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Hat Griechenland Öl?

Wolfgang Pomrehn 15.07.2015

20 Felder im Ionischen Meer und vor der Küste Kretas sind zur Exploration ausgeschrieben. Auch Russische Firmen bewerben sich, schrieb Ende März die in Athen erscheinende Zeitung I Kathimerini. Ob die Unternehmen jedoch fündig werden, steht auf einem anderen Blatt.

Die Energie- und Klimawochenschau: Von Importabhängigkeit, ungewissen Lagerstätten, widersprüchlichen Signalen des Weltmarktes und neuen Windrekorden in Dänemark

Zu den vielen Problemen, die das kleine, von der Berliner Regierung rücksichtslos bedrängte Griechenland hat, gehört seine Energieversorgung. Der größte Teil muß bisher importiert werden und drückt damit kräftig auf die Handelsbilanz.

Auf der Plattform Oilprice.com hat sich der Autor Euan Mearns Gedanken darüber gemacht, was das für Griechenland bedeutet. Krisenbedingt ist der Energieeinsatz zwar in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Dennoch muß der Kraftstoff für Schiffe, Autos, LKWs und Busse – sofern es keine Elektrobusse sind, die es in Athen auch gibt – eingeführt werden. Der Strombedarf kann inzwischen immerhin schon zu 60 Prozent aus heimischen Quellen gedeckt werden. Darunter allerdings neben Wasser- und Windkraft auch aus Braunkohlekraftwerken. 2010 lieferte Kohle 45 Prozent, Gas 25, Öl 13, Wasser 11 und Wind vier Prozent des Stroms. Öl und Gas müssen importiert werden.

Insgesamt, so der Autor, decken Erdölprodukte 54 Prozent des griechischen Energiebedarfs. Zum Vergleich: in Deutschland ist es nur ein gutes Drittel. Und dieses Öl ist teuer, zumindest tendenziell. Vermutlich wäre Griechenlands Lage noch dramatischer – falls eine Steigerung überhaupt noch möglich ist -, wenn der Ölpreis nicht vor einem Jahr so stark gefallen wäre. Zuletzt hatte er sich wieder etwas nach oben gearbeitet. Vor zwei Monaten mußte für die US-amerikanische Standardsorte WTI etwas über 60 US-Dollar pro Fass gezahlt werden. Ende Juni ging es aber wieder abwärts, derzeit bewegt sich der Preis um die 52 US-Dollar pro Fass.

Dabei sollte man allerdings im Hinterkopf behalten, daß der Euro gegenüber dem US-Dollar in den letzten Monaten an Wert verloren hat, was die Verbilligung der Ölimporte in die Eurozone kleiner macht. Zugleich wird daran eine der vielen Gefahren eines Ausstiegs aus dem Euro deutlich. Eine neue Drachme würde gegenüber dem Euro mit Sicherheit schon bald deutlich abwerten. Damit würden aber die Energieimporte erheblich verteuert.

Mit anderen Worten, alles spricht dafür, sich von diesen Importen unabhängig zu machen. Ein Mittel wären eigene Öl- und Erdgaslagerstätten. Das Problem: Von denen wurde in den vergangenen Jahren zwar viel geredet, aber bisher sind sie pure Fiktion. Es gibt keine durch Probebohrungen erhärteten Daten. Funde vor Israels Küste hatten auch in Griechenland Hoffnungen geweckt. Das Problem ist allerdings, daß die Geologie des Landes eher gegen die Annahme spricht, dort könnten größere Lagerstätten zu finden sein.

Wie dem auch sei, 20 Felder im Ionischen Meer und vor der Küste Kretas sind zur Exploration ausgeschrieben. Auch Russische Firmen bewerben sich, schrieb Ende März die in Athen erscheinende Zeitung I Kathimerini. Ob die Unternehmen jedoch fündig werden, steht auf einem anderen Blatt.

Horizontal auftreffende Solarstrahlung in Griechenland.Bild: SolarGIS 2015/CC-BY-SA-3.0

Horizontal auftreffende Solarstrahlung in Griechenland.Bild: SolarGIS 2015/CC-BY-SA-3.0

Dann wären da natürlich noch die erneuerbaren Energieträger. An Wind und Sonne hat das Land keinen Mangel, eher schon an Kapital und Strukturen, die eine dezentrale Variante ermöglichen würden. Dabei bietet sich letztere für das Land mit seinen vielen Inseln eigentlich in besonderer Weise an. Laut Wikipedia (https://en.wikipedia.org/wiki/Solar_power_in_Greece#See_also) gibt es derzeit zum Beispiel immerhin 2,44 Gigawatt (GW) installierter Solarleistung im Land, aber nur 0,35 GW wurde auf Hausdächern installiert.

