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Perle aus Yunnan: Pu-Erh-Tee als Waffe gegen die Pfunde?

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Chinas moderne Gesellschaft schreitet mit großen Schritten voran. Um die Versorgung mit Nahrung und Kleidung müssen sich die Chinesen heute kaum noch Sorgen machen. Der Übergang zur Wohlstandgesellschaft ruft aber auch in der Volksrepublik neue Probleme auf den Plan.

Eines davon: das Übergewicht. An jeder Straßenecke scheinen heute verführerische Delikatessen zu lauern. Und immer mehr Chinesen geht es deshalb ähnlich wie vielen Menschen in den Industrieländern: Angesichts des Überangebots an Nahrung fällt es schwer, das eigene Eßverhalten zu kontrollieren.

Zivilisationskrankheiten und Übergewicht

Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes, Bluthochdruck oder ein erhöhter Cholesterinspiegel, die mit dem Übergewicht Hand in Hand gehen, sind weltweit auf dem Vormarsch und zu einer der größten Belastungen für unser Gesundheitswesen geworden. Nach etlichen vergeblichen Versuchen, die Fettpolster an Taille und Po zu reduzieren, sind viele Menschen heute noch immer auf der Suche nach einer geeigneten Abspeckmethode. Eine ganze Heerschar von wissenschaftlern forscht fieberhaft nach einfachen und effektiven Methoden, unser Körpergewicht zu kontrollieren. Bisher mit mäßigem Erfolg. Nur einige wenige Medikamente haben sich als wirklich effektiv erwiesen, die Fettaufnahme unseres Körpers zu reduzieren und eine Gewichtsabnahme herbeizuführen, vorausgesetzt, man ist bereit, gewisseNebenwirkungen in Kauf zu nehmen. Als allerletztes Mittel bliebe dann noch der Gang unters Messer. Einfachheit sieht anders aus.

„Weniger essen und mehr Bewegung“ ­- diese alte Binsenweisheit bewahrheitet sich auch heute noch als einfachstes und verlässlichstes Mittel im Kampf gegen die Pfunde. Und doch – einige Lebensmittel scheinen uns auf dem Weg zur Traumfigur unterstützen zu können. Eines davon könnte der chinesische Pu-Erh-Tee aus der Provinz Yunnan sein.

Gehen wir der Sache auf den Grund:

Egal um welchen Stoff es sich handelt, will man wissen, ob er eine Gewichtsabnahme herbeiführen kann, ist vor allem ein Kriterium entscheidend: Kann er dem Körper helfen, ein „Energiedefizit“ herbeizuführen?

Nach diesem Kriterium lassen sich alle diätischen Lebensmittel drei Gruppen zuordnen:

Erstens: Nahrungsmittel, die selbst keine bzw. kaum Energie enthalten. Hierzu gehören etwa Pu-Erh-Tee oder auch Apfelessig. Beide sind nicht nur kalorienfrei, sondern enthalten zusätzlich Coffein und Polyphenole, die dabei helfen, den Appetit zu zügeln, und gleichzeitig den Stoffwechsel anregen. Wer allerdings nach der Mahlzeit gleich ein paar Hände Süßigkeiten in sich hineinstopft, wird trotzdem zunehmen.

Zur zweiten Gruppe gehören Nahrungsmittel, die zwar selbst einen gewissen Energiewert besitzen, gleichzeitig aber reich an Ballaststoffen sind und zahlreiche Komponenten enthalten, die das Sättigungsgefühl verlängern und die Geschwindigkeit der Nährstoffaufnahme des Körpers verlangsamen. Hierzu zählen etwa Obst und Gemüse sowie Vollkorngetreide, Bohnen, ja sogar einige sehr fetthaltige Nüsse wie Mandeln. Zwar weisen diese Lebensmittel einen hohen Energiewert auf, kombiniert mit anderen Nahrungsmitteln können sie aber den gesamten Verdauungsprozess des Körpers effektiv verlangsamen. Dadurch verhindern sie abrupte Schwankungen des Blutzuckerspiegels und verringern die Ausscheidung von Insulin.

