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Liberty Reserve gibt es nicht mehr: Zahlungsplattform geschlossen

Leonid Gurjanow Stimme Rußlands vom 31.Mai 2013

Die größte Internet-Bank der Verbrecherwelt hat das Zeitliche gesegnet. Die Interpol, das FBI und Strukturen der Staatsgewalt einer Reihe von Ländern haben das elektronische Zahlungssystem Liberty Reserve geschlossen.

Über dieses System sind etwa sechs Milliarden US-Dollar überwiesen worden. Die Gelder hängen mit einer ganzen Palette von Straftaten, von dem Drogenschmuggel bis hin zu Machenschaften mit Bankkarten, zusammen.

Einstweilen droht sieben Verdachtspersonen die Verantwortung für die Errichtung des zweifelhaften Systems. Fünf von ihnen sind inhaftiert worden. Die Dienstleistungen von Liberty Reserve, die in Kostarika ihren Sitz hat, nahmen mehr als eine Million Kunden, davon 200.000 in den USA, in Anspruch. Das Schema sah folgendermaßen aus: Das Kundengeld wurde an Wechselfirmen überwiesen, die in einer ganzen Reihe von Ländern ihren Sitz hatten. Dort wurden die Devisen in virtuelles Geld von Liberty Reserve konvertiert, und es ging auf die Konten dieses Systems ein.

In seinem Inneren vollzogen sich denn auch Transaktionen zwischen den Kunden, die so ganz verschiedene kriminelle Geschäfte abwickeln konnten. Die Inhaber von Liberty Reserve interessierte das nicht. Im AnSchluß daran wurde die virtuelle Währung über die gleichen Firmen in reales Geld umgetauscht. Um sich am Schema zu beteiligen, bedurfte es zwar einer Registrierung, doch prüfte niemand die Echtheit der Angaben.

Für die Anonymität und ihre Dienstleistungen kassierten die Schöpfer des Systems eine geringfügige Gebühr. Auf diese Weise wurden ganz verschiedene Käufe bezahlt, von den gestohlenen vertraulichen Daten bis hin zu Rauschgiftmitteln. Das System bestand 7 Jahre lang, doch erst jetzt kamen die Rechtsschützer dazu. Viktor Dostow, Vorsitzender des Direktorenrates der Assoziation „Elektronnyje Dengi“ (Elektronisches Geld), kommentiert:

„Es wurde wohl nicht als eine große Gefahr in Betracht gezogen. Denn es war de facto seit langem klar, womit sich Liberty beschäftigte. Alle sahen das und durften sie schon vor vielen Jahren schließen. Wohl deshalb befasste man sich mit ihr ohne Hast.“

Darüber hinaus waren die Begründer des Systems, Artur Budowski und Wladimir Kaz, beide Staatsbürger Kostarikas, wegen Geldüberweisung ohne einschlägige Lizenz gerichtlich belangt worden, kamen jedoch mit einer Bewährungsstrafe davon. Amerikanische Rechtsbehörden, die den neuen Fall kommentieren, heben das zunehmende Interesse der Unterwelt für virtuelle Währungen hervor. Übrigens sind solche Zahlungsmittel mit der ständigen Vergrößerung von Umfängen des legalen Internethandels auch von den gesetzesgehorsamen Nutzern immer mehr gefordert.

Der Skandal um Liberty Reserve dürfte das legale Business wohl kaum substantiell beeinträchtigen und eine Verschärfung der Spielregeln für alle nach sich ziehen. Die Geheimdienste verfügten über Mittel, um die kriminelle Tätigkeit im Internet zu unterbinden, es käme bloß darauf an, sich bei ihrem Einsatz nicht zu zaudern, sagt Viktor Dostow:

„Es gibt eine Regulierung, und man muß, sie adäquat anwenden. Die schwarzen Zahlungssysteme rücken nach und nach in die Vergangenheit, und nach einiger Zeit wird dieser Markt hinreichend transparent sein. Die Spielregeln sind ohnehin verständlich. Das wären das Verbot für die anonyme Überweisung höherer Beträge und das Verbot für den anonymen Geldabzug.“

Außer der Tätigkeit der eigentlichen elektronischen Zahlungssysteme gibt es einen weiteren Aspekt dieses Problems, nämlich die Regulierung der Tätigkeit von Finanzstrukturen, die als Vermittler in illegalen Transaktionen auftreten können, wie es im Falle mit Liberty Reserve auch gewesen ist. Solange es Gerichtshoheiten mit erleichterten Anforderungen an die Tätigkeit von Finanzeinrichtungen gibt, würde das Problem Schwarze Zahlungssysteme von Zeit zu Zeit entstehen, dessen ist sich Maxim Osadtschi, Leiter der analytischen Verwaltung der „BKF-Bank“, sicher:

„Solange dieses weit verzweigte System von Offshore-Zonen besteht, wird es unmöglich sein, dieses Phänomen zu bekämpfen. Man wird einzelne Strukturen vernichten können, doch insgesamt wird sich dieses System reproduzieren. Es kommt darauf an, zunächst das System von Offshore-Zonen zu liquidieren. Doch in der nächsten Zeit ist das natürlich unmöglich.“

Übrigens gibt es nichts Unmögliches, wie die Erfahrungen Zyperns lehren. Die USA und Europa, wo der Begriff „Bankgeheimnis“ allmählich der Vergangenheit anheim fällt, haben eine ernst zu nehmende Offensive gegen die Offshore-Zonen entfaltet.