Der größte Teil besteht also bisher aus Solarparks, die sich meist in der Hand reicher Einzelpersonen oder größerer Unternehmen befinden dürften. Immerhin ist seit Anfang des Jahres die Errichtung von Anlagen für den Eigenbedarf deutlich erleichtert worden, berichtet der griechische Unternehmerverband der PV-Branche. 2014 sei der Markt eingebrochen. Nur 17 Megawatt (MW) seien installiert worden. 2013, ein Jahr zuvor, seien es 1,04 GW (1040 MW) gewesen, seinerzeit ein griechischer Rekord. Der Rückgang sei vor allem die Folge eines vorhergegangenen Annahmestopps für Anträge auf neue Anlagen gewesen, der von August 2012 bis April 2014 gegolten habe.

Bleibt zu hoffen, daß die neue Regierung noch die Zeit findet, die Bedingungen für den Ausbau der Solarenergie weiter zu verbessern, denn letztlich ist sie zur Zeit neben dem Tourismus – dem Schäubles Berserker-Angriffe in diesem Jahr erheblichen Schaden zugefügt zu haben scheinen – eine der besten Möglichkeiten, Wertschöpfung im Lande zu generieren. Und wenn es dezentral erfolgt, würde dies zudem in einer Form geschehen, die vielen und nicht nur einer kleinen Oberschicht zugute kommt.

Weniger Investitionen

Unterdessen scheinen im globalen Maßstab die Investitionen bei den erneuerbaren Energien einzubrechen, wobei es allerdings noch nicht so aussieht, daß das auch weniger installierte Leistung bedeutet. Im zweiten Quartal 2015 sind die entsprechenden Investitionen um etwa 28 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum 2014 zurückgegangen, berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg. Unter anderem würden sich die Finanziers von Risikokapital aus dem Geschäft zurückziehen, die dazu neigen, ihr Geld in unsichere, aber ggf. hochprofitable Geschäfte zu stecken. Der Rückzug dieser Finanziers sei ein Zeichen dafür, daß die Branche im Mainstream angekommen sei.

Das PV-Magazin kann dem Ganzen durchaus positive Seiten abgewinnen. So seien vor allem die Investitionen in große Solarparks, die insbesondere in China bisher noch den Markt dominieren, zurückgegangen. Für dezentrale Kleinanlagen sei hingegen rund 40 Prozent mehr ausgegeben worden.

Auch bei Bloomberg ist man optimistisch. Mittelfristig bleibe der Markt sehr stark. Die Preise würden weiter zurückgehen. Für die Zeit bis 2040 rechnen die Fachleute für Energie-Finanzen bei Bloomberg damit, daß zwei Drittel der voraussichtlich 12,2 Billionen US-Dollar im Energiesektor getätigten Investitionen Sonne, Wind & Co. zugutekommen.

Ein Auf und Ab der Investitionen ist in diesem Sektor inzwischen nichts Neues mehr. 2014 waren 310 Milliarden US-Dollar in die grünen Branchen gesteckt worden. Damit war nach zwei Jahren Rückgang erstmalig wieder das bisherige Rekordniveau von 2011 (318 Milliarden US-Dollar) annähernd erreicht worden.

Allerdings kann man nicht ohne weiteres Investitionsvolumen mit installierter Leistung gleichsetzen. In den vergangenen Jahren hat es insbesondere bei den Solarmodulen, aber auch – in geringerem Maße – bei der Onshore-Windenergie einen Preisverfall gegeben, sodaß weniger Investitionen nicht in jedem Fall weniger installierte Leistung bedeutet. Entsprechend hatte der Solarmarkt 2012 erstmalig stagniert, war dann jedoch weitergewachsen. Beim Wind hatte es 2013 erstmalig einen Einbruch gegeben, der aber schon 2014 wieder überwunden war.

