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Künstlerin Danae Stratou im Porträt – Die Frau hinter Varoufakis

Text: Antje Stahl

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Danae Stratou ist Künstlerin. Und die Frau des griechischen Ex-Finanzministers Yanis Varoufakis. Nach dessen Rücktritt stehen die deutschen Medien Schlange bei ihm. Danae Stratou ist immer dabei. Eine Gratwanderung zwischen Politik und Kunst in Athen

Zur Begrüßung ein Küßchen, natürlich. Die Griechin nimmt ihre Gäste aus Deutschland herzlich in Empfang, was bleibt ihr auch anderes übrig. Seit etwas über zwei Wochen darf sie, Danae Stratou, wieder mit der Presse sprechen. Das Abenteuer ihres Mannes Yanis Varoufakis ist erst einmal überstanden. Alles, was sie nun sagt, kann nicht mehr gegen die Regierungspartei verwendet werden. Er ist nicht mehr Finanzminister. Er ist jetzt wieder Interviewpartner.

Sie ist mit dem Motorrad zum Hotel gefahren, in dem die deutsche Presse übernachtet, die sie treffen und kennenlernen will. Einmal geht es nicht um ihren Mann, sondern um sie: Danae Stratou, die Künstlerin. Sie kann das immer noch nicht glauben. Sie trägt enge, weiße Jeans und bronzenen Lidschatten, ihre Haare sind zu einer lustigen Welle aufgestellt, und sie ist viel kleiner als sie auf den Fotos wirkt, die wie aus Versehen von ihr in den vergangenen Monaten veröffentlicht wurden. Der Auftritt, den sie dabei hinlegte, gereichte ihr leider nicht immer zum Vorteil.

Bei manchen Auftritten trägt sie schwarz

Irre war natürlich die Abfahrt vom Parlament: Yanis Varoufakis legt sein Amt als Finanzminister nieder, läuft zu seinem Motorrad, wo seine Frau auf ihn wartet. Die Presse, so erzählt sie das, stürzt sich wie Hyänen auf ihn, reißt sogar seine Bodyguards mit sich. Ein, zwei, nein: drei Motorräder stürzen, nur sie erwischt gerade eben noch das Bike ihres Mannes und springt auf. Klick. Ein Bild für die Ewigkeit entsteht: Ein mit Helm maskierter Mann und seine blonde Frau retten sich vor den Lügen der Politik und brausen davon.

Yanis Varoufakis erreicht im AnSchluß seinen vorläufigen Karrierehöhepunkt, sein Gesicht ist überall, es werden sogar Witze unter Journalisten geRißen über den Overkill an Varoufakis. Seine Frau aber bleibt die rätselhafte Nebenfigur.

Sie muß für das französische Magazin “Paris Match” als schöne Gattin herhalten. Sie bringt den Journalisten Kaffee und Plätzchen (Spiegel 31/2015) oder füllt die Abwesenheit ihres geschäftigen Mannes mit ein paar Anekdoten. Jan Böhmermann beschreibt sie als “Playmate from the 80s”. Manchmal wird aus der blonden Muse mit den großen blauen Augen, die die britische Popband Pulp zu einem Song inspiriert haben soll, auch eine Amazone, die sich schützend vor ihren Mann stellt, wenn er von vermummten Anarchos auf der Straße angegriffen wird. Bei solchen Auftritten trägt sie Schwarz und die schönen Augen verschwinden hinter blau getönten Sonnenbrillengläsern. Diese schützen vor Blicken. Die Bilder aber florieren, ohne daß sie, die Künstlerin und Bildexpertin, Einflußdarauf hat. Wie merkwürdig muß das sein.

Die künstlerische Laufbahn führte sie nach Venedig

Der eigene Berufsweg führte sie, damals gerade Anfang 30, nach Venedig. 1999 gehörte sie, geboren 1964, zur Auswahl der Künstler, die ihr Land auf der wichtigsten Biennale repräsentierten durften. Endlich sollten einmal junge Frauen dabei sein, erzählt sie, und nicht nur alte Männer. Sie betitelte Magazine. Sie führte Interviews. Zwar gibt sie zu, daß sie aus heutiger Sicht lieber etwas Bedeutenderes ausgestellt hätte als diese Hommage an die Land-Art, das Wasser und die Architektur. Aber sie war jung und ihr politisches bewußtsein noch nicht so ausgeprägt. Das habe erst ihr Mann geschafft und die Gespräche über Politik, die sie verfolgte. Als Kind sei sie viel im Meer gewesen, auf den Inseln, sie sei auf Pferden geritten und mit 16 Jahren habe sie Tai-Chi entdeckt.

Ein Tai-Chi-Kämpfer taucht in einem ihrer Videos auf. Sie hat es 2005 vor dem Olympiastadion in Berlin gedreht. Zwar wirkt dieser tanzende Mönch vor dem Nazi-Bau irgendwie unbeholfen, aber die Auseinandersetzung mit der faschistischen Architektur muß ihr ein Anliegen gewesen sein, der Propaganda-Apparat der Nationalsozialisten, die Ästhetisierung von Politik, da ist man gleich beim Thema. Danae Stratou aber wollte mit dieser Arbeit an eine antike Weisheit erinnern: Heute habe Sport so viel mit Medizin zu tun, sagt sie. “Früher wußte man: Ein gesunder Geist lebt in einem gesunden Körper.” Viel mehr sagt sie nicht darüber.

Paparazzi machen ihr das Leben schwer

Es ist fast eine knappe Stunde vergangen, das Aufnahmegerät läuft, und gleich soll das Kamerateam einer Kultursendung kommen, trotzdem hat man den Eindruck, als wäre keine der Fragen vernünftig ‒ oder wenigstens “interessant”? ‒ beantwortet worden. Der Einstieg, “Wie erging es Ihnen, als die Banken schlossen?”, führt sofort in ihr Privatleben: Sie habe sich um Kinder auf einer Insel kümmern müssen und sei einkaufen gegangen in einem Supermarkt. 200 Euro sollten die Lebensmittel kosten, und die Verkäuferin habe nur gelacht, als sie zum Automaten gehen wollte. Sie habe Angst bekommen, schließlich könne man auf den Inseln nur selten mit Kreditkarte zahlen. Und auch eine Frage zum Referendum beantwortet sie mit einem Verweis auf ihre Familie: “Ich habe mit Nein gestimmt. Ich bin mir nur nicht sicher, ob meine Kinder daßelbe gewählt haben.” Danae Stratou ist nervös, das sieht man ihr an. Sie möchte, daß es um ihre Kunst geht und nicht um ihren Mann. Man möchte ihr diese Angst nehmen. Fast tut sie einem leid.

Sie erzählt von Paparazzi-Angriffen, ihre Familie wurde bis zu ihrem Haus auf der Insel verfolgt, es habe sogar Klagen gegeben, zugleich aber weiß sie, daß die Aufmerksamkeit ihr auch hilft. Gerade ist sie aus Portugal zurückgekehrt. Sie wurde von einer Biennale eingeladen, zwei ihrer Arbeiten zu zeigen. Auf der Eröffnung habe man sie mit großem Applaus empfangen, obwohl noch niemand ihre Werke gesehen habe. “Ich glaube”, sagt sie, “die Portugiesen können sich mit der Lage in Griechenland identifizieren und respektieren uns für unseren Mut, Widerstand zu leisten.” Es gab sogar Menschen, die mir ihr Selfies machen wollten, als sei mit ihr auch der Geist ihres Mannes Yanis Varoufakis anwesend.

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