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Island macht ernst: Banker-Elite zu 74 Jahren Haft verurteilt

Erfolg unorthodoxer Antworten auf die Krise

Ironischerweise scheint das auch der IWF so zu sehen. Nachträglich. Auf einen IWF-Kredit von 10 Milliarden Dollar war nämlich auch Island angewiesen, um im chaotischen ersten Jahr nach dem Crash nicht bankrott zu gehen. Worauf Reykjavík aber peinlich achtete, waren die Bedingungen, auf die man sich einließ. Das Sozialsystem mußte zwar abgehobelt werden, aber der Kern blieb intakt. IWF-Ansinnen eines allzu radikalen Kahlschlags lehnte man ab.

„Was soziale Gerechtigkeit angeht, stehen wir in allen internationalen Vergleichen weiterhin ganz oben“, konnte Ministerpräsidentin Jóhanna Siguršardóttir zum Jahreswechsel 2012 bilanzieren. Da hatte man alle IWF-Auflagen erfüllt. Was der Währungsfonds offenbar so beeindruckend fand, daß er dem links-grünen Finanzminister Steingrímur J. Sigfússon das Angebot machte, IWF-Hauptverantwortlicher für einen anderen Schuldenstaat zu werden – Griechenland. Was dieser allerdings ablehnte.

Island wandelte sich in Rekordzeit vom vermeintlichen Paria und abschreckenden Beispiel dafür, wie man Märkte und Finanzinstitutionen nicht provozieren sollte, zum weithin gelobten Vorbild. Als die Ratingagentur Fitch die Bonität Islands 2012 heraufstufte, begründete das die Ratingagentur explizit mit „dem Erfolg unorthodoxer Antworten auf die Krise“. Aus einem Negativwachstum von 7 Prozent 2009 war drei Jahre später ein Plus von knapp 3 Prozent geworden. Womit man deutlich über dem der Eurozone lag. Die Isländische Krone hat sich nun mit einem Minus gegenüber Euro und Dollar von 25 bis 30 Prozent gegenüber Vorkrisenzeiten stabilisiert. Die Arbeitslosenrate liegt bei 4 Prozent, und Inflation ist kein Thema mehr.

Kapitalverkehrskontrollen eingeführt

Zwar traf die Abwertung der Krone zunächst weite Teile der Bevölkerung hart – auch wenn dieser Effekt etwas abgefedert wurde durch eine höchstrichterliche Entscheidung, die an Auslandswährungen gebundene Kredite nachträglich kurzerhand für ungesetzlich erklärte. Und es mußten Kapitalverkehrskontrollen eingeführt werden, um Kapitalflucht zu verhindern. Dafür half die schwache Währung der Exportwirtschaft. Export heißt in Island vorwiegend Fisch. Und der ging unbeeindruckt vom Finanzcrash auch weiterhin reichlich in die Netze und ist weltweit gefragt.

Die eigene Währung – selbst wenn sie erst einmal schlagartig an Wert verlor – beschleunigte nicht etwa den Untergang, sondern war entscheidende Voraussetzung für die Rettung. Könnte das nicht vielleicht „Inspirationsquelle“ für südeuropäische Euroländer sein, fragt Finn Østrup, Finanzwirtschaftsprofessor an Dänemarks Copenhagen Business School. Beispielsweise für Griechenland?

Islands Staatspräsident Ragnar Grimsson hat noch einen anderen Tip für verschuldete Länder: „Nicht auf die Finanzmärkte hören, sondern auf das Volk.“

Originalbeitrag erschienen auf: http://www.pravda-tv.com/2015/07/wie-island-die-krise-ueberwand-fuenfmal-schlimmer-als-griechenland/

Siehe dazu auch :

Rede des Isländischen Statsministers Sigmundur David Gunnlaugsson (Deutsch, Norwegisch, Englisch)

redegunnbanner

Am 17. Juni, feierte Island seinen Nationalfeiertag. Aus diesem Anlaß hielt der Isländische Statsminister (Kanzler), Sigmundur David Gunnlaugsson, folgende Rede

Isländer sind als Nachkommen der Wikinger sehr individualistisch und haben Mühe bei der Akzeptanz von Autorität oder gar Unterdrückung.
Dies zeigt sich deutlich am Fall Icesave, wo das Volk einen für Island unzumutbaren Deal abgelehnt hat!
Dieser Volksentscheid wurde später durch ein internationales Gerichtsurteil bestätigt, was den Menschen in Island bestätigte, daß ihr Gefühl ein zuverlässiger Führer war. Ohne sich von den diversesten Drohungen von allen Seiten einschüchtern zu lassen, hat das Volk von Island diese klare Position bezogen.

Das Ergebnis davon ist, daß die Menschen in ganz Europa, das derzeit von einem beispiellosen wirtschaftlichen Abschwung beherrscht wird, sich Island zum Vorbild erheben. Sie beobachten, was wir hier tun und wir werden versuchen, ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Wir Isländer wollen an der internationalen Zusammenarbeit der Welt teilnehmen, unsere Erfahrungen, unser Wissenund unsere Stärke teilen, aber auch von den Stärken anderer zu lernen und sie für uns zu nutzen.
Auf der andreren Seite werden wir nicht zulassen, daß eine internationale Organisation uns vorschreibt, nicht mehr für isländische Familien tun zu können, während sie uns ihre Art der Lösungen für nach dem aus ihrer Sicht unvermeidlichen Wirtschaftlichen Zusammenbruch diktieren wollen.

Es war das Vertrauen der Isländischen Volkes in sich selbst, das unser Wohlergehen gerettet hat.
Weiterlesen: http://magazine.tnn-online.net/blog/rede-des-islandischen-statsministers-sigmundur-david-gunnlaugsson/