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Rostislav Ischenko: Wie die Ukraine verschwinden wird

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Rostislav Ischenko arbeitete in Aussenministerium der Ukraine und in der Präsidentenadministration. Jetzt ist Rostislav Ischenko ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für die Systemanalyse und Prognose in Rußland.

Rostislav Ischenko ist ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für Systemanalyse und Prognose. Noch im Sommer vor dem Maidan hat er den Staatstreich und den Bürgerkrieg in der Ukraine vorausgesagt.

Bürgerkriege, die auf den Ruinen der Staaten, die zerfallen sind, geführt werden, können länger dauern: Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte.

Aktuelles Beispiel ist Somalia. Solange der Staat vorhanden ist, wird die Dauer des Krieges, ob das Bürgerkrieg oder Krieg mit einem Feind von aussen ist, von den ökonomischen Ressourcen des Landes abhängig sein. So lange es wirtschaftlich möglich ist, die Streitkräfte, die Bevölkerung, die Behörden mit dem Nötigsten zu beliefern und unterstützen, kann der Staat den Krieg führen, auch dann, wenn eine Niederlage nach der andere kommt. Sobald die Wirtschaft kaputt ist, wird es unvermeidlich zum endgültigen Zerfall oder zur Kapitulation führen.

Die Einsatzbereitschaft der Armee kann man von aussen fördern, aber einen Staat nur mit Aussenfinanzierung zu unterhalten (natürlich, wenn es nicht um eine kleine einsame Insel irgendwo in Mikronesien handelt) ist unmöglich. Sobald die Staatsangestellten keinen realen Lohn mehr bekommen (nicht nur das Geld, sondern das Geld als Kaufkraft), wird die Staatskasse nicht mehr gefüllt, Unternehmen als Arbeitgeber verschwinden, das Bedürfnis nach dem Staat seitens der Bevölkerung ist dann nicht mehr vorhanden. Unter diesen Bedingungen wird ein legitim gewählter Präsident deutlich weniger bedeuten als ein selbsternannter Imperator eines Wohnviertels oder ein Lord von vier Häusern.

Die Urbanzivilisation beginnt ab sofort zu zerfallen, denn ohne die Staatsmacht – die sich an eine intakte Wirtschaft anlehnt – wird keiner mehr sich um irgendetwas kümmern: Es wird keine Lieferungen von Lebensmitteln in die grösseren Städte geben. Stromstationen, Wasserkanäle, Kläranlagen und die ganze kommunale Struktur hört auf zu funktionieren – aus der einfachen Grund, daß diejenigen Arbeitnehmer, die dort arbeiteten, sich und ihre Familien nicht mehr mit dem Lohn, den sie bekommen, ernähren können.

Die Bevölkerung bewegt sich im Richtung Dörfer und Datschas am Stadtrand. Unter diesen Bedingungen sind die Lebensmittelvorräte, die fruchtbare Erde, die Bezirke, die sich noch um die Reste von Zivilisation gesorgt haben, sind nun nicht mehr nur Objekte der Begierde. Die Einnahme oder das Behalten dieser Objekte bedeutet dann für jeden Leben oder Tod. Diejenigen, die es nicht geschafft haben, sterben eben früher als die humanitäre Hilfe eintrifft. Nur die Fähigkeit, diese Ressourcen zu behalten oder einzunehmen wird bestimmen, wer überleben wird.

Die heutige Ukraine führt nicht nur einen Bürgerkrieg. Ihre Wirtschaft gibt es nicht mehr. Der Produktionsrückgang in den budgetbildenden Industrien (Metallurgie, Förderindustrie, chemische Industrie, Produktionen) beträgt seit Beginn dieses Jahres 30-40%. Es werden viel weniger Autos und Wohnungen gekauft. Die Zahlen sind viel zu klein um darüber zu reden. In Kiew sind solche Käufe jetzt noch in Hundertern zu beziffern, es wird aber nicht mehr lange dauern bis diese unter Hundert fallen oder sogar bald nur noch von einzelnen Käufen die Rede sein wird. Die Grivna (ukr. Währung) steht zum Dollar 1 zu 40. Die Nationalbank kann dieses Verhältnis mit den großen Anstrengungen noch knapp halten, in der Hoffnung auf baldigen IWF-Kredit. Jedoch führte diese Politik (in Kombination mit der Währungspanik) schon zum Importstopp und der schnellen Verknappung von Lebensmitteln.

Es wird nicht mehr lange dauern und den Regionen, die noch über genügend Lebensmittelvorräte verfügen, wird es verboten, aus den administrativen Grenzen der Region die Lebensmittel abzutransportieren. So sind wir nicht mehr weit davon entfernt und die Regionen führen ihre eigenen Währungen ein. Klar, das alles wird die eigene regionale Armee verteidigen, die nicht schwierig zu bilden ist, da man überall freien Zugang zu Waffen hat, auf große Mengen von Waffen und zudem über die Erfahrungen in mehrmonatigen Kriegseinsätzen verfügt.

Man kann natürlich sagen, daß die Ukraine jetzt vor der Wahl steht: Soll sie kapitulieren oder zerfallen, falls aber die jetzige Regierung kapitulieren könnte. Sie kann aber nicht kapitulieren, weil die Menge der grausamen Taten, die diese Regierung beging, deren lebenslanger Haft garantiert – falls das Volk sie nicht früher zerreisst.

Folglich, der Zerfall ist unvermeidlich.

Mit der Wirtschaft ist es schon geschehen. Die Ukraine existiert nicht mehr. Die Goldreserven, die ermöglicht hatten, noch das ganze letzte Jahr zu überleben, gibt es auch nicht mehr. Der IWF gibt das Geld noch nicht und falls er es gibt (es wurde 17.5 Mrd. Dollar für vier Jahre versprochen), dann ist es auch offensichtlich zu wenig. 4-5 Mrd. Dollar pro Jahr wird nicht einmal reichen, um die laufende Schulden zu decken. Eigenes Einkommen hat die Ukraine nicht.

Fertig, Zusammenbruch.

Einziger Trost ist, daß die Ukraine, im Unterschied zu Somalia, sich nicht in Afrika befindet und ihr Versinken in den Feudalismus und in die Naturalwirtschaft Europa und Rußland schaden wird. Deswegen es wird ihr nicht erlaubt, zu lange im Sterben zu liegen – Brüssel und Moskau werden gezwungen sein in der Ukraine für Ordnung zu sorgen.

Also, der Großteil des ukrainischen Volkes hat noch eine Chance, mit der humanitären Hilfe gerettet zu werden und ihr Leben von Vorne zu beginnen.

Rostislav Ischenko arbeitete in Aussenministerium der Ukraine und in der Präsidentenadministration. Jetzt ist Rostislav Ischenko ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für die Systemanalyse und Prognose in Rußland.