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Rostislav Ischenko ist ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für die Systemanalyse und Prognose.

Rostislav Ischenko: 2016 erreichen die USA den „Point of no Return“

Der Präsident des Zentrums für Systemanalyse und Prognose Rostislav Istschenko schätzt ein, daß schon 2016 für die USA der „Point of no Return“ überschritten wird, nach dem die amerikanischen Eliten den Zusammenbruch der amerikanischen Staatlichkeit als einziges mögliches Szenario zur Kenntnis werden nehmen müssen.

Das Paradoxon der gegenwärtigen globalen Krise besteht darin, daß in den letzten 5 Jahren alle einigermaßen verantwortlichen und selbständigen Staaten unglaubliche Anstrengungen zur Rettung der Vereinigten Staaten von der ihnen drohenden finanziellen und wirtschaftlichen und militärisch-politischen Katastrophe unternommen haben, wobei sie das im Gegensatz zu den nicht weniger folgenreichen Aktivitäten Washingtons zur Destabilisierung der Weltordnung, die rechtfertigend als Pax Americana („Amerikanischer Frieden“) bezeichnet wird, taten.

Weil Politik kein Nullsummenspiel ist, d.h. der Verlust des Einen ist nicht unbedingt der Gewinn eines Anderen ist, hat dieses Paradoxon eine logische Erklärung. Die Krise eines jeden Systems entsteht, wenn seine innere Organisation in Widerspruch zu den verfügbaren Ressourcen gerät (d.h. letztere fangen an, nicht mehr für das normale Funktionieren des Systems in bisheriger Weise auszureichen).

Für diese Situation existieren 3 prinzipielle Lösungsvarianten:

  • Reformierung, wenn die innere Organisation des Systems auf evolutionärem Wege in einen Zustand der Übereinstimmung mit den vorhandenen Ressourcen überführt wird;
  • Zusammenbruch des Systems, wenn dieses auf revolutionärem Wege geschieht;
  • Konservierung, wenn die das System bedrohenden Einwirkungen gewaltsam beseitigt werden und die gegenseitigen Beziehungen innerhalb des Systems hart durchgreifend auf der Basis ungleichberechtigter gegenseitiger Beziehungen (egal, ob zwischen Klassen, Landesteilen, Kasten oder Staaten) konserviert werden.

Die Methode der Konservierung haben das China der Ming- und Qin- und das Japan der Tokugawa-Dynastie versucht. Sie hat bis zum Beginn der kapitalistischen Globalisierung im 19. Jahrhundert funktioniert. Aber beide (im Inneren hinreichend stabile) östliche Zivilisationen hielten der Konfrontation mit der technologisch weiter entwickelten (und dadurch auch in militärisch-politischer Hinsicht mächtigeren) europäischen Zivilisation nicht stand. Japan fand die Antwort in der Modernisierung (Reformierung) noch in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts; China quälte sich ein Jahrhundert lang in den Tiefen halbkolonialer Abhängigkeit und blutiger Bürgerkriege, bis die neue kommunistische Elite unter Führung von Deng Xiaoping ihr neues Konzept der modernisierenden Reformen entwickeln konnte.

Dieses Beispiel bringt uns zu folgendem Schluß:

Die Konservierung eines Systems ist nur dann möglich, wenn sie gegen jedwede unerwünschte äußere Einwirkungen abgeschirmt ist, d.h. wenn sie die globalisierte Welt unter Kontrolle hält.

Der Widerspruch zwischen der Konzeption des Auswegs aus der Krise , wie sie die amerikanische Elite anwendet und der der alternativen Konzeption, die von Rußland mit Unterstützung Chinas, sodann der BRICS-Staaten und jetzt schon eines bedeutenden Teils der Welt vorgeschlagen wird, besteht darin, daß die Politiker in Washington davon ausgingen, daß sie die Möglichkeiten besitzen, die globalisierte Welt vollständig zu kontrollieren und ihre Entwicklung in die für sie benötigte Richtung zu lenken.

Deshalb versuchten sie, nachdem sie sich mit der Begrenztheit der materiellen Basis zur Sicherung der Mechanismen ihrer globalen Hegemonie konfrontiert sahen, das Problem durch die gewalttätige Unterdrückung potenzieller Opponenten mit dem Ziel der Umverteilung der globalen Ressourcen zu ihren Gunsten zu lösen. Im Falle des Erfolges hätten die USA die Möglichkeit erhalten, die Erfahrung vom Ende der 80er – Anfang 90er Jahre zu wiederholen, als der Zusammenbruch der UdSSR und des von ihr kontrollierten Systems des Sozialismus es dem Westen ermöglichte, der Krise durch Umverteilung der globalen Ressourcen zu ihren Gunsten zu entkommen.

In der neuen Etappe ging es um die Umverteilung der Ressourcen schon nicht mehr zu Gunsten eines kollektiven Westens, sondern ausschließlich zu Gunsten der USA.

Der gegebene Verlauf verschaffte dem System eine Frist, die es zur Schaffung eines Regimes der Konservierung nichtgleichberechtigter Beziehungen nutzen konnte, bei denen die bestimmende Kontrolle der amerikanischen Eliten über die militärischen, rohstofflichen, finanziellen und industriellen Ressourcen sie gegen die Gefahr eines Zusammenbruchs des Systems von innen und die Liquidierung alternativer Machtzentren sie gegen den Zusammenbruch von außen absichern, es ewig (zumindest für historisch absehbare Zeiträume) machen würde.

Die alternative Herangehensweise (nennen wir sie provisorisch die russisch-chinesische) ging davon aus, daß die Ressourcen des Systems schneller ausgeschöpft wären, als es den USA gelänge, die Mechanismen zur Konservierung ihrer globalen Hegemonie zu installieren. Das würde seinerseits zur Überdehnung und Überanspannung der Kräfte führen, die den imperialen Druck auf die globalen Peripherien im Interesse des Washingtoner Zentrums gewährleisten und im Weiteren zum unausweichlichen Zusammenbruch des Systems führen.

Vor zweihundert und sogar noch vor hundert Jahren hätten Politiker nach dem Prinzip „Stoße den Fallenden“ gehandelt, und sich auf die Teilung des Erbes eines zerfallenden Imperiums eingestellt. Jedoch hat die Globalisierung nicht nur der Weltindustrie und des Welthandels (wie sie schon zum Ende des 19. Jahrhunderts erreicht war), sondern auch der Weltfinanzen den Zusammenbruch des amerikanischen Imperiums äußerst gefährlich und kostspielig für die ganze Welt gemacht. Grob gesagt, die USA könnten die Zivilisation unter ihren Trümmern begraben.

In diesem Zusammenhang wurde Washington im Rahmen der russisch-chinesischen Herangehensweise dringend eine Kompromißvariante vorgeschlagen, die eine langsame, evolutionäre Erosion der amerikanischen Hegemonie, eine stufenweise Reformierung der internationalen finanzökonomischen und militärpolitischen Beziehungen auf der Grundlage des bestehenden Systems des Völkerrechts vorsieht.

 

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