Weltweit jährlich installierte Windleistung. 2013 gab es zum ersten Mal einen Einbruch, aber schon im Folgejahr hatte der globale Markt sich wieder erholt. In den einzelnen Ländern, insbesondere in den USA, ist die Entwicklung allerdings weniger stetig. Bild GWEC

Weltweit jährlich installierte Windleistung. 2013 gab es zum ersten Mal einen Einbruch, aber schon im Folgejahr hatte der globale Markt sich wieder erholt. In den einzelnen Ländern, insbesondere in den USA, ist die Entwicklung allerdings weniger stetig. Bild GWEC

Weltweit jährlich installierte Windleistung. 2013 gab es zum ersten Mal einen Einbruch, aber schon im Folgejahr hatte.

In diesem Jahr rechnet der Global Wind Energy Council (GWEC) mit einem weiteren Anstieg der neuinstallierten Leistung auf 55 GW. Im ersten Halbjahr 2015 sind davon nach Angaben des Verbandes allerdings erst knapp 19 GW erreicht, davon 8,5 GW in China, knapp zwei GW in Deutschland und 1,7 GW in Brasilien. In vielen Ländern, darunter auch in Deutschland, geht aber seit Jahren gewöhnlich die Mehrzahl der neuen Anlagen erst im dritten und vierten Quartal ans Netz.

Noch stürmischer und weniger stetig verläuft die Entwicklung des globalen Solarmarktes. Hier gab es 2012 Stagnation, nach dem der Markt in den beiden Vorjahren um 176 und 76 Prozent gewachsen war. Das hatte ihn bekanntlich überhitzt. Zu viele neue Anlagenhersteller drängten auf den Markt. Zugleich wurden in den seinerzeit wichtigsten Solar-Ländern in Europa die Förderungen zu schnell zurückgefahren. Inzwischen sind andere Staaten in die Bresche gesprungen, namentlich China und Japan. Von rund 30 GW in 2012 ist der Markt 2014 auf etwa 40 GW gewachsen. Im laufenden Jahr wird wieder mit einem kräftigen Sprung gerechnet. 55 GW könnten es werden.

Neuer Windrekord in Dänemark

Und zu guter Letzt die gute Nachricht der Woche: Dänemark hat in der Nacht von Donnerstag auf Freitag letzter Woche 140 Prozent seines Bedarfs mit Windkraft abdecken können, berichtet der Guardian. Alles, was nicht im Inland Abnehmer fand, wurde nach Norwegen, Schweden und Deutschland exportiert. Bereits Donnerstagnachmittag, als der Bedarf noch deutlich höher war, konnten 116 Prozent gedeckt werden.

2014 hat Dänemark im Jahresmittel bereits 39,1 Prozent seines Bedarfs mit Windkraftanlagen decken können (Die Temperatur steigt weiter). Der Rest kommt aus einigen älteren Großkraftwerken, einer Vielzahl kleiner Blockheizkraftwerke und auch aus Solaranlagen. Dänemark hat bereits seit den 1990er Jahren eine Politik, die Kraftwerke nur dann zuläßt, wenn auch die Abwärme eingesetzt werden kann. Aufbauend darauf erprobt man inzwischen das Konzept, in Starkwindzeiten überschüssigen Strom auch zum Heizen einzusetzen, indem dieser für das Aufladen der Wärmespeicher in den Fern- und Nahwärmesystemen eingesetzt wird.

Das kann man sich in etwa so vorstellen: Ein Blockheizkraftwerk hat idealer Weise einen großen, gut isolierten Wassertank. In diesem kann es Wärme speichern, wenn es Bedarf für seinen Strom, aber nicht für Wärme gibt. Und es kann aus diesem Wärme abziehen, wenn der Strombedarf gering, aber der Wärmebedarf groß ist. Dieses System läßt sich ergänzen, in dem sozusagen mit einem überdimensionierten Tauchsieder der Speicher erhitzt wird, wenn zu viel Strom im Netz ist.

Letzteres wird in der Zukunft öfter der Fall sein, denn die Windenergie soll sowohl an Land als auch auf See weiter ausgebaut werden. Bis 2020, so das offizielle Ziel, soll ihr Anteil an der Stromversorgung auf 50 Prozent gesteigert werden. Beim zuletzt gezeigten Ausbautempo wird dieses Ziel vermutlich vorzeitig erreicht werden.