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Geld aus dem Nichts – Mythos oder Tatsache?

Reinhold Mannsberger und Rudolf Sommer 15.09.2015

Auf dieser sieht man, wie das von Banken erzeugte elektronische Giralgeld durch die Wirtschaft zirkuliert, wobei nur wenig Geld der Zentralbank benötigt ...

Auf dieser Grafik sieht man, wie das von Banken erzeugte elektronische Giralgeld durch die Wirtschaft zirkuliert, wobei nur wenig Geld der Zentralbank benötigt …

Die Kontroverse darüber, ob Banken Geld “aus dem Nichts” schaffen können, ist alles andere als neu. Die Recherche im reichen Fundus der Fachliteratur zeigt, daß diese Kontroverse bereits über ein Jahrhundert alt ist. Die aktuelle Finanzkrise hat das Interesse an diesem Thema wieder neu aufleben lassen – und das nicht nur in akademischen Kreisen, sondern auch bei den einfachen Bürgern.

Die Bürger stellen sich beispielsweise die berechtigte Frage, wie es sein kann, daß Banken zusammenbrechen können, wenn diese doch – wie man immer öfter hören und lesen kann – Geld aus dem Nichts schaffen können? Und vor allem: Warum sie dann in weiterer Folge ungefragt zur Übernahme der Kosten dieser Zusammenbrüchen verpflichtet werden?

Trotz der schwerwiegenden Auswirkungen der Finanzkrise auf die gesamte Gesellschaft blieb diese überaus wesentliche Frage ungeklärt. Zwar kann der interessierte Bürger bei Recherchen eine Menge Aussagen zu dem Thema finden, alle Aussagen haben jedoch eines gemeinsam: Sie stützen sich nur auf die (angebliche) Fachkompetenz des jeweiligen Autors. Belegte Fakten sucht man vergeblich. Diese scheinen nicht zu existieren. Wie dem auch sei: Seit dem 7. August 2013 liegen erstmals belegte Fakten zu dieser Frage vor.

Die Theorien

Über die Rolle der Banken in der Wirtschaft ist im vergangenen Jahrhundert und darüber hinaus viel geschrieben worden. Oft haben sich die Autoren jedoch mit der Frage, ob die Banken Geld schöpfen, nicht beschäftigt, da sie einfach davon ausgegangen sind, daß ihre bevorzugte Theorie den Tatsachen entspricht. So hinterfragen sie ihre bevorzugte Theorie nicht, geschweige denn, daß sie verschiedene Theorien verglichen hätten. Eine Überprüfung der Fachliteratur identifiziert drei verschiedene, sich gegenseitig ausschließende Theorien. Jede von ihnen war etwa ein Drittel des 20. Jahrhunderts die vorherrschende Sichtweise.

Die aktuell vorherrschende Ansicht ist, daß die Banken reine Finanzvermittler sind, welche Einlagen sammeln und weitergeben, genau wie andere Finanzinstitutionen, die keine Banken sind – ohne besondere Eigenschaften. Diese Ansicht wird die Finanzintermediär-Theorie genannt und sie ist die vorherrschende Sichtweise seit dem Ende der 1960er Jahre.

Etwa zwischen den 1930er und den späten 1960er Jahren war die vorherrschende Sichtweise, daß das Bankensystem “einzigartig” sei, da die Banken im Gegensatz zu Finanzintermediären im Kollektiv Geld schaffen können und zwar auf der Grundlage des Teilreservemodells (auch bekannt als Multiplikatormodell). Trotz ihrer kollektiven Fähigkeit zur Geldschöpfung ist jede einzelne Bank nach dieser Sichtweise nur ein reiner Finanzvermittler, der Einlagen sammelt und weiterverleiht – ohne die Fähigkeit, selbst Geld zu schöpfen. Diese Ansicht wird Teilreserve-Theorie genannt.

Die dritte Theorie über die Funktionsweise des Bankensektors ist in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts aufgekommen. Anders als bei der Finanzintermedär-Theorie und im Einklang mit der Teilreserve-Theorie behauptet diese, daß das Bankensystem neues Geld schafft. Jedoch geht sie weiter als letztgenannte und unterscheidet sich in einer Reihe von Punkten. Diese Theorie behauptet, daß jede einzelne Bank kein Finanzvermittler ist, der bei der Kreditvergabe Spareinlagen oder Reserven der Zentralbank weiterreicht, sondern den gesamten Kreditbetrag aus dem Nichts schafft. Diese Ansicht wird Kreditschöpfungstheorie genannt.

