Home / Zukunftstechnologien / Mathis Wackernagel schuf den ökologischen Fußabdruck als Maß für die Nachhaltigkeit.

Mathis Wackernagel schuf den ökologischen Fußabdruck als Maß für die Nachhaltigkeit.

Wackernagel

«Es braucht wohl jemanden wie mich, der den Leuten den Spiegel vorhält und das Offensichtliche ausspricht», sagt er. Als Weltverbesserer sieht sich Wackernagel nicht, vielmehr als Vorkämpfer für eine bessere Welt.

Gute Ideen führen zu einfachen Lösungen. So auch bei Mathis Wackernagels Erfindung.

In den neunziger Jahren hatten sich der Ingenieur und sein Doktorvater William Rees das Ziel gesetzt, den schwammigen Begriff Nachhaltigkeit besser fassbar zu machen. Die Lösung: der ökologische Fussabdruck. Dieser gibt an, wie viel Fläche eine Person, eine Firma oder eine Ge­sellschaft braucht, um ihren Ressourcenverbrauch zu ­decken. Ein Fussabdruck von 1 bedeutet, daß die Natur nachhaltig genutzt wird. Der Fussabdruck der Schweiz beträgt 4. Wir brauchen also viermal mehr Fläche, als uns zur Verfügung steht. Global betrachtet beträgt der Wert 1,5.

«Ich will den Leuten die Konsequenzen ihres Verhaltens aufzeigen», sagt Mathis Wackernagel. Für diese Mission hat er das Global Footprint Network aufgebaut. Die Stiftung mit Sitz in Oakland, Kalifornien, berät Regierungen und Organisationen, die ihre Ökobilanz ermitteln wollen, um sie danach ver­bessern zu können. «Wir waren schon mit 60 Regierungen im Gespräch», sagt Wackernagel. Die Schweizer Behörden ermitteln den ökologischen Fußabdruck des Landes seit 2006. Seit kurzem verwenden auch Costa ­Rica, Indonesien, Mexiko und die Philippinen den öko­logischen Fußabdruck.

Um sich mit Politikern, Wirtschaftsführern und Bankern auf der ganzen Welt zu treffen, legt Wackernagel ­jedes Jahr rund 160’000 Kilometer im Flugzeug zurück. Während dreier Monate im Jahr ist er unterwegs und 
von seiner Familie getrennt. Zwar fährt er in Oakland mit dem Velo zur Arbeit, und er kompensiert die geflogenen Meilen, um seine CO2-Bilanz zu verbessern. Doch nachhaltig ist sein Lebensstil trotz diesem «Ablass» bei weitem nicht. Mit dem Ziel einer ökologischeren Welt vor Augen nimmt der aus Basel stammende Wackernagel das in Kauf.

Der ökologische Fußabdruck wird mittels einer aufwendigen Buchhaltung ermittelt. Rund 6000 Datenpunkte halten die Mitarbeiter des Global Footprint Network pro Land fest. Sie listen die natürlichen Ressourcen auf, die dieses verbraucht, zum Beispiel Energie, Lebensmittel oder Holz. Die zur Gewinnung dieser Ressourcen ­nötige Fläche entspricht dem ökologischen Fußabdruck. Ihr Verhältnis zur Bio­kapazität, also zur real verfügba­ren Fläche, gibt den Nutzungsgrad an. Ein Wert über 1 gibt an, daß der Fußabdruck größer ist als die Bio­kapazität und die Tragfähigkeit der Natur überschritten wird.

Viele Länder und Unternehmen sind von einer nachhaltigen Wirtschaft noch weit entfernt. Deshalb reist ­Mathis Wackernagel unermüdlich um die Welt. «Es braucht wohl jemanden wie mich, der den Leuten den Spiegel vorhält und das Offensichtliche ausspricht», sagt er. Als Weltverbesserer sieht sich Wackernagel nicht, vielmehr als Vorkämpfer für eine bessere Welt.

Mathis Wackernagel, co-creator of the Ecological Footprint, describes how this tool lets us calculate the amount of natural resources necessary to support our collective expenditure. Pointing to our current over-expenditure, he explains how the ecological footprint can help us avoid ecological bankruptcy.

Mathis Wackernagel (* 10. November 1962 in Basel) ist ein Schweizer Vordenker im Bereich Nachhaltigkeit. Er ist Präsident der Organisation Global Footprint Network, einer internationalen Forschungsgruppe in Oakland (Kalifornien).

Nach dem Ingenieurstudium an der ETH Zürich erwarb er 1994 einen Doktorgrad in Stadt- und Regionalplanung an der University of British Columbia in Vancouver (Kanada). Im Zuge seiner Arbeit an der Dissertation entwickelte er gemeinsam mit William Rees das Konzept des Ökologischen Fußabdrucks / “Ecological Footprint”. Seither ist er weltweit in Forschung und Lehre tätig, berät Regierungen und Nichtregierungsorganisationen und ist Verfasser zahlreicher Aufsätze und einiger Bücher. Vor allem geht es ihm um die Erarbeitung von Möglichkeiten, die Begrenztheit der ökologischen Rohstoffe handfester zu erfassen und Zielvorstellungen für nachhaltige Entwicklung zu entwerfen. Von der Philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Bern erhielt er 2007 einen Ehrendoktor. Ab 2011 ist er zudem “Frank H. T. Rhodes Class of 1956” Gastprofessor an der Cornell University (NY).

Publikationen

  • Mathis Wackernagel, Bert Beyers: Der Ecological Footprint. Die Welt neu vermessen. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2010, ISBN 978-3-931705-32-9.
  • Andreas Sturm, Mathis Wackernagel, Kaspar Müller: Die Gewinner und die Verlierer im globalen Wettbewerb: Warum Öko-Effizienz die Wettbewerbsfähigkeit stärkt – 44 Nationen im Test. Rüegger, Chur/Zürich 1999, ISBN 3-7253-0653-2.
  • Mathis Wackernagel, William Rees: Unser ökologischer Fussabdruck: Wie der Mensch Einflußauf die Umwelt nimmt. Birkhäuser, Basel/Boston/Berlin 1997, ISBN 3-7643-5660-X.