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Grexit: Wie man eine Finanzkrise auf die Bevölkerung eines gebeutelten Landes abwälzt

2. … und mit der internationalen Finanzkrise

Als 2007 die Finanzkrise in den USA begann, 2008 auf die Finanzmärkte in Europa überschwappte und 2008/2009 auch die “Realwirtschaft” erfasste, kam es dann zu der negativen Kausalkette, die Griechenland in den Abgrund stürzte. Die Krise hatte ihre unmittelbare Ursache am US-Hypothekenmarkt. Als dieser einzubrechen begann, brach Panik aus – manche Sicherheiten wurden plötzlich “toxisch”, denn sie konnten auf dem offenen Markt nicht mehr verkauft werden und waren das Papier nicht mehr wert, auf dem sie gedruckt waren; andere Sicherheiten wurden einer neuerlichen, viel kritischeren Überprüfung unterzogen.

Die Banken liehen sich gegenseitig kein Geld mehr, weil sie den “Sicherheiten” nicht mehr trauten, die ihnen die anderen Banken hinterlassen wollten, und plötzlich war ein ganzer Sektor in massiver Zahlungsnot. Zum Glück für die Banken schnürten die Staaten massenhaftRettungspakete und nahmen selbst neue Schulden auf, um die Schulden der Banken zu begrenzen. Diese Schuldenaufnahme mußte noch verstärkt werden, als die Finanzkrise auf die Industrie und den Handel übergriff, da sinkende Steuereinnahmen sich mit erhöhten Staatsausgaben (Konjunkturpakete, größere Arbeitslosigkeit) paarten.

Somit fiel die steigende Staatsverschuldung gerade in die Zeit, als die Banken den ersten Sturm durch die kräftigen Finanzspritzen des Staates zwar gerade so überwunden hatten – in der sie aber noch lange nicht stabil waren, ihre Bilanzen nach unten korrigieren mußten, und ihr Eigenkapital erhöhen mußten. Das war der Zeitpunkt, an dem die Finanzmärkte plötzlich wieder anfingen, einen Unterschied zwischen den europäischen Staatsanleihen zu machen.

Griechische Ankündigungen, die eigentliche Staatsschuld sei höher als bisher offiziell zugegeben – die griechische Regierung hatte durch Finanztricks mit Hilfe von US-Investmentbanken einen Teil ihrer Schulden vor den europäischen Behörden versteckt[4] -, die Höhe der griechischen Staatsschuld vor der Krise, und der schnelle Anstieg seit Ausbruch der Krise trugen dazu bei, daß es zunächst vor allem Griechenland traf. Zweifel an der “Nachhaltigkeit” der griechischen Schulden – also der Fähigkeit Griechenlands, die Schulden durch eigenes Einkommen statt durch die Aufnahme neuer Schulden zu finanzieren – setzten ein; die Ratingagenturen stuften die Kreditwürdigkeit des Landes herab, und Spekulanten begannen, auf fallende Preise von griechischen Staatsanleihen zu wetten[5], wodurch die Geschwindigkeit, mit der sich das Problem ereignete, massiv beschleunigt wurde. Die griechischen Staatsschulden wuchsen auf 127% des BIP in 2009 und auf 147,8% in 2010.

Der oben erwähnte “carry trade” machte die griechischen Staatsanleihen zu den toxischen Papieren des europäischen Finanzsektors – denn um die Kredite an ausländische Banken abzubezahlen, die aufgenommen wurden, um mehr Staatsanleihen zu kaufen, mußten die Banken so schnell wie möglich ihre “toxischen”, im Preisverfall befindlichen, Staatsanleihen verkaufen, um wenigstens noch so viel wie möglich des ursprünglichen Preises zu retten. Durch die massiv steigenden Zinsraten auf ihre Staatspapiere wurde es für die Krisenländer, allen voran Griechenland, immer schwerer, sich zu refinanzieren, während die Schuldenlast und der Teil des Staatshaushaltes, der in den Schuldendienst floss, immer schneller anstieg. Dies löste eine Negativspirale aus, die fast nichts mit der griechischen Wirtschaft und fast alles mit dem europäischen Bankensystem und der globalen Finanzkrise zu tun hat.