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“Europa in Brand”: Rostislav Ischenko sagt Krieg in Europa voraus

Die EU hat ihre Chance einer gewissen Unabhängigkeit von den USA letztes Jahr vertan

Sie hatte dafür alle Voraussetzungen:

  • eine wohlwollende Position Rußlands (das sogar zu einem Kompromissen gegenüber der EU bereit war, wenn sie sich von der USA distanziert);
  • eine Unterstützung der europäischen Geschäftswelt, die keine Lust auf eine Konfrontation mit Rußland wegen irgendwelchen ukrainischen Nazis, sowie des Wunsches der Amerikaner die Welthegemonie zu erhalten hatte;
  • ein neues Europarlament mit mehr Euroskeptikern als zuvor und eine bedeutende Erstarkung der Euroskeptiker und Antiamerikanisten in den politischen Kreisen Europas.
  • Ihr Übergang aus dem marginalen Zustand in die echte Politik. Sie wagten es nicht. Genau so – sie wagten es nicht. Sie haben die Möglichkeit gesehen, sind aber daran vorbeigelaufen, weil sie sich der Unverwundbarkeit der amerikanischen Macht sicher waren.

Jetzt hat EU keine Zeit für eine ruhige Neuausrichtung

Die Situation in der Ukraine wird noch vor der nächsten Offensive der Volkswehr, die spätestens im Mai, eher früher erwartet wird, ausser Kontrolle geraten. Nachdem das Feuer das ganze ukrainische Territorium erfasst hat, wird die EU keine Mittel haben, auf die Situation einwirken zu können.

Dabei verschärft der Zerfall des ukrainischen Staates die Widersprüche innerhalb der EU. Der proamerikanische Flügel (Polen und Baltik) wird das “alte Europa” beschuldigen, nicht radikal genug Rußland zu widerstanden zu haben. Dabei werden die USA gezwungen sein, um die europäische Einheit zu erhalten, genauer gesagt, die Einheit der EU unter der Kontrolle Washingtons, die Aufstände in Griechenland, Ungarn und wo sie noch aufflammen können, zu unterdrücken. Die traditionelle Art sie zu unterdrücken – die orange Revolution gegen die zentrale Macht, wobei jede nächste in immer nazistischeren Formen durchgeführt wird.

Wenn man die Persönlichkeiten der Führer von Griechenland und Ungarn (sowie die ukrainischen Erfahrungen) berücksichtigt, gibt es keine Zweifel daran, daß die auf die Straßen in Athen und Budapest gehenden “friedlichen Nazisten” mit Gewalt von der Polizei unterdrücken werden. Die USA verstehen das auch. Das heißt, die Ereignisse müssen vom Anfang an nach einem Gewaltszenario des militärischen Kampfes laufen, und das bedeutet – Bürgerkrieg.

Europa hat leider keinen eigenen Putin und es weigert sich, die Dienste Rußlands anzunehmen

Jetzt kann Europa nur eine schnelle Wendung zu Rußland retten. Aber das ist eine ausschließlich theoretische Möglichkeit. Die europäischen Politiker haben längst die Fähigkeit verloren, das Ruder schnell umzureißen. Die europäischen Strukturen hängen in endlosen Abstimmungen und Konsultationen. Es gibt keinen Führer, der die Verantwortung für eine Entscheidung hätte übernehmen können, und wenn es so einen gäbe – es gibt in der EU keine Verfassungsmechanismen, die so einem Führer erlauben könnten, solche Entscheidungen zu realisieren.

Europa versucht krampfhaft, den status quo in der Ukraine so lange wie möglich zu erhalten, um noch einen Umbau zu schaffen. Aber das System ist längst außer Kontrolle und es ist nicht mehr möglich es zu halten. Zumal die Systemstabilität nicht im Interesse der USA und der Kiewer Nazis liegt. Ich bin nicht mal sicher, ob die USA in ein paar Monaten selbst noch die Kontrollmechanismen in der Hand haben werden.

Auf diese Weise, während sie die Situation in der Ukraine verschlafen haben, während sie sich sicher waren, daß sich alles zu ihren Gunsten entscheidet, ohne daß sie sich dafür anstrengen müssen, hat Europa die Möglichkeiten der Einflußnahme auf diese Situation genau dann verloren, als die Entwicklung ihr unmittelbares Wohlbefinden bedrohte. Jetzt hat die EU keine Zeit mehr für eine langsame politische Neuausrichtung und für schnelle radikale Entscheidungen hat sie keine Mechanismen.

Die USA sind nicht daran interessiert, die Kontrolle über Europa zu verlieren und die Situation in der Ukraine erhöht die Bedeutung solcher Politiker wie Orban und Tsipras. Die USA haben keine anderen Einflußmechanismen auf solche Politiker als Bestechung, Erpressung und Regimewechsel. Der letzte Mechanismus ist der häufigste. Unter Berücksichtigung der Bereitschaft der Regierungen, sich zu verteidigen, müssen die Regimewechsel von Anfang an einen harten gewalttätigen und blutigen Charakter annehmen, und das ist die Übertragung des Bürgerkrieges auf das Territorium der EU – und das ist so auch schon instabil.

Das alles läßt mich glauben, daß die Möglichkeiten mit den bestehenden politische Mechanismen die europäische Katastrophe schon vertan sind, und es gibt einfach keine Zeit, um neue aufzubauen. Europa kann nur durch ein Wunder gerettet werden. In den letzten Jahren spezialisierte sich Putin auf Wunder in der Politik. Aber Europa hat keinen eigenen Putin, und sie weigert sich die Dienste Rußlands anzunehmen.

Rostislav Ischenko arbeitete in Außenministerium der Ukraine und in der Präsidentenadministration. Jetzt ist Rostislav Ischenko ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für die Systemanalyse und Prognose in Rußland.