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Im Gleichschritt, Marsch – Deutsche Truppen an der Grenze zu Ostpreußen

Die Entscheidungen sind gefallen. Vier Bataillone NATO-Truppen, darunter ein deutsches Bataillon, werden in den Baltischen Staaten stationiert. Das deutsche Bataillon wird in Litauen disloziert, also direkt an der Grenze zu Ostpreußen.

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http://kaliningrad-domizil.ru/portal/information/-mit-deutschem-akzent-/im-gleichschritt-marsch—deutsche-truppen-an-der-grenze-zu-ostpreuen/

Die Einleitung zu diesem Artikel zeigt schon, daß ich mich um die Formulierung „… deutsche Truppen an der sowjetischen … äh, russischen Grenze“ gedrückt habe, denn es steht zu befürchten, daß sich die Älteren unter unseren Lesern daran erinnern, daß wir diese Situation schon einmal hatten – am 22. Juni 1941.

Allerdings ging es damals nicht um ein Bataillon mit tausend Soldaten, sondern um 153 Divisionen in einer Personalstärke von drei Millionen Waffenträgern. Und dieses „Unternehmen“ begann auf den Tag genau heute vor 75 Jahren und endete mit der Unterschrift eines uniformierten deutschen Entscheidungsträgers am 8./9. Mai 1945, der dann wiederum ein Jahr später am Galgen in Nürnberg endete.

Heute steht nun fest, daß sich Geschichte wiederholt.

Es wurde beschlossen, daß wieder deutsche Truppen an der Grenze zu Rußland aufzumaschieren haben. Lassen Sie uns jetzt nicht über das „Rotationsprinzip“ für diese NATO-Truppen reden und wie die Russen da mal wieder ausgetrickst werden, ähnlich wie 1990, als man den Russen versprach, daß sich die NATO nicht in Richtung Osten ausdehnen wird. Die Russen haben längst verstanden, wie die westlichen „Partner“ ticken und reagieren darauf.

Eine der Reaktionen der Russen findet in Kaliningrad statt.

Kaliningrad war mal eine Militärbastion – bis 1990. Dann wurde rasant entmilitarisiert. Auf Schritt und Tritt konnte man, sowohl in der Stadt, wie auch im Gebiet, leerstehende Kasernen und ausgeschlachtete Militärtechnik sehen.

Foto: Ehemaliges Militärobjekt im Norden der Stadt Kaliningrad im Jahre 2015

Foto: Ehemaliges Militärobjekt im Norden der Stadt Kaliningrad im Jahre 2015

Und diese Demilitarisierung ab 1991 erfolgte nicht nur in Kaliningrad, sondern die russische Armee degradierte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem Haufen undisziplinierter und schlecht ausgebildeter Landeskinder. Der damalige russische Präsident Jelzin war mit anderen Dingen beschäftigt und wie mir scheint, war Jelzin eigentlich das größte Schreckgespenst für die NATO und Putin ist heute für die NATO ein einziger Glücksfall.

Erinnern wir uns kurz: die NATO wurde 1949 gegründet und der Warschauer Pakt 1955.

Im Laufe der Geschichte entwickelte sich der Warschauer Pakt zum Haupt- und eigentlich einzigen Gegner der NATO. Dann hörte dieser Pakt im Jahre 1991 auf zu bestehen und die NATO hatte plötzlich keinen Gegner mehr. Damit brach nicht nur eine Motivationskrise bei den westlichen Militärs aus, sondern überhaupt war die NATO in ihrer Existenz bedroht. Und wenn man die NATO nicht zu einer ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) degradieren wollte, mußte möglichst schnell ein neuer, solider Gegner gefunden werden. Jelzin war mit seinen besoffenen Auftritten vor Mitgliedern des Weißen Hauses in den USA nicht sehr hilfreich – er entwickelte sich zu einem echten Existenzrisiko für die NATO.

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Foto: Drei Deutsche, gefallen für NATO, Volk und Vaterland – gefallen außerhalb Deutschlands

Man zwang damit Rußland zu reagieren und egal wie Rußland reagiert – als Sieger geht immer die NATO hervor. Die NATO hat also das gesteckte Ziel erreicht, es besteht keine Existenzbedrohung für den „Arbeitgeber NATO“ mehr – äh, es sei denn, der böse Russe greift wirklich an.

Und damit der Russe von diesen angeblichen Angriffsplänen abgeschreckt wird (auch ein NATO-General will nicht auf dem Feld der Ehre sterben), setzt man das Prinzip „Bewegung ist alles, das Ziel ist nichts“ um und stationiert an vorderster Front, also an der ostpreußischen Grenze, vier Bataillone – davon 1.000 deutsche Soldaten gleich in der ersten Staffel – wohl wissend, daß diese sowieso nichts ausrichten, weder in Friedens- noch in Kriegszeiten.