Zur dritten Gruppe zählen künstliche Produkte, die eine Mahlzeit ersetzen können. Derartige Nahrungsmittel werden nach strikter Kalkulation zusammengesetzt. Die enthaltenen Nährstoffe sind demnach genau auf den Bedarf des menschlichen Körpers abgestimmt. Gleichzeit sind diese Produkte reich an Eiweißen und Ballaststoffen, wodurch sich trotz stark begrenztem Energiegehalt ein absolutes Sättigungsgefühl einstellt. Schafft man es, sich ausschließlich von derartigen Erzeugnissen zu ernähren und daneben keine anderen Lebensmittel zu sich zu nehmen, wird sich das Gewicht ganz automatisch reduzieren (Voraussetzung: man hält es durch).

Welche Erfahrungen haben meine Mitmenschen mit scheinbaren Wundermitteln wie Apfelessig gemacht? „Kann man mit Apfelessig abnehmen?“, tippe ich in die Suchmaschine Baidu ein, das chinesische Pendant zu Google. „Ja! Apfelessig kann die Verdauung beschleunigen“ erscheint als erstes Suchergebnis auf dem Bildschirm und ich muß schmunzeln, ist doch eine beschleunigte Verdauung ausgerechnet eigentlich eines der Merkmale für dick machende Lebensmittel.

Apfelessig ist der natürliche Essig, der bei der Vergärung von Apfelsaft entsteht. Unter Zugabe einiger weiterer Zutaten wird er auch als Getränk angeboten. Von seinen Komponenten her betrachtet besteht Apfelessig zum überwiegenden Teil aus Wasser. Die zudem reich enthaltenen sauren Substanzen unterscheiden sich nicht grundlegend von denen anderer Sorten Speiseessig. Die von der Werbung oft beschworenen zahlreichen Sorten von Aminosäuren und Mineralien, die im Apfelessig enthalten sein sollen, kann man stattdessen problemlos auch über andere Lebensmittel aufnehmen. So betrachtet verfügt Apfelessig also über keinen besonderen Nährwert. Zugute halten muß man ihm seinen tatsächlich äußerst niedrigen Energiegehalt. Wer Apfelessig also in geringen Mengen zu sich nimmt, wird sicher nicht zunehmen, das wäre aber auch schon alles.

Und wie sieht es mit Pu-Erh-Tee aus? China gilt als die Wiege der Teekultur und erforscht seit langem intensiv die Wirkkraft der Teeblätter. Tee läßt sich je nach Stärke der Oxidation der in ihm enthaltenen Polyphenole während des Verarbeitungsprozesses in sechs Hauptgruppen gliedern: nicht fermentierten grünen Tee, geringfügig fermentierten weißen Tee, leicht fermentierten gelben Tee, halbfermentierten Oolong Tee, vollfermentierten schwarzen Tee und den nachfermentierten Pu-Erh-Tee.

Der Pu-Erh-Tee stammt aus der südwestchinesischen Provinz Yunnan, wo er als lokale Spezialität gilt. Er wird seit der Ming-Dynastie (1368-1644) in Südwestchina angebaut, in der Qing-Dynastie erlebte er seine erste Blüte. Noch heute wird Pu-Erh aus den in der Sonne getrockneten Blättern des Qingmao-Teestrauchs gewonnen, die in einen raffinierten Fertigungsprozess fermentiert werden. Dabei werden die bereits getrockneten Teeblätter unter dem Einsatz von Enzymen von Mikroorganismen sowie der Zufuhr von Wärme und Feuchtigkeit behandelt. Hierbei oxydieren und kondensieren die Polyphenole des Tees, zudem zerlegen sich die enthaltenen Eiweiße und Kohlenhydrate. Neben der Kondensation und Polymerisierung durchlaufen die Komponenten der Teeblätter noch eine Reihe weiterer chemischer Reaktionen, wodurch komplizierte chemische Stoffe entstehen. Die genaue Wirkung dieser Stoffe wird derzeit in Tierstudien untersucht.

