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Putin auf Deutsch zur EU-Asylkrise: Russen haben Verständnis für Angst europäischer Bürger

Im Anschluß an seine Äußerungen zur Flüchtlingskrise befragten russische Journalisten in Wladiwostok den russischen Präsidenten Putin zu seinen Plänen bezüglich Syrien und der Terrororganisation Islamischer Staat (IS).

Auch diese Antwort von ihm geistert nun am Wochenende in Kommentaren und indirekter Rede durch die deutsche Presselandschaft – ohne Original und immer wieder recht „interpretiert“. Da muß wohl auch russland.TV wieder seiner „Aufgabe“ nachkommen und für Interessierte Putins eigene Ausführungen in deutscher Übersetzung nachliefern.

Russen sorgen sich um Deutschland

Daß sich osteuropäische Staaten gegen Asylforderer abschotten, trifft in Rußland auf Verständnis. Schuld an den Flüchtlingsströmen in Europa sei die US-Politik, so Putin.

Von den Flüchtlingsströmen aus Syrien ist Rußland bisher kaum betroffen. Seit Anfang des Jahres gibt es aber Flüchtlinge, die aus Syrien nach Moskau fliegen und von dort weiter nach Murmansk reisen, wo sie dann illegal die Grenze nach Norwegen überqueren und Asyl beantragen. Dieser Weg dauert etwa eine Woche und ist finanziell wesentlich günstiger als der Weg über die Türkei. Nach Angaben des russischen Wirtschaftsblattes Vedomosti haben in diesem Jahr 150 syrische Flüchtlinge illegal die russisch-norwegische Grenze überquert.

Unterdessen forderte die polnische Botschafterin in Moskau, Katarzyna Pełczyńska-Nałęcz, gegenüber dem Radiosender “Goworit Moskwa”, Rußland müsse Europa helfen und Flüchtlinge aufnehmen. “Rußland ist auch ein Land welches Flüchtlinge aufnehmen kann. Und für Rußland und für Europa ist es besser, wenn dieses Problem als gemeinsames anerkannt wird.” Wenig bekannt ist in Europa jedoch Tatsache, daß Rußland schon fast eine Million Flüchtlinge aus der Ost-Ukraine aufgenommen hat, was für Rußland eine erhebliche finanzielle und organisatorische Belastung ist.

Viele Russen haben Verständnis für Abschottung gegen Flüchtlinge

Die russischen Medien berichten ausführlich über die Flüchtlingsströme nach Europa. Der Tenor der Berichte: Mit den Flüchtlingen kommen Angst und Unsicherheit nach Europa. Daß sich die osteuropäischen Staaten gegen Flüchtlinge abschotten, finden die meisten Russen verständlich. Viele Medien in Rußland erkennen richtig, die Flüchtlinge, die jetzt nach Europa strömen, wollten nur besser leben und seien in Wirklichkeit nicht vom Krieg bedroht.

In vielen Berichten kommen die Flüchtlinge  auch selbst zu Wort, unzensiert als schreiende, wilde und undankbare Masse.

Der Reporter des Pervi-Kanal, Dmitri Soschin, berichtet aus dem ungarischen Bicske, wo Polizisten den Zug mit Flüchtlingen stoppten. Der Reporter vergaß nicht zu erwähnen, daß die Flüchtlinge die Sandwiches, die sie von ungarischen Polizisten bekamen, erst aus Protest wegschmissen, sie aber später dann doch vom Boden aufgelesen haben. Ein Flüchtling schreit, in Syrien werde er sterben, er brauche medizinische Hilfe und zeigt auf seinen Bauchverband, den er wegen einer Geschoßverletzung trägt. Ein junger Mann sagt, er wolle wieder zurück nach Syrien. “Ich konnte mir nicht vorstellen, daß man uns in Europa auf dem Asphalt gefangen hält.”

Ernüchternd ehrlich im Gegensatz zur westlichen Einheitspresse klingen die Berichte von Darja Aslamowa, die für die Komsomolskaja Prawda aus verschiedenen Orten in Europa über Flüchtlinge berichtet. Aus dem nordserbischen Ort Kanischa schreibt Aslamowa:

“Da stoppt der erste internationale Autobus auf dem zentralen Platz und bringt eine frische Ladung Flüchtlinge. (…) All diese Leute sind sehr von sich selbst überzeugt und verhalten sich völlig gleichgültig gegenüber dem Charme des alten christlichen Städtchens.” Die Menschen seien in Gruppen organisiert und würden “von der Zigeuner-Mafia” über den gesamten Balkan geschleust. Zusammenfassend schreibt die Korrespondentin über ihre Eindrücke in Europa: “Das sind überhaupt keine klassischen Flüchtlinge. Sie führen sich auf wie Herren am neuen Ort, sie verachten die Bewohner des Ortes, die ihnen helfen, und fordern für sich immer neue Vorteile.”

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Wladimir Putin auf der Pressekonferenz am Freitag:

“What is this policy? That of imposing their standards without taking into consideration the history, religion, culture or national characteristics of these regions. This is, primarily, the policy conducted by our American partners; Europe blindly follows the lead, complying with its so-called allied commitments, and then it bears the brunt.”

Wladimir Putin stellte am Freitag am Rande eines Wirtschaftsforums in Wladiwostok die wichtige Frage, wie es überhaupt zu den Flüchtlingsströmen nach Europa kam, wollte sich von den brutalen Methoden der ungarischen Regierung aber nicht distanzieren. Grund der Flüchtlingsströme sei die Politik “unserer amerikanischen Partner”, den moslemischen Ländern “eigene Standards aufzwingt”, erklärte der russische Präsident. Dabei würden “die historischen, religiösen, nationalen und kulturellen Besonderheiten dieser Regionen nicht berücksichtigt.”

Europa folge dieser amerikanischen Politik “blind im Rahmen der Bündnisverpflichtungen und trägt jetzt die Last.” Er (Putin) habe schon vor mehreren Jahren davor gewarnt, “daß es große Probleme geben wird, wenn unsere westlichen Partner diese falsche Politik insbesondere in der moslemischen Welt fortführen”. Er wundere sich, wie jetzt einige amerikanische Medien Europa “wegen übertriebener Härte gegen Migranten kritisieren”. Aber die Vereinigten Staaten würden ja nicht die Last der Migrationsströme tragen, meinte der Kreml-Chef.

Er wolle die westlichen Partner nicht als kurzsichtig und sich selbst als weitsichtig darstellen, meint Putin versöhnlich. Jetzt gehe es darum zu verstehen, was zu tun ist. “Das erste was man tun muß ist, gemeinsam gegen den Terrorismus vorzugehen.” Darüber habe Putin schon mit Barrak Obama sowie den Führern der Türkei, von Saudi-Arabien, Jordanien und anderen Staaten gesprochen, meldet die Nesawisimaja Gaseta. Außerdem gehe es darum, “die Ökonomie und die soziale Sphäre” der Länder aufzubauen, aus denen die Menschen jetzt fliehen, sagte der russische Präsident. Im Übrigen würden die Menschen nicht vor Assad fliehen, wie man im Westen meine, sondern vor den Islamisten.