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Hexen: Geschichtliches über Flugsalben

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Erste schriftliche Hinweise auf den Gebrauch von Flugsalben finden sich im Jahre 1324 in Irland, wahrscheinlich wurden ähnliche Rezepturen aber bereits in der Frühgeschichte, bei Römern und Griechen, im alten Ägypten und bei den germanischen Stämmen und Druiden verwendet.

Hexenprozesse und Flugsalben

Der Fall Alice Kyteler, der erste Hexenprozeß im Mittelalter

Der erste Hexenprozeß, bei dem Flugsalbe genannt wurde, fand 1324 in Irland statt. Alice ( oder Agnes ) Kyteler, eine irische Aristokratin aus Kilkenny in Südostirland, hatte gute gesellschaftliche Verbindungen und entstammte, nach ihren eigenen Worten, einer angesehenen anglo-normannischen Familie.
Im Jahre 1324 geriet sie unter den Verdacht der Hexerei, als Sir John le Pier, ihr vierter, an fortgeschrittener Muskelatrophie leidender Ehemann zu der Überzeugung kam, seine Ehefrau war der Auslöser für seine schlechte körperliche Situation. Sein Argwohn gegen seine Ehefrau wurde von einem Dienstmädchen im Hause zusätzlich bestärkt, er durchsuchte die Sachen seiner Frau und fand eine Oblate, die mit dem Namen des Teufels beschrieben war, verschiedene Zauberpulver und einen kleinen Tiegel. Er enthielt eine Substanz, die später als Flugsalbe beschrieben wurde. Sir John berichtete dem Franziskanerbischof von Ossory, Richard de Landrede, davon. Dieser Bischof pflichtete dem Verdacht der Hexerei als Ursache für den schlechten Gesundheitszustand Sir Johns sofort bei und ordnete eine gründliche Untersuchung an.

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Dame Alice de Kyteler (or Kettle, as the name would be known today) was born in Kilkenny in 1280, the only child of a prominent Hiberno-Norman family. Born at Kyteler’s House, now known as Kyteler’s Inn, the noblewoman and her servant Petronella were involved in the world’s earliest recorded witch trial. Read more at:

Der Bischof, obwohl in England geboren, hatte wohl auf Reisen von den inzwischen in Frankreich schon tobenden Hexenverfolgungen und Hexenprozessen gehört. Er war zu der Überzeugung gelangt, daß es Hexerei wirklich gäbe. Außerdem reizte ihn wahrscheinlich der Gedanke an das Vermögen der Alice Kyteler, dieses würde der Kirche – also vorrangig ihm, nach einem Schuldspruch sofort zufallen. Es war zu jeder Zeit der Hexenprozesse üblich, daß alle Habe und jedes Vermögen von den der Hexerei schuldig gesprochenen Menschen dem Kirchenvorstand oder dem Stadtrat zufiel, ein Zustand der die Hexenprozesse zu einem gutem Geschäft werden ließ, denn sogar Folter und Scheiterhaufen, die gesamte behördliche oder kirchliche Untersuchung mußte von der Familie des Beschuldigten bezahlt werden – das Vermögen der “Schuldigen” durfte dafür nicht herangezogen werden.

Im Falle der Alice Kyteler wurden Anschuldigungen zusammengetragen, denen zufolge Alice Gott geleugnet hatte, dem Teufel Opfer gebracht zu haben und mit einem Dämon namens Robin Artisson ( der manchmal in der Gestalt eines Hundes oder einer Katze aufgetreten sein soll ) gebuhlt haben soll. Außerdem hätte sie mit ihrer Hexerei und der Hilfe von Teufeln die Zukunft ergründet, sakrilegische Gottesdienste abgehalten und und mittels Zauberei dem Viehbestand ihrer Feinde geschadet. Alice Kyteler stand in dem Ruf, einen Stab zu haben, der es ihr ermöglichte, durch dick und dünn zu gehen, wenn sie ihn mit der Flugsalbe bestrichen hatte. Die Beschuldigungen kamen teils aus dem Ort, teils von den Kindern ihrer ersten 3 Ehemänner.

