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Prokopios von Caesarea – der letzte Historiker der Antike

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Prokopios von Caesarea (*~ 500 ; † ~ 562 ) (auch Prokop ) war der wichtigste byzantinische Historiker des 6. Jahrhunderts n. Chr. und einer der bedeutendsten der gesamten Antike.

Prokopios stammte aus einer privilegierten hellenisierten Familie aus Caesarea in Palästina und genoß eine rhetorische Ausbildung in Beirut . 527 bis 40 war er Consiliarius und Rechtsbeistand des oströmischen Feldherren Belisar . Durch seine Hände ging auch die gesamte Feldpost, daher war er hervorragend informiert.

Prokop verfaßte um 550 auf Griechisch eine achtbändige Kriegsgeschichte ( Bella ) der Kriege Kaiser Justinians I.

prokopbuchBuch I und II behandeln den persischen Kriegsschauplatz ( Sassaniden ) Buch III und IV die Kriege in Nordafrika gegen die Vandalen V bis VII die Kriege gegen die Ostgoten in Italien . Buch VIII bietet eine Zusammenfassung der weiteren militärischen Auseinandersetzungen an verschiedenen Kriegsschauplätzen. Seine Bella sind nach dem Vorbild Appians aufgebaut (geographische Gesichtspunkte) stilistisch sind sie an Thukydides und Herodot orientiert.

Prokopios verwendete eine kraftvolle Sprache gewürzt mit vielen Anekdoten und hatte ein klares Urteil. Er baute auch versteckte Kritik an der Person Justinians I. mit ein – später kritisierte er auch Belisar, den er zuerst in den höchsten Tönen gelobt hatte.

Seine anderen beiden Werke sind De Aedificiis (Bauten) und die sogenannte Anekdota oder auch Geheimgeschichte (Historia Arcanum). Während in der Auftragsarbeit der Bauten Justinian panegyrisch gelobt wird, ist die Geheimgeschichte eine reine Skandalgeschichte und Schmähschrift ( Psogos ), in der Justinian I. und seine Frau Theodora I., aber auch Belisar und seine untreue Frau Antonina gegeißelt werden. Auch wenn die Anekdota und das konträre Bild Justinians in den Bauten ein schiefes Licht auf Prokops Charakter wirft, ist er dennoch die wichtigste Quelle für die Regierungszeit Justinians.

In den Kriegsgeschichten bleibt er weitestgehendst objektiv und hat einen klaren Blick für die Ereignisse.

Belisar auf dem Fresco zu Ravenna

Belisar auf dem Fresco zu Ravenna

Prokops Kritik ist zu einem guten Teil Personenkritik. Er kritisierte nie die Institution des Kaisertums an sich sondern nur dessen Politik. Prokop stand den konservativen Senatskreisen nahe und deren Interessen wurden durch die teilweise harte Politik Justinians tangiert. In religiösen Fragen stand Prokop hingegen für ein tolerantes Christentum ein und dürfte an der rigiden Religionspolitik des Kaisers keinen Gefallen gefunden haben (vgl. auch Averil Cameron Procopius). Doch wie J. B. Bury in seiner History of the later Roman Empire ( Geschichte des späten Römischen Reiches ) so treffend formulierte: It was one of the glories of Justinian’s age to have produced a writer who must be accounted the most excellent Greek historian since Polybius … (Bury: History of the later Roman Empire. Bd. II. S. 419): Es war eine der Errungenschaften des justinianischen Zeitalters einen Schreiber hervorgebracht zu haben der als der hervorragendste griechische Historiker seit Polybius angesehen werden muß …

Allerdings gibt es Indizien dafür daß Prokop selbst am Ende seiner Tätigkeit den von ihm gepflegten klassizistischen Stil als nicht mehr zweckmäßig ansah. Die Katastrophen die das oströmische Reich heimgesucht hatten (Pestepidemien Erdbeben Barbareneinfälle) konnten nicht mehr nach klassischen Denkmustern erklärt werden so daß Prokop als Erklärungsansatz auf das mit menschlicher Logik nicht erklärbare Walten Gottes hinwies. Dies mag auch ein Grund dafür sein daß die Geschichtsschreibung nach klassischen Vorbild in Byzanz bald darauf für lange Zeit verstummte und stattdessen die Kirchengeschichte an Boden gewann (vgl. dazu Meier (s. Literatur) Prokop speziell S. 290-310).

Literatur

Quellen:

Prokopios von Caesarea: Werke (gr.-dt.) übersetzt und herausgegeben von Otto Veh 5. Bde. (Bücherei Tusculum) München 1961-77.
Sekundärliteratur:

Hans-Georg Beck: Prokop – Der Historiker und sein Opfer München 1986.
Averil Cameron: Justin I. and Justinian in: Averil Cameron et al (Hrsg ): The Cambridge Ancient History XIV. – Late Antiquity. Empire and Successors AD 425-600 2. neugestaltete Aufl. Cambridge 2000.
Dieselbe: Procopius and the Sixth Century Berkeley 1985.
Mischa Meier: Prokop Agathias die Pest und das `Ende` der antiken Historiographie in: Historische Zeitschrift 278 (2004) S. 281-310.