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Griechische DEPA an Russische Gazprom ?

Für den 10. Juni ist die Ausschreibung festgesetzt worden, bei der es um die Privatisierung des griechischen Gasmonopolisten, des Unternehmens DEPA und der Gasbetreibergesellschaft DESFA geht, eine Ausschreibung, die schon mehrmals vertagt wurde.

Unter den Anwärtern auf den größten Aktivposten von Hellas, der im Rahmen der Privatisierung zum Verkauf angeboten wird, findet man die russischen Unternehmen Gazprom und Negusneft, ein griechisches Konsortium und GNKAR Aserbaidschans. In Erwartung des „ Tages X“ enthalten sich die Russische und die griechische Seite jeglichen Kommentars nach den Verhandlungen (Der Chef von Gazprom, Alexej Miller, hat Athen in den letzten Monaten dreimal besucht) und stellen lediglich fest, daß sie „das Zusammenwirken in der Gassphäre hoch bewerten“. Und so schwirren in der Presse Gerüchte umher.

Bereits im Januar nannte die griechische Geschäftszeitung „Imersija“ einen Betrag von 2 Milliarden Euro, der von den Russen angeboten worden sei. Und die russischsprachige Ausgabe „Afiny & Ellas“ fügte dem weitere 5 Milliarden Dollar hinzu, die man durch das Geschäft mit Moskau unter Beachtung der zusätzlichen Investitionen in die Wirtschaft des Landes erzielen könnte. Im Mai wurde bereits von 900 Millionen Euro berichtet. Später wurde dieser Betrag noch mehr herabgesetzt, aber dennoch übertrifft er die Angebote der Konkurrenten. Warum ist Gazprom so stark danach bestrebt, DEPA käuflich zu erwerben und welches sind seine Chancen, den Tender zu gewinnen? Vitali Krjukow, Analyst der Gruppe IFD Kapital, meint:

„Spricht man vom Wert des Angebotes, so wird wohl kaum jemand imstande sein, es mit den Geschäftsleuten Rußlands in diesem Kampf aufzunehmen. Doch vom politischen Standpunkt aus betrachtet, gibt es Fragen. Der Anteil der russischen Lieferungen an Griechenland sei nach Auffassung seiner westlichen Partner ohnehin höher als ein akzeptables Niveau. Das Land importiert aus Rußland 70 Prozent des gesamten zu konsumierenden Gases und 40 Prozent des Erdöls. Die EU-Kommission ist natürlich gegen eine Erhöhung der russischen Präsenz auf diesem Markt. Ich schließe nicht aus, daß sie ihren Druck durch die Bedingungen für die Gewährung der Hilfe an Griechenland untermauern kann. Kategorisch ‚dagegen’ sind auch die USA, die von Athen gefordert haben, ‚keine Energiegeisel’ Rußlands zu werden. Doch wir sind nicht bestrebt, jemanden als Geisel zu nehmen. Nur ist der griechische Gasmarkt äußerst wichtig“, erläutert Vitali Krjukow.

„In nächster Zukunft kann hier ein richtiges Gaszentrum, ein Transporthub entstehen, über den man die Lieferungen von ‚blauem Brennstoff’ aus Zentralasien nach Europa steigern wird. Griechenland kann sich durchaus in ein Analogon der Türkei verwandeln. Es sei an den geplanten Bau einer Rohrleitung aus Aserbaidschan nach Europa über das griechische Territorium und an die eventuelle Errichtung der Infrastruktur für den Import von Flüssigerdgas erinnert. Kurz und gut, unabhängige Gaslieferanten könnten auf diesen Markt kommen und von ihm Besitz ergreifen. Rußland geht zuvorkommend vor, um den Rückgang der Verkaufsmengen vom eigenen Gas zu vermeiden und die Möglichkeit für den Einstieg der eigenen Holding in den europäischen Gasmarkt zu öffnen.“

Wem wird also DEPA in den Schoß fallen?

Es leuchtet ein, daß es Griechenland darauf ankommt, zwecks Verbesserung seiner Zahlungsbilanz einen maximal hohen Betrag dafür zu erhalten. Die Regierung Antonis Samaras sieht sich im Grunde genommen mit einem Dilemma konfrontiert. Entweder verkauft sie den wichtigsten Gasaktivposten vorteilhaft, bekommt möglicherweise die Garantien, daß der Gaspreis für die griechischen Verbraucher herabgesetzt wird (der Vertrag mit Rußland über die Gaslieferungen läuft 2016 aus) und setzt sich somit über die Forderung des State Departments und der EU hinweg, oder sie beugt sich dem Druck von außen und zeigt, daß sie abhängig und willenlos ist.

„Die Entscheidung wird in jedem Fall politisch sein“, meint unser Experte. „Dabei kann man die Versteigerung wieder auf einen späteren Termin vertagen. Wegen endloser Abstimmungen und politischer Konsultationen mit Brüssel, von dem die Zustimmung zum Geschäft eingeholt werden soll.“

Stimme Rußlands, 10. Juni 2013, Gajane Chanowa