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Klima: Auf dem Weg zu neuen Temperaturrekorden

Wolfgang Pomrehn 20.05.2015

Die Energie- und Klimawochenschau:

Von steigenden Temperaturen, ungeliebten Endlagern und Einträgen ins Guinness-Buch der Rekorde. Der April war im globalen Maßstab mal wieder einer der wärmsten Monate seit Beginn der Aufzeichnungen. In den Daten des Goddard Institute for Space Studies der NASA gibt es nur für den April 2014 und den April 2010 einen höheren Wert. Auch sonst gab es bisher wenig Monate, die wärmer als der zurückliegende April waren.

Unter den wenigen sind allerdings die drei Vormonate, von denen jeder für sich ein Rekordkandidat war. Insgesamt lag die global gemittelte Temperatur bisher in jedem einzelnen Monat des neuen Jahres deutlich über dem Durchschnitt des Vorjahres, das wiederum das bisher wärmste in der Geschichte der Temperaturaufzeichnungen war.

Verläßliche, halbwegs den ganzen Globus erfassende Messungen der Lufttemperatur unter genormten Bedingungen gibt es seit etwa 1880, aber auch in den aktuellen Daten sind die hohen Breiten nur sehr schlecht erfasst. Wie berichtet gibt es daher wissenschaftler, die meinen, die globale Erwärmung sei in den letzten 15 Jahren unterschätzt worden, weil sich die Arktis weit überdurchschnittlich verändert hat, aber in den entsprechenden Datensätzen nicht vollständig erfaßt ist.

Jedenfalls sieht es im Augenblick ganz danach aus, als könnte 2015 erneut ein Rekordjahr werden. Dafür spricht auch, daß sich im tropischen Pazifik inzwischen ein El-Niño-Ereignis entwickelt hat, bei dem sich die Oberflächentemperatur zwischen Indonesien und der Küste Lateinamerikas spürbar erhöht. Jahre, in denen dieses großräumige, meist für einige Monate anhaltende Wetterphänomen auftritt, gehören im globalen Maßstab zu den wärmeren. Das liegt unter anderem daran, daß die Meere in dieser Zeit weniger Wärmenergie von der Atmosphäre aufnehmen.

Die unendliche Atommüll-Geschichte

Mit Merkels Ausstieg aus dem Ausstieg aus dem Ausstieg ist es relativ still um das deutsche Atomprogramm geworden. Jedenfalls in der bundesweiten Öffentlichkeit. Es scheint der Eindruck vorzuherrschen, alles sei geklärt, der Ausstieg aus der Atomwirtschaft sei auf dem besten Wege.

Ein Blick ins Detail zeigt allerdings, daß das mitnichten der Fall ist: Viele Atomanlagen wie Forschungsreaktoren, Brennelementfabriken und ähnliches sind etwa von dem BeSchluß gar nicht erfasst. Dazu gehört übrigens auch der mit hochangereichertem Uran arbeitende Reaktor in Garching bei München. Der Iran wird seit Jahren wegen ähnlicher Anlagen von den NATO-Staaten und ihren Verbündeten massiv unter Druck gesetzt, aber in Deutschland scheint sich keiner daran zu stören. Schließlich zeigt Berlin ja immer wieder mit seiner Beteiligung an den Angriffskriegen der USA, Bombenanschlägen auf afghanische Zivilisten und den Umgang mit Flüchtlingen, daß es felsenfest den westlichen Werten verpflichtet ist.

Aber das ist nur ein Aspekt der unendlichen Atom-Geschichte. Ein anderer ist der Atommüll, dessen endgültige Lagerung nach wie vor vollkommen ungeklärt ist. Dabei gehörte doch eine gesicherte Entsorgung von Anbeginn an zu den Voraussetzungen der Betriebsgenehmigungen für die Atomkraftwerke (siehe auch “Die Entsorgung muß und wird zügig verwirklicht werden”).

“Ungeklärt” ist dabei sogar noch eher ein Euphemismus, besser würde passen, von einem Entsorgungsnotstand zu sprechen. In Brunsbüttel rosten die Atommüllfässer vor sich hin, im Endlager für schwach- und mittelaktiven Atommüll in Asse sickert seit Jahren Wasser ein, das den Salzstock angreift (Unglaubliche Zustände in Atomendlagern), und nun scheint auch noch fraglich, ob der Atommüll dort wie geplant wieder herausgeholt werden kann.

Die Zeitung Welt am Sonntag berichtete, eine Probebohrung der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe habe ergeben, daß ein dafür benötigter Schacht nicht an der vorgesehenen Stelle gegraben werden könne. Das Problem sei, daß dies nach Aussagen des Endlagerbetreibers der einzige mögliche Standort sei. Alle anderen in Frage kommenden Positionen seien wegen anderer Bergbauanlagen oder instabiler Gesteinsschichten ungeeignet.

Im Februar 2013 war in einem Bundesgesetz die Rückholung der rund 126.000 Fässer aus dem eigentlich als Endlager konzipierten Salzstock fixiert worden. Allerdings müssen neben den Atommüllfässern auch Leichenreste, Tierkadaver, Plutonium und Giftmüll aus dem Berg geholt werden. Und daneben noch eine unbekannte Menge radioaktiver Lauge, die sich zwischenzeitlich gebildet hat oder aus Fässern ausgetreten ist.

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