Da die Kontroverse über die Theorien nie beigelegt wurde, herrscht große Verwirrung: Heute finden wir Zentralbanken – manchmal dieselben Zentralbanken -, die verschiedenen Theorien anhängen. Im Fall der Bank of England sind deren Bedienstete gleichzeitig Anhänger jeder der drei sich gegenseitig ausschließenden Theorien!

Die drei Theorien basieren auf verschiedenen Beschreibungen, wie Geld und Banken funktionieren und führen dementsprechend zu unterschiedlichen Vorschriften zur Bankenregulierung. Eine wirksame Bankenregulierung ist logischerweise nur möglich, wenn man ihr die Theorie zugrundelegt, die der praktischen Realität entspricht – also spielt es eine bedeutende Rolle, welche der drei Theorien richtig ist.

An dieser Stelle sei noch soviel gesagt: Der moderne Ansatz zur Regulierung von Banken, so wie er spätestens seit Basel I (1988) umgesetzt ist, basiert auf der Annahme, daß die Finanzintermediär-Theorie richtig ist. Beim Reality-Check kann man auf jeden Fall eines feststellen: Die eigenmittelbasierten Ansätze für die Bankenregulierungen, wie sie vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht in Form von Basel I und II umgesetzt wurden, hat uns bisher nicht vor großen Bankenkrisen geschützt.

Die beschämende Rolle der Wissenschaft

Wie kann es sein, daß es in einer so fundamentalen Frage, wie der, ob (einzelne) Banken Geld aus dem Nichts schaffen können oder nicht, über ein Jahrhundert kaum einen Fortschritt gegeben hat? Eine Ursache liegt sicherlich in der Methode, die in der Wirtschaftswissenschaft des 20. Jahrhunderts vorherrscht, nämlich die hypothetisch-deduktive Methode: Unbewiesene “Axiome” werden “postuliert”, unrealistische Annahmen hinzugefügt und daraus werden theoretische Modelle gebaut. Über diese Modelle läßt sich dann trefflich streiten, was aber nicht dazu führt, daß man der Klärung der Frage, welche Theorie nun den Tatsachen entspricht, entscheidend näher kommt.

Doch wie kann die Angelegenheit geklärt werden? Ganz einfach so, wie man das in ernstzunehmenden Wissenschaften macht: Durch die induktive Methode. Man verlässt die Welt der deduktiven theoretischen Modelle und läßt die empirische Realität als Schiedsrichter über die Wahrheit walten. Oder mit anderen Worten: Man klärt die Angelegenheit durch empirische Beweise.

Es muß in aller Deutlichkeit gesagt werden: Die Wirtschaftswissenschaften haben sich hier nicht mit Ruhm bekleckert. Mehr als ein Jahrhundert lang (!) haben sie es nicht geschafft, eine empirische Überprüfung Ihrer Theorien durchzuführen.

Es fällt auf, daß die lange Kontroverse um die Theorien oftmals irrational geführt wurde. Man verwendete verschiedenste rhetorische Mittel, um die jeweils anderen Theorien zu verunglimpfen. Insbesonders die Kreditschöpfungstheorie und ihre Anhänger wurden und werden immer wieder verspottet, lächerlich gemacht und beleidigt. Von Sachlichkeit, die man von ernstzunehmender Wissenschaft erwarten würde, ist oft keine Spur.

Beispielhaft und stellvertretend sei hier ein bekanntes Nachschlagewerk zum Thema Geld (Eatwell, John, Milgate, Murray, & Nevvman, Peter: The New Palgrave Money) erwähnt, welches für sich beansprucht, ausgewogene Perspektiven zu bieten. Es enthält ein Kapitel mit dem Titel “Spinner” (original: “cranks”). Das Kapitel endet mit einer Litanei an ad hominem Verunglimpfungen, Verleumdungen und Rufmorden, indem großzügig Bezeichnungen wie “Spinner”, “Phrasendrescher”, “Agitatoren”, “Populisten” und sogar “Verschwörungstheoretiker” vergeben werden.