Sie meinen, ich übertreibe? Natürlich übertreibe ich ein wenig zum Umfang möglicher Kampfhandlungen – warum auch nicht, denn die NATO tut dies ja auch.

Die NATO hätte gar keine Chance gegen die Russen – sagt die NATO selber. Die amerikanische „Denkfabrik RAND“ hat analysiert, daß Rußland maximal 60 Stunden benötigt, um das ganze Baltikum einzunehmen – mit anderen Worten, der böse Iwan wird die tausend Fritzen an der ostpreußischen Grenze zwischen zwei Wodkas runterschlucken – Sakuska (Vorspeise) sozusagen. Denn, so die Militärspezialisten der NATO, durch das Militärpotenzial welches in Kaliningrad stationiert ist, können die Russen alles vom Himmel holen was Richtung Osten fliegt und sich über dem Baltikum und Polen befindet. Und die russische Flotte im ostpreußischen Pillau blockiert den Seeweg. Die jetzt stationierten vier NATO-Bataillone sind also ein zum Tode verurteiltes Kommando, denn die Vorratslager, die die Amerikaner für Technik, Bewaffnung und Ausrüstung überall im Baltikum und Polen anlegen wollen um eben diese Luft- und Seeblockade der Russen zu neutralisieren, sind natürlich Erstschlagziele für die russischen Katjuschas – logisch, oder?

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Was hat also Deutschland davon, daß es tausend Landeskinder an die Ostfront schickt?

„Außer Spesen nichts gewesen“, möchte ich einen deutschen Spruch zitieren. Naja, Rußland ist natürlich verschnupft und das deutsch-russische Verhältnis wird sich weiter verschlechtern. Das wiederum freut die Amerikaner, die ein gutes deutsch-russisches Verhältnis fürchten, wie der Teufel das Weihwasser.

Es bleibt nur zu hoffen, daß Rußland einen kühlen Kopf bei all diesen Vorgängen bewahrt. Ich habe da bei solchen Leuten wie Putin, Lawrow und Schoigu eigentlich keine Bedenken. Aber es gibt auch andere Führungsebenen und -persönlichkeiten, die zur Wahrung russischer Sicherheitsinteressen, insbesondere im sicherheitsrelevanten Bereich Kaliningrad, Entscheidungen treffen, die für Deutschland und die Deutschen in Kaliningrad unvorteilhaft sein könnten. Wenn man das gesellschaftliche Leben in Kaliningrad aufmerksam verfolgt und analysiert, so bemerkt man schon ein paar russische „Einheizer“.

Wenn man schon deutsche Truppen unmittelbar an der Grenze aushalten muß, so muß man eine möglicherweise vorhandene oder vermutete „Fünfte Kolonne“ in Kaliningrad nicht aushalten – hier ist man Herr im Hause. Und was man in Rußland unter „Fünfter Kolonne“ versteht, muß man schon den Russen überlassen. Und, mal so nebenbei erwähnt, nicht Rußland ist der Erfinder der hybriden Kriegsführung.

Die deutsche Denkfabrik „Klaus-Mehnert-Institut“ hat ihre Tätigkeit im September 2015 eingestellt. Das „Hanse-Büro“ ist als Ausländischer Agent enttarnt, die multifunktionale Rolle deutscher Diplomaten wird aktiv in den Medien beschrieben und das Deutsch-Russische Haus ist beliebter Treffpunkt der Rußlanddeutschen, die sich im Rahmen von Lyrik-Abenden mit dem ostpreußischen deutschen kulturellen Erbe beschäftigen.

Also ehrlich gesagt, ich mache mir Sorgen um die Zukunft, um meine persönliche Zukunft in Kaliningrad, um die Zukunft anderer Deutscher in Kaliningrad, die hier leben und arbeiten.

 

1-Unterschrift02Ich lebe seit 1995 in Kaliningrad, insgesamt aber über 27 Jahre auf dem Territorium der ehemaligen Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und habe mich in all den Jahren immer sicher gefühlt. Mich hat in diesen Jahren weder ein sowjetischer, noch ein russischer Milizionär, Polizist oder Soldat jemals bedroht. Und für meinen Schutz brauche ich keine deutschen Soldaten an der Westgrenze Rußlands. Mit anderen Worten: „Kehrt, marsch, marsch“.

Original erschienen auf: http://kaliningrad-domizil.ru/portal/information/-mit-deutschem-akzent-/im-gleichschritt-marsch—deutsche-truppen-an-der-grenze-zu-ostpreuen/