Home / Alternative Landwirtschaft / Freiluftsupermarkt – zwischen wöchentlicher Gemüsekiste und täglichem Selbergärtnern

Freiluftsupermarkt – zwischen wöchentlicher Gemüsekiste und täglichem Selbergärtnern

ag2
ag4
ag1
ag8
ag9
ag7
ah5
ag10

Die weltweit ersten Freiluftsupermärkte werden in München und Wien zeitgleich entwickelt. In München liegt das beerntbare Land im Stadtentwicklungsgebiet Freiham auf den Flächen der Stadtgüter, in Wien stellt ein Bauträger einen Industriehof im Stadtentwicklungsbegiet Carée Atzgersdorf zur Verfügung.

Freiluftsupermarkt… ist die Zusammenführung von alltäglicher Lebensmittelbeschaffung und Ursprünglichkeit in der Nahrungserzeugung

Die Freiluftsupermärkte werden in zwei Ausbaustufen entstehen:

In erster Reihe, gut erreichbar mit Rad, ÖPNV und PKW befindet sich ein Kompaktmarkt zur Etablierung des Ortes, der als Bündelung bekannter „Direkt am Hof” Vermarktungen einen Drive oder Walk- in-Service anbietet. Von der Kartoffelkiste, der stählernen Milchkuh bis zum Blumenpflückfeld ist hier alles kompakt arrangiert und direkt verfügbar. Der umgreifende Marktplatz fungiert als Drehscheibe für Organisation, Information und Veranstaltungen. Auf den restlichen verfügbaren Flächen wird Bodenverbesserung und Bienenweide mittels Gründungung initiiert.

Die zweite Ausbaustufe beinhaltet eine eßbare Landschaft, eine begehbare, beerntbare Nahrungsmittelproduktion – die Verbindung von Lebensmittel und Fläche, die Rückbesinnung des Gustierens und Erntens als Landschaftserlebnis.

Ziel des Angebots.

Die Zielgruppe findet sich jenseits der passionierten Stadtgärtner und treuen Gemüsekisten-Abonnent: im Vordergrund steht die spontane Lust am bewußten Selber-Ernten regionaler, teils alter Sorten Frischgemüse als Bestandteil eines transparenten, innerstädtischen Nahrungsmittelzyklusses …

Auf Basis des Agropolis-Gedankens der Wiederentdeckung des Erntens im urbanen Alltag sollen für Entdecker und Kunden der Freiluftsupermärkte die Selbsternte mit dem Erlebnis der Unmittelbarkeit unserer Produkte und Produktionszyklen gekoppelt werden. Den Erntevorgang interpretiert sich innerhalb des Nahrungsmittelkreislauf als vorbereitende Phase des Konsums, als dem Genuß von Lebensmitteln immanent zugeordnet.

Das Einkaufserlebnis wird um die Erntephase verlängert, es wird zum Landschaftserlebnis, in einem maßtäblich begreifbaren Raum. Freiluftsupermarktkunden bekommen einen ungeahnten Bezug zu ihrem erworbenen Produkt, erkennen Abweichungen von der Norm als Qualität, Diversität und Wahlmöglichkeit wird durch die Direkternte gefördert.

In unseren beerntbaren Landwirtschaftsparks werden die Relationen von Fläche und Boden, Zeit und Witterung in Bezug auf die von uns benötigten Nahrungsgrundlagen neu erlebbar. Idee ist es, jenseits des urbanen Gärtnerns urbane Nahrungsmittelproduktion nahe an die Konsumenten zu bringen. Eine Naturerfahrung durch das Ernten im urbanen Alltag.

Paradeiser, Chilli, Kohlrabi und mehr werden behutsam in ihr neues Quartier gesetzt, gedüngt und gut eingegossen. So mancher von uns lernt über unbekannte Pflanzenarten wie Yacon und Oxa…

Lebensmittel-Stadtlandschaft

Mit der Seßhaftwerdung und der funktionialen Ausdifferenzierung des Menschen war der Grundstein zu unmittelbaren Stadt-Umlandbeziehungen gelegt. Rodungsinseln erlaubten einen unmittelbaren Nahrungsmittelanbau. Bis ins Mittelalter versorgte sich die Stadt aus ihrem unmittelbaren Umland mit Nahrungsmitteln und Rohstoffen. Die Topografie und der Rohstoffreichtum des Umlandes bestimmte über die Grösse und Stärke der Stadt.

Mit der Industrialisierung wurden die traditionellen Stadt-Landschaftsbezüge entkoppelt. Transport wurde komfortabler und damit selbstverständlicher. Die Stadt konnte ungeachtet ihres verfügbaren Umlandes verdichten und expandieren.

Die globalisierte Stadt hat sich innerstädtische Frischluft- und Erholungsräume zurückerobert. Die Produktion von Nahrung ist weiterhin entkoppelt, die Kosten der Transportwege stehen in keiner Relation zu Produktionskosten in unserm Lebensumfeld. Nahrungsmittel werden im Hinblick auf ihre Transportfähigkeit und ihr uniformes Aussehen gezogen, der tatsächliche Nährwert hat an Relevanz verloren.

Gleichermaßen beginnt die Bevölkerung eine neue ökologische Qualität im Städtebau einzufordern. Zusehends entwickelt sich eine Sehnsucht nach der Rückkehr lokaler Bezüge und Identitäten in Metropolitanregionen. Urban farming und Co sprießen als individualisierte, nicht selten romantisierende Sehnsüchte zum urbanen Komplementär.

Agropolis schlägt dafür positiv konnotierte Maßnahmen vor, welche sich auf den Genuß konzentrieren – frei von Geboten und Verweisen. Die Privatisierung von (Teil)flächen wird vermieden und einer gesamtgesellschaftlichen Nutzung zugeführt. Ziel ist es, die Bewohner der Stadt Wien mit Ihren Bedürfnissen ernst zu nehmen und sie in Ihrer Lebenswirklichkeit abzuhohlen.

Die Agropolis-Bewegung reintegriert die Nahrungmittelproduktion in die Stadt als vielfältig anwendbares Stadtentwicklungswerkzeug. Die urbane Nahrungsmittelstrategie wird zu einem städtebaulichen Instrument im Übergang zwischen heute noch Landwirtschaft u. morgen schon Stadt, gleichermaßen verfügbar in Wachstumsregionen sowie in Schrumpfungsregionen als innerurbane Bewirtschaftungsweise.

 

Website der Agropolis-Bewegung: http://www.freiluftsupermarkt.de/index.php