Die empirische Überprüfung der Theorien über die Funktionsweise der Banken

Die empirischen Überprüfung erfolgte am 7. August 2013 in Form des Abschlusses eines echten Kreditvertrages bei einer kleinen, regional verwurzelten Genossenschaftsbank (Raiffeisenbank Wildenberg e.G.) in Deutschland. Die Überprüfung wurde nicht zuletzt deshalb bei einer kleinen Bank durchgeführt, weil große Banken eine Mitarbeit abgelehnt haben. Als Begründung wurde von den großen Banken in der Regel angegeben, daß die erforderliche Offenlegung der internen Buchhaltung das Bankgeheimnis oder die IT-Sicherheitsregeln verletzen würden und daß andererseits bei dem großen Transaktionsvolumen die geplante Überprüfung sehr schwierig durchzuführen wäre.

Die Durchführung der Untersuchung bei einer kleinen Bank bedeutet aber keinen Nachteil, weil alle Banken in der EU nach den gleichen europäischen Vorschriften arbeiten (müssen), womit die empirischen Informationen auf jeden Fall repräsentativ sind.

Die Bank gewährte den Kredit und legte alle relevanten Aufzeichnungen der internen Buchhaltung (die Tagesbilanzen) offen, ebenso den internen Standardablauf ihres Kreditvergabeverfahrens. Es wurde eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnet, die bestätigt, daß die geplanten Transaktionen Teil einer wissenschaftlichen empirischen Untersuchung sind und daß sich der Forscher nicht mit den Mitteln davonmacht, wenn diese auf sein persönliches Konto überwiesen werden. Weiter wurde vereinbart, daß der Kredit unmittelbar nach Abschluß der Untersuchung wieder getilgt wird.

Abgesehen von den beiden (einzigen) Direktoren der Geschäftsführung war auch der Leiter der Kreditabteilung anwesend. Die Direktoren waren unbeteiligte Zuschauer, sie hatten weder Zugang zu Computer-Terminals noch gaben sie irgendwelche Anweisungen. Der Leiter der Kreditabteilung nahm auch die Funktion des Kundenbetreuers wahr und war der einzige Vertreter der Bank, der in den Ablauf der Kreditvergabe involviert war: am Anfang, bei der Kundendokumentation, beim Unterzeichnen des Kreditvertrages und der Buchung des Kreditbetrages auf das Konto des Kreditnehmers am Schluß. Die gesamte Transaktion, einschließlich der manuellen Eingaben des Kundenbetreuers, wurde gefilmt. Es wurden auch die Bildschirme des bankinternen IT-Terminals fotografiert. Darüber hinaus war ein Team von der BBC vor Ort und filmte den Hauptteil des empirischen Bankkredit-Experiments.

Die entscheidende Frage bei der Untersuchung war klarerweise: Woher hat die Bank die Mittel erhalten, die dem Kreditnehmer (dem Forscher) gutgeschrieben wurden? Als der Forscher entsprechend der Teilreserve-Theorie nach Reserveguthaben der Bank fragte, wurde erklärt, daß die Bank ihre Reserven bei der zentralen Organisation der Genossenschaftsbanken hält, welche wiederum ein Konto bei der Zentralbank hält.

Diese Zentralbankreserven beliefen sich auf einen Betrag von € 350.000, welcher sich während des Beobachtungszeitraums nicht verändert hat. Es wurde festgestellt und bestätigt, daß keiner der Bankmitarbeiter zusätzliche Aktivitäten durchführte, wie zum Beispiel die Ermittlung der verfügbaren Einlagen oder Gelder innerhalb der Bank – oder Anweisungen zu geben, Mittel aus anderweitigen Quellen auf das Konto des Kreditnehmers zu überweisen (z.B. durch das Kontaktieren der bankinternen Finanzierungsabteilung, um bankexterne Interbankenfinanzierungsquellen zu beauftragen).

Es wurden auch keine Anweisungen gegeben, Reserven zu reduzieren oder sich Reserven zu leihen, weder bei der Zentralbank, noch bei der Zentrale der Genossenschaftsbanken oder bei einer anderen Bank oder Organisation. Mit anderen Worten: Es war offensichtlich, daß nach der Unterzeichnung des Kreditvertrags durch beide Parteien sofort die Mittel auf das Kreditkonto gebucht wurden, ohne weitere Kontrolle oder Anweisungen, um Mittel zu transferieren.

Es gab keine Verzögerungen oder Beratungen oder andere Buchungen. Der Kreditnehmer sah im Moment der Kreditvergabe die Erhöhung seines Kreditkontostandes. Die gesamte Prozedur der Kreditvergabe, von Anfang bis Ende, bis die Mittel auf dem Kreditkonto verfügbar waren, dauerte ungefähr 35 Minuten (und wurde durch das Filmen und die häufigen Fragen des Forschers deutlich gebremst).

