sich mit den Moderichtungen. „Duoddji“ ist das samische Wort für Kunsthandwerk, und viele Kunsthandwerkstraditionen wie Zinnfadenstickerei, Perlenstickerei, Weben von Schuhbändern, Trachtensäume, Holzschnitzerei und Messerherstellung werden gepflegt. Schnabelschuhähnliche Schuhe, die mit Blasensegge gefüllt sind, halten die Beine besser warm als der letzte Schrei an Survival-Ausrüstung, und sie werden eifrig genutzt, wenn die Temperatur unter -40 Grad fällt.

Politischer Status

Das Parlament der Samen ist das vom Volk gewählte Organ der Samen in Norwegen, es hat in Fragen zur Kultur, Kulturerbe, Rentierhaltung und Unterricht eine hohe Autorität und es verstärkt seinen Einflußin der Wirtschaft und Wirtschaftspolitik. Die samische Sprache wird von 9 Gemeinden, 2 Verwaltungsbezirken und einer Reihe staatlicher Organe verwendet. Die Sprache ist in Norwegen eine offizielle Sprache, ist jedoch nicht mit dem Norwegischen gleichgestellt. Früher besaßen die Samen das Land und die Gewässer gemeinsam, und daher betrachtete der norwegische Staat es als staatlichen Boden. Heute betrachtet Norwegen das Land und die Gewässer in der Finnmark als Eigentum der Bevölkerung in der Finnmark. Vergleichbare Übertragungen wurden für große Gebiete im Rest von Nordnorwegen vorgeschlagen. Lesen Sie mehr unter www.sametinget.no.

Samen im 21. Jahrhundert

Im 21. Jahrhundert begegnen sich samische Kultur und die moderne Welt auf eine neue Weise. Niemand von den Samen lebt heute ein völlig traditionelles Leben, und der Alltag vieler Samen wirkt äußerst modern. Gleichzeitig nimmt das Interesse an Joik, duoddji und an der Sprache stark zu. Traditioneller Joik mischt sich mit modernen Rhythmen. Das samische Nationaltheater Beaivas, eine umfangreiche literarische Produktion, samische Presse sowie samisches Radio und Fernsehen verwenden alle die samische Sprache in neuen Foren. Das läßt Gutes hoffen für die Sprache und die Kultur.