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Militärexperte: „Globaler Schlag“ gegen Rußland oder China kaum effizient

Stimme Rußlands, 5. März 2013
Das neue US-Kriegskonzept, das einen massiven nichtnuklearen Angriff mit Präzisionswaffen vorsieht, ist gegen Großmächte wie Rußland oder China kaum effizient. Zu diesem Schluß gelangt ein russischer Militärexperte.

Das neue US-Kriegskonzept, das einen massiven nichtnuklearen Angriff mit Präzisionswaffen vorsieht, ist gegen Großmächte wie Rußland oder China kaum effizient. Zu diesem Schluß gelangt ein russischer Militärexperte.

In einem Gastbeitrag für die Wochenzeitung „WPK“, deren neue Printausgabe am Mittwoch erscheint, beschäftigt sich der russische Militärexperte Konstantin Siwkow mit der Effizienz des US-Konzepts Prompt Global Strike (PGS), wonach die wichtigsten gegnerischen Militär- und Industrie-Anlagen im Kriegsfall durch konventionelle Präzisionswaffen sehr schnell zerstört werden sollen. Ein massiver Angriff soll theoretisch ausreichen, um die ganze Infrastruktur innerhalb von sechs Stunden zu ruinieren und den Gegner um die Widerstandsfähigkeit zu bringen – so ist zumindest das Ergebnis einer Ende 2012 gemeldeten US-Computersimulation.

Siwkow kommentiert: „daß Medien Zugriff auf diese Informationen bekamen, war zweifelsohne kein Zufall. Das Pentagon macht die Welt darauf aufmerksam, daß die USA neue strategische Waffen erhalten, um bei Bedarf Aufgaben zu lösen, für die zuvor lediglich Atomwaffen zuständig waren“.

„Faktisch versuchen die Amerikaner, das Konzept eines ‚kontaktlosen Krieges‘ umzusetzen. Auf einem neuen technischen Niveau wollen sie etwas erzielen, was im 20. Jahrhundert nicht gelungen ist. Es geht darum, politische Ziele in einem Großkonflikt nur durch Luft- und Raketenangriffe zu erreichen“, so der Kommentar.

Die neue Doktrin stütze sich generell auf land- und seegestützte ballistische Raketen mit nichtnuklearen Gefechtsköpfen sowie auf luftgestützte Hyperschall-Raketen von großer Reichweite. Künftig kämen auch Waffen im All für diese Zwecke zum Einsatz.

Die in Entwicklung befindliche Hyperschall-Rakete Х-51А sei für das PGS-Konzept maßgeblich wichtig, so Siwkow weiter. Die vier bisherigen Tests hätten aber kein positives Ergebnis gebracht. Die Rakete komme also erst in fünf bis zehn Jahren zustande, ihre Indienststellung sei nur in ferner Zukunft möglich. Mittelfristig stünden deshalb vor allem see- und luftgestützte Flügelraketen des Typs Tomahawk zur Verfügung. Neben Raketen sei der Einsatz von 2.500 bis 3.000 Flugzeugen im Rahmen eines Erstschlags möglich. All dies ermögliche, 80 bis 90 Prozent der russischen Atomwaffen zu zerstören. Gegen Chinas Atomarsenale werde die Effizienz noch höher sein.

Ein solcher Angriff könne jedoch nicht wirklich „prompt“ sein. Die Vorbereitungen nähmen mehrere Monate in Anspruch. Falls beispielsweise Rußland bzw. China angegriffen werde, brauche dessen Staatsführung nur eine oder zwei Stunden, um die Ausmaße der Aggression einzuschätzen und einen nuklearen Gegenschlag zu beschließen. Ein Teil des Atomarsenals werde zu diesem Zeitpunkt noch nicht zerstört sein und könne gegen die USA zum Einsatz kommen.

Siwkow Schlußfolgert, es habe weder politisch noch strategisch einen Sinn, Rußland oder China auf diese Weise anzugreifen. Und ein Luftangriff gegen ein flächengroßes Land wie Iran sei nur effizient, wenn er Teil eines groß angelegten Einsatzes unter Beteiligung anderer Teilstreitkräfte sei.

Ein ganz anderes Bild entstehe jedoch, wenn man ein lokales Ziel ins Visier nehme. Dann brauche man weniger Waffen und keine langen Vorbereitungen. „Gegenwärtig und mittelfristig hat das PGS-Konzept deshalb lediglich Sinn, um lokale Aufgaben in Ländern zu lösen, die zu einem Gegenschlag nicht fähig sind und keine Sicherheits-Garantien von starken Drittländern bekommen“.

„Jedenfalls ist das PGS-Konzept ein krasser Verstoß gegen das Völkerrecht, denn dieses Konzept beinhaltet Angriffe gegen souveräne Staaten ohne rechtlich relevante Grundlage und ohne formelle Kriegserklärung“, betont der russische Militärexperte.
Weiterlesen: http://german.ruvr.ru/2013_03_05/Globaler-Schlag-gegen-Rußland-kaum-effizient/