Alle Mitarbeiter der Bank bestätigten, daß sie weder vor noch nach der Unterzeichnung des Kreditvertrags und vor der Buchung auf das Kreditnehmerkonto Auskünfte von irgendwelchen Dritten innerhalb oder außerhalb der Bank eingeholt hätten. Die bestätigten überdies, daß sie nicht den Stand der verfügbaren Einlagen geprüft oder in Verbindung mit dem Kreditvertrag Buchungen irgendeiner Art oder Überweisungen durchgeführt haben.

Ergebnisse der empirischen Überprüfung einer Kreditvergabe

Die unterschiedlichen Theorien müssen sich in den (Tages-) Bilanzen der Bank natürlich auch unterschiedlich ausdrücken. Schematische Darstellung der Bilanzgrößen je nach Theorie:

1. Finanzintermediär-Theorie

2. Teilreserve-Theorie

3. Kreditschöpfungstheorie

Die Schlüsselfrage ist, ob als Voraussetzung für die Buchung des gutgeschriebenen Betrages dieser Betrag von einem anderen Konto abgezogen wird, was zur Reduktion anderer Größen in der Bilanz – entweder Reserven (wie die Teilreserve-Theorie behauptet) oder anderer Mittel führt (wie die Finanzintermediär-Theorie behauptet).

Sollte festgestellt werden, daß die Bank in der Lage ist, die Kreditsumme des Kreditnehmers zu buchen, ohne Geld von einem anderen internen oder externen Konto abzubuchen, würde das einen Anscheinsbeweis dafür darstellen, daß die Bank in der Lage war, die Kreditsumme aus dem Nichts zu schaffen. Dieser Fall würde die Kreditschöpfungstheorie stützen und demnach müsste die Theorie, daß die einzelne Bank ein Vermittler ist, der zuerst Einlagen oder andere Mittel sammeln muß, bevor er Kredite gewähren kann (in Übereinstimmung mit der Teilreserve-Theorie oder der Finanzintermediär-Theorie), verworfen werden.

Analysiert man nun die Informationen über die Passiva in den offengelegten Tagesbilanzen, erkennt man sofort, daß die Kundeneinlagen Teil der Bilanz des Kreditinstituts sind. Die Finanzintermediär-Theorie geht davon aus, daß Banken sich nicht von anderen Finanzinstitutionen unterscheiden, die keine Banken sind. Nun ist es jedoch so, daß andere Finanzinstitutionen ihre Kundeneinlagen außerhalb der Bilanz halten müssen. Also kann ausgeschlossen werden, daß die Finanzintermediär-Theorie der praktischen Realität entspricht.

Weiter ist auf der Passivseite der Bilanz eine Zunahme der Verbindlichkeiten zu beobachten, die dem Kreditbetrag entspricht. Eine vorhergehende Erhöhung der Einlagen, die die Teilreserve-Theorie als Voraussetzung für eine Kreditvergabe fordert, ist nicht erkennbar. Die Passivseite der Bilanz scheint nur mit der Kreditschöpfungstheorie im vollkommenen Einklang zu stehen.

Auf der Aktivseite der Bilanz ist zu beobachten, daß die Reserven weniger wurden, während die Forderungen an Kunden deutlich gestiegen sind. Darüber hinaus ist auch die Bilanzsumme um einen Betrag gestiegen, der in etwa dem Kreditsaldo entspricht.

Entsprechend der Finanzintermediär-Theorie wäre ein Rückgang der Reserven (Guthaben bei anderen Finanzinstituten und Barmittel) um denselben Betrag wie der Betrag der Steigerung an Kundenkrediten zu erwarten. Die Reserven haben aber um weit weniger abgenommen. Zur gleichen Zeit wurde die Bilanz durch eine deutliche Zunahme der Forderungen an Kunden verlängert. Wenn die Bank sich, entsprechend der Finanzintermediär-Theorie, Geld von anderen Banken geliehen hätte, um den Kredit zu finanzieren, sollte sich weder der Kassenbestand erhöht, noch die Bilanz verlängert haben. Womit die Finanzintermediär-Theorie verworfen werden muß.

