Home / Specials / Das Interview / Journalist Milovan Drecun: US-Raketenangriff auf chinesische Botschaft in Belgrad war geplant

Journalist Milovan Drecun: US-Raketenangriff auf chinesische Botschaft in Belgrad war geplant

Stimme Rußlands 21.April 2013

Der Serbische Journalist Milovan Drecun in einem Exklusivinterview mit dem Korrespondenten der STIMME RUSSLANDS Konstantin Katschalin.
War der Raketenagriff auf die chinesische Botschaft in Belgrad ein fataler Fehler von Piloten und Strategen des US Verteidigungsministeriums?

Wie die USA behaupten, geschah dieser Angriff aus Versehen. Das Kommando soll alte Stadtpläne von Belgrad gehabt haben, die beim Erarbeiten der Operation benutzt wurden.

Zum einen war das Gebäude der chinesischen Botschaft 1999 jedoch das einzige. Daneben befand sich nichts. In die alten Karten konnte dieses Objekt also nicht eingetragen werden. Es geht um eine fantastische Lüge der US-Politiker.

Zum anderen gab es im Neuen Belgrad weder Militäranlagen, noch Waffen oder Polizeistationen. Ich glaube, daß die Botschaft Chinas im voraus und mit bestimmten Zielen gewählt worden war. Man vermutete vielleicht, daß sich jemand aus der serbischen Regierung zu der Zeit im Gebäude befinden konnte. Es handelt sich aber wahrscheinlich um eine geplante Aktion, die der Welt die Macht der Nato und der USA demonstrieren sollte.

Es war eine durchdachte Provokation, die folgenderweise interpretiert werden kann: Die chinesische Regierung soll sich nicht einmischen und Serben verteidigen. China kann auch angegriffen werden, wenn die Regierung des Landes nicht gehorcht. Es ist zu beachten, daß jede Botschaft weltweit über eine diplomatische Unverletzlichkeit verfügt und das Eigentum des Landes ist, das sie vertritt. Dies war also eine Warnung für Chinesen. Die Operation wurde voraussichtlich durch die höchsten Beamten der US-Regierung in Washington gebilligt.

Wie lange bereiteten sich Brüssel und Washington auf den Luftkrieg gegen Serbien und Montenegro vor?

Die Militärziele der Nato wurden bei den Verhandlungen in Rambouillet Anfang 1999 bestimmt. Madeleine Albright versuchte damals einen Vertrag über die Kontrollübernahme über den Kosovo durch die Nato durchzusetzen. Belgrad sollte seine Truppen und Polizei aus dem Kosovo für drei Jahre abziehen und den Albanern das Recht auf die Selbstverwaltung geben. Danach sollte der Kosovo ein Referendum über den Austritt aus Serbien durchführen und sich zu einem souveränen Staat erklären.

Die Delegation der Bundesrepublik Jugoslawien lehnte diesen Vertrag jedoch ab. Man begann Bombenanschläge, um unsere Armee zu schwächen, in erster Linie im Kosovo und in Metochien. Dann plante man mit Unterstützung von Albanern und der UÇK, in den Kosovo von Mazedonien her einzumarschieren und die Kontrolle über die Region zu übernehmen. Man wollte möglichst viele unsere Soldaten und Offiziere töten, darum wurden Kassettenbomben und abgereichertes Uran eingesetzt. Unsere Truppen kämpften aber erfolgreich gegen diese Aggression, die Militärverluste waren sehr gering, unsere Artilleriewaffen, Panzer und Flugzeuge wurden nur leicht beschädigt. Bewegliche Ziele trafen sie fast überhaupt nicht. Sie konnten unsere Militärs, die sich außerhalb der Kasernen in den Bergen, Bunkern, Tunneln aufhielten, nicht entdecken.

Im Kosovo und in Metochien wurden 480 Panzer der jugoslawischen Volksarmee stationiert, nur sieben von ihnen wurden durch die Nato zerstört, vernichtet wurden auch einige Schützenpanzerwagen, sechs Haubitzen, einige Dutzend Granatwerfer. Im Kosovo verloren wir also nur zwei Prozent unserer Waffen. Im Korps von Priština starben bei Bombenanschlägen 164 Menschen. Insgesamt kamen über 500 unserer Soldaten bei den Kampfhandlungen gegen Terroristen  der UÇK ums Leben.

Die Nato erreichte ihr Ziel nicht. Die Militärwaffen blieben bei uns, die Menschenverluste waren minimal, und der Korps verhinderte die Einmarschierung der UÇK-Truppen in unser Territorium aus Albanien. Als wir den albanischen Kämpfern diesen starken Schlag versetzten, startete die Nato die Verhandlungen mit Milošević. In Belgrad trafen damals Ahtisaari und Tschernomyrdin ein.

Was bedeutete für Sie persönlich die Nato-Aggression gegen das Land, gegen das fast ganz Europa und die USA den Krieg erklärt hatten?

Was mich und meine Familie angeht, sind unsere slawischen Seelen durch die Nato stark verletzt. Unsere Verbündeten im zweiten Weltkrieg, mit denen wir zusammen gegen Hitler gekämpft hatten, bombardierten Serbien nur aus dem Grund, daß es sein Territorium, seine Souverinität verteidigte, gegen den Terrorismus kämpfte. Die USA, ein der stärksten Länder der Welt, die dem Terrorismus weltweit Widerstand leisten, unterstützen diesmal gerade den Terrorismus. Wir sind von den USA, der Nato und der EU enttäuscht. Wir wurden ohne UN-Sanktion angegriffen, Serbien war Opfer. Ich halte es für ein Verbrechen, das weder rechtfertigt  noch vergessen werden kann.