Home / Kunst + Kultur / Kultur und Geschichte der Wikinger

Kultur und Geschichte der Wikinger

Wikinger Schiffsbestattung

Die Wikinger haben ihren Platz in der Geschichte als Seefahrer und Krieger mit einem Blick für Design und Talent beim Geschichtenerzählen verdient.

Das öffentliche Bild der Wikinger war über Jahrhunderte hinweg gut definiert. In jüngerer Zeit entstanden aus diesem Bild sogar zahlreiche Comics, in denen Helme mit Hörnern, Berserker, Langboote, Walhalla und der einäugige Gott Odin dargestellt wurden, sowie Männer, die mit dem Schwert in der Hand starben oder aus Totenschädeln tranken.

Die Wikinger waren plündernde und tötende Piraten, die Angst und Schrecken entlang der europäischen Küsten verbreiteten. Doch ihr posthumer Ruf ist nicht ganz fair, denn sie waren nicht nur rücksichtslose Krieger, sondern auch begabte Händler, Verwalter und Kunsthandwerker, die es verstanden, aus Metall und Holz wunderschönen Schmuck und andere Kunstgegenstände zu fertigen. Sie zählten zudem zu den besten Geschichtenerzählern in ganz Europa, und ihre nordischen Sagen faszinieren auch heute noch ein breites Publikum.

Langboote

Im Mittelalter herrschten in Norwegen schlechte Bedingungen für die Landwirtschaft. Die Wikinger verstanden es, Transporte auf dem Wasserweg vorzunehmen. Über die Fjorde konnten sie Transporte bis weit ins Landesinnere bewerkstelligen. Ihre Langboote waren schmale und leichte Holzboote, die über einen flachen Rumpf verfügten, der für hohe Geschwindigkeiten und einfaches Navigieren in flachem Wasser ausgelegt war. Sie waren leicht genug, um getragen werden zu können. Außerdem waren die Boote so konstruiert, daß sie in beide Richtungen fahren konnten, was ein Wenden überflüssig machte. Das war ein großer Vorteil, denn die Wikinger bewegten sich mit ihren Booten häufig in Meeresteilen voller verdeckter Eisberge und Treibeis. Die Langboote verfügten zudem über Ruder, die nahezu über die gesamte Länge des Bootes angebracht waren, bei späteren Versionen konnte die Ruderleistung mit Segelkraft kombiniert werden. Bei guten Bedingungen konnte ein Langboot unter Segel eine Geschwindigkeit von bis zu 15 Knoten erreichen.

Dies ermöglichte Entdeckungsreisen, Handel und Überfälle auf Küstenstädte und Siedlungen in ganz Europa. Die Reisen begannen in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts und erstreckten sich von Grönland im Westen bis zum Kaspischen Meer im Osten. Anfangs waren es nur wenige Boote, doch die Flotten wuchsen, bis schließlich Hunderte von Langbooten nach England, Schottland, Frankreich und Irland segelten.

Mutige Wikinger

Wie war es möglich, daß ein solch kleines und verstreut lebendes Volk so große Gebiete erobern konnte? Die norwegischen Wikinger waren mutig, schlau und verfügten über ein furchteinflößendes Erscheinungsbild.

Die Truppen der Wikinger schienen erstaunliche Fähigkeiten zu besitzen, größere Verluste zu vermeiden, sowohl im Kampf als auch auf gefährlichen Seereisen. Im Jahre 844 fielen jedoch viele Wikinger im Kampf gegen König Ramiro im Norden von Spanien. Ein paar Monate später erreichte eine weitere Flotte Córdoba und wurde von Emir Abd al-Rahman II gejagt. Dabei erlitten die Wikinger weitere schwere Verluste: 500 Männer starben, 30 Schiffe verbrannten. Doch schon ein paar Jahre später kamen die Wikinger wieder, um die Balearen und Norditalien anzugreifen. Laut der angelsächsischen Chronik verloren die Wikinger im Jahre 876 rund 4.000 Mann und 120 Schiffe in einem großen Sturm vor der südenglischen Küste. Es gab auch zahlreiche Machtkämpfe zwischen dänischen und norwegischen Wikingern – vor allem in Irland, wo die Verluste sehr hoch waren. Trotzdem blieb ihr Appetit auf Eroberung und Erkundung bestehen.

Die Wikinger waren nicht nur mutig, sondern hatten zudem einen recht dunklen Humor, der sich auch in den zahlreichen Sagas wiederfindet. Die Fähigkeit, auch im Angesicht des Todes und der Gefahr noch lachen zu können, erklärt ihre Widerstandsfähigkeit im Kampf und auf zukunftsweisenden Seereisen in ferne Länder. Eines der charakteristischen Merkmale der altnordischen Dichtungen, Legenden und Sagen ist ein grimmiger Galgenhumor. Es ist in der Regel ein schlechtes Zeichen, wenn jemand in einer Wikinger-Saga einen Witz reißt, und die Geschichten enthalten mehr Witze, als Sie vielleicht denken.

Städte und Kolonien

Die Wikinger gründeten eine Vielzahl von Städten und Kolonien, einschließlich Dublin und der Normandie. Dublin wurde als eine große Siedlung über mehr als drei Jahrhunderte gehalten. Zwischen den Jahren 879 und 920 kolonisierten die Wikinger Island, das wiederum zum Sprungbrett für die Besiedelung Grönlands wurde. Die Wikinger erreichten auch Nordamerika, und in einer Wikingersiedlung in L’Anse aux Meadows in Neufundland wurden Kohlereste gefunden, die ungefähr auf das Jahr 1000 datiert werden konnten.

Während des elften Jahrhunderts wurden die Wikinger durch innere Unruhen geschwächt. Zur selben Zeit wurden viele europäische Länder stärker und dadurch für die Wikinger zu schwierigeren Zielen.

Die Wikingerzeit endete mit dem Fall von Harald Hardråde, als dieser im Jahre 1066 erfolglos versuchte, England zu erobern.

Erleben Sie die Wikinger

Über das Leben der Wikinger vor rund tausend Jahren ist vieles bekannt. Auch heutzutage ist es möglich, hautnah zu erfahren, wie das Leben der Wikinger aussah. Im Lofotr Wikingermuseum wurde ein traditionelles Langhaus der Wikinger nachgebaut, außerdem finden dort Wikingerfeste und andere Veranstaltungen statt, bei denen Sie einen Eindruck von der Lebensweise der Wikinger bekommen können. Auf dem Vefsnfjord in Nordnorwegen können Sie versuchen, ein Wikingerschiff zu segeln, und in Oslo können Sie die Originale sehen.

Werfen Sie einen Blick auf die Top 5 der Wikinger-Abenteuer in Norwegen.