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Zuismus: Islands neue Pay-Back-Religion

Demo in Reykjavik: Zwar ging es bei diesen Protesten nicht um Kirchensteuer, sondern dem Umgang der Politik mit der Finanzkrise. Was die Form ihres Widerstands angeht, sind die Isländer aber immer noch sehr kreativ

Demo in Reykjavik: Zwar ging es bei diesen Protesten nicht um Kirchensteuer, sondern dem Umgang der Politik mit der Finanzkrise. Was die Form ihres Widerstands angeht, sind die Isländer aber immer noch sehr kreativ

Im 330.000 Einwohner-Staat Island findet derzeit eine kleine Religion massiven Zulauf: der Zuismus. Dass die Glaubensrichtung, die angeblich sumerische Götter verehrt, so einen Run verzeichnet, dürfte allerdings weniger an einer Begeisterung für mesopotamische Gottheiten liegen – eher an den weltlichen Vorstellungen der isländischen Gründer.

Diese wehren sich nämlich dagegen, daß Religionen in Island mehr Rechte zugestanden werden als anderen Organisationen. Deshalb wollen sie ihren Anhängern die gezahlte Kirchensteuer rückerstatten, die in Island ähnlich wie in Deutschland automatisch vom Staat eingezogen und einmal im Jahr ausgeschüttet wird.

Steuer-Rückerstattung als Religionsprinzip

Das Angebot stößt in dem Inselstaat auf begeisterten Zulauf. Mehr als 3100 Menschen – fast ein Prozent der isländischen Bevölkerung – sind der neuen Payback-Religion laut Pressebereichten in den vergangenen Wochen beigetreten. Seit Oktober liegt der Zuwachs demnach bei mehr als 6000 Prozent, rechnete eine isländische Nachrichtenseite aus.

Sollte die politisch-religiöse Protestbewegung, die explizit für Religionsfreiheit, aber gegen die staatliche Registrierung der Religionszugehörigkeit eintritt, erfolgreich sein und tatsächlich eine Gesetzesänderung erreichen, dürfte das allerdings das Ende des isländischen Zuismus sein.

Denn, so die Organisation auf ihrer Seite: “Sind die Ziele erreicht, wird die religiöse Organisation des Zuismus aufgelöst”. Finanzielle Dinge und Verwaltungsaufgaben regelten ein Anwalt beziehungsweise eine Wirtschaftsprüfungskanzlei.

In der Politik ist man von den Religionsprotestlern indes wenig begeistert. So rief ein Vertreter der aktuell den Ministerpräsidenten stellenden Fortschrittspartei die Partei auf, ihren Religions-Status aufzugeben.
Schließlich gehe es den Anhängern nur um politische Ziele oder ihren eigenen finanziellen Vorteil. Laut einer von der Reykjaviker Zeitung “Grapevine” veröffentlichten Gallup-Umfrage ist allerdings die Mehrheit der Isländer für eine Trennung von Staat und Religion.

International stößt das Phänomen Zuismus, über das mittlerweile in einer ganzen Reihe von Ländern berichtet wurde, auf Begeisterung. Ob man auch als Ausländer den Zuisten beitreten könne, fragte kürzlich ein Twitter-Nutzer. Momentan sei leider noch kein mesopotamischer Tempelturm gebaut, ließ man ihn wissen. Und angesichts der zu erwartenden Kosten dürfte es damit wohl auch nichts werden. Aber er könne sich gerne schon einmal dessen – theoretische – Location angucken – den von vielen Isländern ob seiner Hässlichkeit ungeliebten Flughafen von Reykjavik.

Zuerst erschienen auf: http://www.manager-magazin.de/politik/europa/zuismus-islands-neue-pay-back-religion-a-1066923.html

Die neue religiöse Organisation des Zuismus sorgt derzeit in Island für Aufsehen. Nach Aussage der Organisation handelt es sich dabei um eine gesellschaftliche Plattform, welche die Religion der Sumerer ausüben möchte.

In nur zwei Wochen ist die Zahl der Mitglieder auf über 1000 gestiegen, sie beträgt derzeit 1124, damit ist Vísir zufolge der Zuismus die achtgrösste Religionsgemeinschaft in Island.

Insgesamt gibt es 45 registrierte Religionsgemeinschaften im Land, und jede einzelne erhält finanzielle Unterstützung durch die Regierung. Der Haushaltsentwurf für das kommende Jahr sieht jährlich 11.000 ISK (78 EUR) pro Mitglied vor. Die Gemeinschaft der Zuisten hat sich verpflichtet, die jährliche finanzielle Unterstützung an ihre Miglieder auszuzahlen. Kritiker werfen den Anhängern vor, sich in der Gemeinschaft nur zu registrieren, um die 11.000 ISK einstreichen zu können.

Arnór Bjarki Svarfdal Arnarson, einer der Gründer der Organisation, bezeichnet es jedoch als Ziel der Zuisten, auf das veraltete und ungerechte sogenannte Kongregationssystem aufmerkam zu machen.

“Wir unterstützen von ganzem Herzen das Recht der Leute, ihre Religion auszuüuben, aber wir möchten nicht, daß sie das durch den Staat praktizieren, oder daß der Staat religiöse Organisationen finanziell unterstützt.”

“Die Gemeinschaft der Zuisten möchte, daß religiöse Gemeinschaften rechtlich in die gleiche Kategorie fallen wie andere Organisationen. Wenn das Gesetz entsprechend geändert werden kann und die Regierungsunterstützung oder die Privilegien für religiöse Gemeinschaften wegfallen, dann ist unser Ziel erreicht,” sagt Arnór Bjarki. “Dann werden wir uns auflösen.”

Stefán Bogi Sveinsson, Stadtratsmitglied der Progressiven Partei im ostisländischen Bezirk Fjlótsdalshérað, ist der Ansicht, daß die Leute die sich als Zuisten registriert hätten, überhaupt keine Idee davon hätten, was ihre religiöse Überzeugung oder Weltanschauung eigentlich sei. Er unterstellt, “ihr Ziel ist zweierlei: entweder das Geld einstecken oder gegen die derzeitige Gesetzgebung für religiöse Organisationen und Weltanschauungsgemeinschaften zu protestieren.”

Stefán betont, daß er den Wunsch, gegen das Gesetz zu protestieren, durchaus verstehe und “als solches betrachtet, gehört das Auftreten der Sprecher der Zuisten zum erfolgreichsten, was ich je gesehen habe.”

Seiner Ansicht nach ist die Organisation jedoch nicht religiöser Natur, sondern eine, die eine bestimmte Art von Gesetzgebung ändern möchte. Sie könnten doch nicht erwarten, daß ihre Organisation als religiös eingetragen wird, findet er.

Beitrag erschienen auf: http://icelandreview.com/de/news/2015/12/03/kontroverse-um-zuismus