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MAKS-Flugsalon im Zeichen der Krise

Die T-50 und die J-20 seien am besten gegen die aktuellen Bedrohungen gerüstet und dadurch den westlichen Pendants wie dem Jagdbomber F-35C (Lockheed Martin) oder dem schiffgestützten Jäger F/A-18E/F Super Hornet (Boeing) weit überlegen. Nur die F-22 Raptor (Lockheed Martin, Boeing) könnte sich mit dem russischen und dem chinesischen Jet messen.

Die T-50 und die J-20 seien am besten gegen die aktuellen Bedrohungen gerüstet und dadurch den westlichen Pendants wie dem Jagdbomber F-35C (Lockheed Martin) oder dem schiffgestützten Jäger F/A-18E/F Super Hornet (Boeing) weit überlegen. Nur die F-22 Raptor (Lockheed Martin, Boeing) könnte sich mit dem russischen und dem chinesischen Jet messen.

Im Rhythmus von zwei Jahren treffen sich die zivilen – und vor allem die militärischen – Luftfahrtexperten der Welt beim Moskauer Internationalen Luft- und Raumfahrtsalon MAKS.

Die diesjährige Veranstaltung ist die erste seit dem Ausbruch der Ukrainekrise und des neuen Ost/West-Konflikts. MAKS ist ebenso ein Magnet für die Waffenkäufer der Welt (die ersten drei Tage) wie für das allgemeine Publikum (ab Freitag).

Im Jahr 2015 ist die Flugschau mehr als nur eine Branchenmesse. Vor dem Hintergrund der Ukrainekrise sind die Nerven gespannt, und Rußland nutzt die Gelegenheit, der Welt seine Luftabwehr zu präsentieren. Erst gestern hat eine Sprecherin der amerikanischen Luftwaffe in Washington die baldige Stationierung amerikanischer Kampfflugzeuge F-22 in Europa angekündigt.

Erster öffentlicher Auftritt der T-50 seit MAKS 2013

Die F-22 der US-Luftwaffe, seit 2005 in Betrieb, gilt als eines der modernsten Kampflugzeuge des Westens. 180 derartige Maschinen haben die USA in ihrem Arsenal, Stückpreis mindestens 140 Mio US-Dollar. Technisch übertroffen wird sie nur noch von dem Tarnkappen-Jet F-35, der allerdings für ein etwas anderes Kampfprofil ausgelegt ist.

Die russische Antwort auf beide Maschinen ist das Tarnkappen-Kampfflugzeug Suchoi T-50, auch PAK FA genannt. Die Suchoi ist der erste seit dem Ende der Sowjetunion komplett neu entwickelte russische Militärjet. Ihr eilt der Ruf voraus, mit allerneuester Elektronik und Waffentechnik vollgestopft zu sein. Noch werden nur Prototypen getestet; der Beginn der Serienproduktion wurde verschoben.

Der Auftritt bei MAKS in dieser Woche ist die erste öffentliche Präsentation der T-50 seit der Vorgänger-Schau 2013. Ursprünglich sollte einige T-50 bei der Parade anlässlich des 70. Jahrestags des Sieges 1945 am 9. Mai in Moskau fliegen. In den Tagen und Wochen davor traten jedoch technische Probleme auf, und die Maschinen blieben im Hangar.

Das russische Verteidigungsministerium dürfte die Stationierung der amerikanischen F-22 in Europa zum Anlass nehmen, die Serienproduktion nun beschleunigt anzugehen. Hier ein Video mit der T-50 bei der MAKS-Schau 2013.

Wiederaufnahme der Tu-160-Produktion?

Nach Aussage des russischen Luftwaffenchefs Viktor Bondarew sind beim diesjährigen Luftfahrtsalon alle russischen militärischen Fluggeräte einschließlich neuer Entwicklungen und historischer Maschinen zu sehen.