Wenn wir die Teilreserve-Theorie betrachten, kann durch die Befragung der Bankmitarbeiter ausgeschlossen werden, daß jemand von ihnen vor der Unterzeichnung des Kreditvertrags die Höhe der Reserven oder der Guthaben bei anderen Banken überprüft hat, um für den Kreditnehmer Mittel verfügbar zu machen. Darüber hinaus scheint es keine Indizien dafür zu geben, daß die Reserven in einem der Kreditvergabe entsprechenden Maß zurückgegangen wären. Schließlich kann die beobachtete Ausweitung (Verlängerung) der Bilanz auch nicht mit der Standardbeschreibung der Teilreserve-Theorie in Einklang gebracht werden. Daher müssen wir auch diese verwerfen.

Damit verbleibt nur mehr die Kreditschöpfungstheorie. Wenn man alle anderen Transaktionen ausschließt, zeigt eine einfache Kontrollrechnung, daß sich die Bilanz der Bank um den gleichen Betrag verlängert, wie Kredite vergeben wurden. Diese Feststellung stimmt nur mit der Kreditschöpfungstheorie überein.

Fazit:

Weder die Finanzintermediär-Theorie noch die Teilreserve-Theorie kann mit der praktisch beobachteten Realität in Einklang gebracht werden. Das ist ausschließlich für die Kreditschöpfungstheorie möglich.

Somit steht fest: Daß (einzelne) Banken Geld aus dem Nichts schaffen, ist kein Mythos. Es ist eine empirisch bewiesene (und jederzeit wieder beweisbare) Tatsache.

Eines kann man über Geld mit Sicherheit sagen: Nämlich daß es eines der am schlechtesten verstandenen Phänomene des alltäglichen Lebens ist. Die sogenannte Finanzkrise ist nur eine (und bei weitem nicht die einzige) natürliche Konsequenz daraus.

Wie wenig das Phänomen Geld verstanden wird, läßt sich schon sehr gut an der Ungenauigkeit der verwendeten Begriffe erkennen. Das, was man im täglichen Sprachgebrauch als Geld bezeichnet, müsste man präzise als Symbole für Verrechnungseinheiten bezeichnen. (Aus dem praktischen Leben kennen wir physische Repräsentationsformen – Bargeld, also gesetzliche Zahlungsmittel, aber auch rein elektronische – Kontostände, die aber keine gesetzlichen Zahlungsmittel sind.)

Tatsächlich ist Geld jedoch die soziale Konvention, Forderungen und Verbindlichkeiten in Verrechnungseinheiten auszudrücken. Aus dieser Erkenntnis resultiert, daß Geld und Buchhaltung untrennbar miteinander verbunden sind. Dadurch ergibt sich weiter, daß sich die sogenannte Finanzkrise leicht lösen (und ganz nebenbei noch eine echte Demokratie einführen) läßt, indem man sich an der Wahrheit der nachfolgenden drei Tatsachen orientiert:

  • Alles, was Geld betrifft, ist nur eine Frage der Buchhaltung.
  • Buchhaltung beruht auf Gesetzen.
  • Das Recht und damit die Gesetze sollten vom Volk ausgehen und nicht von einer Gruppe selbstermächtigter Bank(st)er.

Quellen:
Richard A. Werner, Can banks individually create money out of nothing? – The theories and the empirical evidence. International Review of Financial Analysis 36 (2014) Online. Deutsche Version (freie Übersetzung) online
Michael Schemmann, Open letter to FASB and IASB Online Deutsche Fassung (freie Übersetzung) online
Michael Köhler, Humes Dilemma – oder: Was ist Geld? “Geldschöpfung” der Banken als Vermögensrechtsverletzung. Grundlagen und Dogmatik des gesamten Strafrechtssystems; Festschrift für Wolfgang Frisch zum 70. Geburtstag. Duncker & Humbolt, Berlin 2013 Online
Pan Pawlakudis, Juristische Wertung der privaten Geldschöpfung OnlineDie Autoren:
Reinhold Mannsberger ist Geldreform-Aktivist und Vorstandsmitglied des Kreditopfervereins Kreditopferhilfe, der sich dafür einsetzt, die systemische Schädigung der Gesellschaft durch Banken vor die Gerichte zu bringen.
Rudolf Sommer hat an der Wirtschaftsuniversität Wien studiert. Seiner politisch unbequemen Master-Arbeit “Grundlegende geldtheoretische Betrachtungen über eine leistungsorientierte und gerechte Geldverfassung” wird die Beurteilung verweigert (Rechtsstreit ist anhängig).