Der Hexenwahn griff immer weiter um sich und bald waren es schon 10 Beschuldigte und Angeklagte. Selbst Alice Kyteler als hochgestellte Persönlichkeit mußte 70 Tage im Gefängnis zubringen, bis diese Maßnahme mit Hilfe des Lordrichters aufgehoben wurde. Der Druck gegen Alice Kyteler wurde aber immer stärker und sie floh nach England. In ihrer Abwesenheit wurde Alice Kyteler der Hexerei schuldig gesprochen. Andere Beschuldigte in diesem Hexenprozeß hatten weniger Glück, die Kammerzofe Alice Kytelers gab, nachdem man sie 6 Mal hintereinander bis zur Bewußtlosigkeit geschlagen hatte, zu, die Künste der Hexerei von Alice gelernt zu haben. Sie wurde am 3. November 1324 auf dem Markplatz von Kilkenny bei lebendigem Leibe verbrannt.

Flugsalbe im Aberglauben

Flugsalbe wurde, so beschreibt es der Aberglaube, vom Teufel beschafft und enthielt verschiedenste exotische Bestandteile. Sie galt als unentbehrlich für jede Hexe, die über die Kunst des Fliegens verfügen wollte. Es wurde aber auch behauptet, der Teufel würde die Flugsalbe nur den Hexen schenken, die große Schwierigkeiten hätten, den Ort der Hexensabbate auf dem Fußwege zu erreichen. Beschrieben wird auch, daß der Teufel den Hexen das Fliegen ermöglichte, um den himmlischen Engeln damit seine Verachtung zu zeigen. Dem Glauben nach flogen gute Hexen auf Stöcken und böse auf Wölfen. Die einzige Gefahr für fliegende Hexen bestand im Geläut der Kirchenglocken, gleich auf welchem Gegenstand oder Tier sie ritten. Es erstarrte beim Klang der Kirchenglocken und die Hexe fiel wie ein Stein zu Boden. Es gab aber auch Maßnahmen, um die fliegenden Hexen am landen zu hindern, dafür wurden Sensen, scharfe Gegenstände und Werkzeuge auf den Boden gelegt.

Wissenschaftliches über Flugsalben

Die Zusammensetzung der Flugsalben besteht aus unterschiedlichen, giftigen und narkotisch wirkenden Substanzen wie Tollkirschen, Bilsenkraut, Datura, Stechapfel, Gartenmohn, Hanf und weiteren, unterschiedlichen Mitteln. Eingerührt in eine Fettmasse oder Salbengrundlage und mit starkem Alkohol vermischt, ergibt sich eine hochwirksame, aber auch tödlich-gefährliche Masse.

Angewendet wurde diese Salbe nach festgelegten Regeln und Ritualen, diese machten den Körper für die Substanzen aufnahmefähig. Die Haut des Körpers wurde damit eingerieben und massiert, bis sich die Hautporen öffneten und die unteren Hautschichten die Gifte aufnehmen konnten. Selbst bei den “Hexen”, die sich mit der richtigen Zusammensetzung und Dosierung auskannten, kam es zu tödlichen Zwischenfällen und es wurden Vorsichtsmaßnahmen ergriffen.

Beispielsweise wurde Ofenruß in die Salbe gemischt, dadurch entstand eine starke Färbung und es konnte kontrolliert werden, welche Körperpartien in welcher Konzentration der Salbe bereits bestrichen worden sind. Auch hier findet man also wieder eine Anwendung, die sich unheimlich und nach schwarzer Magie anhört, in Wirklichkeit aber einen praktischen, ja lebensrettenden, Hintergrund hatte.

Wirkung der Hexensalben

Die Wirkung der Hexensalben kann als äußerst stark beschrieben werden. Berichte aus den unterschiedlichen Jahrhunderten belegen eine starke psychische Wirkung. Nach Anwendung der Hexensalbe war es ganzen Hexenzirkeln möglich ( im Geist und der verstärkten Wahrnehmungskraft und Fantasie ) sich durch Raum und Zeit zu bewegen. Als Gruppe oder einzeln weite Reisen in kurzer Zeit zu unternehmen und natürlich zu fliegen.

Ein klassisches und bekanntes Beispiel für die Stärke der Salbe und die Kraft der Fantasie und Trancezustände findet sich in einem Bericht aus dem Mittelalter: Hier saß eine Frau stundenlang regungslos auf einem Strohbündel. Aus der Trance erwacht, erzählte sie von einer Reise, die sie gerade gemacht hatte. Sogar das Strohbündel wurde in dieser Geschichte als lebendiges Pferd beschrieben.