Zu den herausragenden Präsentationen gehört sicher der strategische Nuklearbomber Tu-160. Es ist die letzte sowjetische Entwicklung eines atomwaffenfähigen Überschallbombers. Die 1987 in Betrieb genommene, allein schon physisch beeindruckende Maschine mit dem NATO-Code Blackjack kann bei einer Höchstgeschwindigkeit von 2.000 Stundenkilometern bis zu zwölf nuklear bestückte Lenkwaffen (Cruise Missiles) mit sich führen. Die Reichweite beträgt 6.000 Kilometer; der Bomber kann dann die gleiche Entfernung ohne aufzutanken zurückfliegen. Hinzu kommen jeweils 2.000 Kilometer Reichweite der mitgeführten Lenkwaffen.

Insgesamt 16 Tu-160 der ersten Bauserie (bis 1990) sollen auch 2015 noch einsatzfähig sein. Seit einigen Monaten ist die Rede davon, die Produktion des Bombers nach 2020 wieder aufzunehmen. Die Einrichtung der Raketenabwehrkette PRO durch die NATO entlang der russischen Grenze senkt aus russischer Sicht die so genannte Zweitschlagskapazität (Begriff aus der atomaren Abschreckung) ihrer landgestützten Mittelstrecken- und Interkontinentalraketen. Aus diesem Grund setzt das Militär künftig stärker auf mobile U-Boote und Bomberflotten. Die Anschaffung 50 neuer TU-160 hat der Luftwaffenchef bereits in Aussicht gestellt. Hier ein Videovergleich der Tu-160 mit dem US-Pendant B-1B Lancer.

Video: Die MIG-31 beim Start mit Originalsound

Su-30 immer noch Exportschlager

Zwei weitere „Stars“ aus dem Arsenal der russischen Luftwaffe sind die Kampfflugzeuge Su-35 und MiG-31. Die Su-35, Vorläuferin der verspätet in Produktion gehenden T-50, ist nicht als Tarnkappenflieger ausgelegt, besitzt dafür jedoch eine größere Waffenkapazität und die gleiche, hoch entwickelte Bordelektronik. Ihre Vorgängerin Su-30 ist seit gut 20 Jahren mit Abstand das erfolgreichste Exportmodell unter den russischen Militärjets.

Die Su-35, von der 34 Maschinen als einsatzbereit geführt werden, wird kräftig weiter produziert. 14 Maschinen werden 2015 noch ausgeliefert, 48 neue Bestellungen stehen in dieser Woche bei der MAKS-Schau an. Ein Video mit der Su-35 unter strahlend blauem Moskauer Himmel.

Die seit 1981 geflogene MiG-31 (NATO-Code: Foxhound) ist in erster Linie für den Luftkampf bestimmt und mit einer Höchstgeschwindigkeit von fast 3.000 Stundenkilometern das Arbeitspferd bei der Bekämpfung feindlicher Bomber und Jäger. 130 Maschinen gehören zum Inventar und sollen nach einer grundlegenden Modernisierung noch bis etwa 2030 bei der Flotte verbleiben.

Hubschrauberfans können sich auf der MAKS-Schau für den schwersten, stärksten und größten je in Serie gebauten Hubschrauber der Welt begeistern: die noch in den 1970ern entwickelte Mil Mi-26 (NATO-Code: Halo). Die Transportkapazität ist beeindruckend: 70 Fallschirmjäger oder 80 Infanteristen oder bis zu 20 Tonnen Last. Die Höchstgeschwindigkeit beträgt 295 Stundenkilometer, die Reichweite 590 Kilometer voll beladen. Vor dem Absetzen von Truppen in einer Kampfzone werden Maschinengewehre an den Fenstern montiert.

(Bild: Pavel Vanka, CC BY-NC-ND 2.0 flickr.com)
Originalbeitrag erschienen auf: http://drwn.de/de/maks-flugsalon-im-zeichen-der-krise/