Bisherige Forschungen haben ergeben, daß alle Teesorten, egal ob grüner, schwarzer oder Pu-Erh-Tee, stark der Oxydation entgegenwirken. Das gilt vor allem für stark fermentierte Sorten wie Pu-Erh oder Schwarztee, was vermutlich durch die lange Nachfermentierung und Lagerung dieser Sorten zu erklären ist, bei der die chemischen Komponenten der Teeblätter gewisseVeränderungen durchlaufen. In stark fermentierten Teesorten, vor allem im Pu-Erh-Tee, sind als Folge fast keine elementaren Polyphenole, Theaflavine und Gallussäuren enthalten, wie sie sich etwa noch in grünem und schwarzem Tee finden. Im Pu-Erh wurden stattdessen besondere Polyphenole nachgewiesen. Groß angelegte Tierstudien haben gezeigt, daß es eben diese speziellen Polyphenole sind, die die körperlichen Funktionen von Fett- und Vorläuferfettzellen beeinflussen können, was wiederum die Gewichtszunahme kontrollieren kann.

Die Ergebnisse aus Tierversuchen sind das eine. In keiner der zahlreichen epidemiologischen Studien ist es aber bisher gelungen, einen eindeutigen Beweis für einen Zusammenhang zwischen Teekonsum und Körpergewicht zu finden. Eine klinische Studie aus Frankreich hat dagegen gezeigt, daß sich bei Patienten mit mittlerem Übergewicht nach dreimonatigem Konsum von Tee mit einem EGCG-Gehalt von 25 Prozent (EGCG steht für das Antioxidans Epigallocatechingallat, das in der Regel ein Drittel der Trockenmasse von grünem Tee ausmacht) das Körpergewicht der Probanden im Durchschnitt um 4,6 Prozent verringerte, der Taillenumfang ging im gleichen Zeitraum um 4,5 Prozent zurück. Der Gewichtsreduktion liegen dabei vermutlich folgende Mechanismen zugrunde: Der Teekonsum führte bei den Versuchspersonen unter anderem zu einer Reduktion der Energieaufnahme, erhöhte gleichzeitig den Energieverbrauch und bewirkte zudem eine Veränderung der Aktivität der Leber-, Muskel- und Darmzellen, wobei all diese Effekte in direktem Zusammenhang mit der Dosierung und Art der Einnahme der Komponenten standen.

Tips für die optimale Trinkdiät

Fassen wir noch einmal zusammen: Sowohl Apfelessig als auch Pu-Erh-Tee sind diätische Lebensmittel, die so gut wie keine Kalorien enthalten. Ob sie allerdings helfen können, für ein „Minus“ im Energiehaushalt zu sorgen, hängt letztlich vor allem von psychischen Faktoren ab, nämlich ob diese Lebensmittel dazu beitragen, daß die Menschen auch weniger andere Nahrungsmittel zu sich nehmen.

Auch Pu-Erh-Tee ist also sicherlich kein Allheilmittel im Kampf gegen die Pfunde, aber er kann ihn unterstützen. Versuchen Sie es doch einmal mit meinem ganz persönlichen Tipp für eine Trinkdiät: Nach dem Frühstück, bevor es aus dem Haus geht, trinken Sie eine große Tasse Pu-Erh-Tee; während des Mittagessens dann ein wenig Apfelessig, dazu nach dem Essen ein etwa halbstündiger Spaziergang oder wahlweise andere Aerobic; am Nachmittag trinken Sie noch etwas leichten Pu-Erh, so gibt es später keine Probleme mit dem Einschlafen, außerdem hilft es, den Anstieg des Blutzuckerspiegels zu verzögern und die Fettansammlung infolge der Zunahme der Insulinausschüttung zu verringern; beim Abendessen sollten Sie dann darauf achten, daß mehr als die Hälfte ihrer Mahlzeit aus Gemüse besteht, meiden Sie Frittiertes, Süßigkeiten und andere ungesunde Lebensmittel.

Kurz gesagt: Das Wichtigste beim Abspecken ist tatsächlich, die Energiezufuhr zu reduzieren und sich mehr zu bewegen. Jeder sollte versuchen, die Diät-Methode zu finden, die am besten zu ihm passt und die er vor allem auch durchhalten kann.