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“Europa in Brand”: Rostislav Ischenko sagt Krieg in Europa voraus

Aus der Sicht der Geopolitik spielt es keine Rolle, wie viele Tote es gibt

Wir werden noch erfahren, wie viele Panzer, Kanonen, Gefangene die Volkswehr in Debalzewo eingenommen, wie viele Tote Kiew verloren hat. Aus der Sicht der Geopolitik spielt es keine Rolle. Von Bedeutung ist nur die Tatsache der großflächigen Niederlage der ukrainichen Armee, die die Fähigkeit verloren hat in einer relativ kurzen Zeit die Kampffähigkeit herzustellen.

Jetzt, auch wenn die USA sich eine reelle und nicht nur virtuelle Möglichkeit der Bewaffnung der ukrainischen Armee ausdenken, wird man dafür mindestens ein Jahr und riesige finanzielle Investitionen brauchen. Die USA werden das offensichtlich nicht tun. Und offensichtlich weiß man dies in Europa. Mehr noch, sie wussten das noch bevor die ukrainische Armee am 16-18 Januar die unglückliche Offensive zu starten versuchte.

Berlin und Paris (selbstverständlich auch Brüssel) sind bestens informiert

Auffallend schnell reagierten Merkel und Holland auf die noch nicht stattgefundene (nur sich abzeichnende) Niederlage in Debalzewo. Sie haben gar keine Zeit gebraucht um die Position der USA zu erfahren. Sie haben gehandelt während das Bild erst angefangen hat sich abzuzeichnen, schon wissend, welche Konsequenzen das haben wird. Das heißt, Berlin und Paris (selbstverständlich auch Brüssel) waren informiert, daß es der letzte Versuch war Kiew zu retten. Wenn die Offensive scheitert, wird die Situation von den USA freigegeben.

Das alles entspricht den Interessen der Amerikaner oder wenigstens widerspricht es ihnen nicht

Natürlich wird Washington die kiewer Nazis nicht als ein verbrecherisches Regime anerkennen und die Unterstützung des gerechten Kampfes des Donbass-Volkes und des Untergrundes auf den von Nazis okkupierten Territorien verkünden. Sie werden aufhören sie von den inneren Streitigkeiten abzuhalten. Sie werden auch aufhören Geld zu geben. Aber das Wichtigste ist – es wird ihnen erlaubt sein frei für die Macht zu kämpfen.

Es ist kein Geheimnis für die USA, daß in diesem Fall nach einer Reihe von immer blutigeren Staatstreichen die Macht an die radikalsten, nazistischsten aller Nazis übergeht. Dieser Prozess wird durch einen schnellen Verlust der äusseren Legitimisierung der Kiewer Macht und durch die politische Fragmentierung der vom Kiew kontrollierten Territorien begleitet. Aber das ist für die USA im Prinzip akzeptabel.

Erstens führt der Bürgerkrieg vom Somalischen Typ (wenn es zehn und mehr Konfliktseiten gab) zu einer schnellen und effektiven Vernichtung nicht nur der Wirtschaft, sondern auch des Lebensraumes. Das bedeutet, daß Millionen Menschen fast gleichzeitig eine Möglichkeit verlieren sich von einem Territorium, das noch vor Kurzem ihr Staat war und einen ausreichenden Lebensstandard sicherte, zu ernähern.

Zweitens braucht die Unterstützung solch eines Konfliktes keine großen Investitionen, er erhält sich nicht nur selbst, sondern er wächst, weil in einer Situation, in der das einzige Produktionsmittel das Maschinengewehr ist, arbeiten alle als Soldaten (und die glücklichen – als Feldkommandeure). Anders kann man nicht überleben. Das heißt, die USA brauchen gar kein Geld mehr für die Ukraine.

Drittens ist so ein Konflikt schwieriger zu löschen, sogar von einer Außenkraft. Es ist nötig nicht nur mit einer einflußreichen Gruppe zu verhandeln, mit der man irgendwie einen gemeinsamen Nenner finden kann, sondern mit einem Dutzend kleiner, dabei oft miteinander kämpfenden Gruppen, die ständig verschwinden und neu entstehen. Es ist am schwersten den Partisanenkampf zu unterdrücken, der kein einheitliches Steuerungszentrum besitzt, der unabhängig von einem Versorgungsgebiet ist, der es nicht nötig hat bestimmte Punkte zu verteidigen, sondern wenn nur für das Essen gekämpft wird und für die Waffen, die dieses Essen gewährleisten.

Viertens während die immer weiter zerfallende Macht an immer radikalere Nazis übergeht, werden in der Ukraine immer effektiver die Menschen abgeschlachtet, die man der Rußland-Sympathien verdächtigt. Natürlich wird es sehr bald egal werden, ob “prorussisch” oder “proamerikanisch”, es wird nicht nur für Wurst getötet, sondern bald auch schon für das Brot, aber die ersten Schläge (solange noch irgendwelche Organisation existiert) werden gegen die Russen der Ukraine ausgeführt.

Die weitere Unterstützung von Poroschenko als einen stabilisierenden Faktor des ukrainischen politischen Lebens beginnt aber mittlerweile den amerikanischen Interessen zu widersprechen

Erstens – wenn schon die ukrainische Armee allmählich aber recht schnell aufhört, als eine organisierte Kraft zu existieren und ihre Wiederherstellung mehr Zeit braucht, als man zur Verfügung hat und mehr Ressourcen als es Sinn hat auszugeben, dann braucht man auch keinen Oberkommandierenden und auch keinen Generalstab. Die Feldkommandeure brauchen keinen Stab.

Zweitens – die Situation in der Ukraine verschlechtert sich in einem solchen Tempo, daß das Volk schon ein Opfer braucht. Jemand muß sich für das Scheitern der Reformen, für die fehlende Visumsfreiheit mit der EU und Renten und Gehälter “wie in Deutschland” und sonstigem Guten, was auf dem Maidan versprochen wurde, verantworten. Wenn Poroschenko den Krieg im Osten gewonnen hätte, dann würde auch Janzenjuk in diese Rolle passen. Aber Poroschenko hat den Krieg verloren und jetzt leidet der “junge talentierte Reformator”, denn der alte Verräter und Rückständler im Präsidentensessel läßt ihn das Land nicht retten.

Drittens, und das ist der wichtigste Faktor, daß Poroschenko sein Urteil unterschreibt, denn die nazistischen Bataillone und die nicht ideologisierten Freiwilligen, die “das Land verteidigten”, die einfachen Wehrpflichtigen, die von den Kriegskommissariaten eingefangen und ins Niemandsland geschickt wurden, wollen nach den Niederlagen an der Front, dem Tod ihrer Kameraden und den schamlosen Lügen von Poroschenko, der die Soldaten für seine Ambitionen opferte, sein Blut.

Wenn man den Willen des einfachen Volkes ignorieren kann, dann sollte man die Wünsche des bewaffneten Volkes befriedigen

Das ist alles leicht zu berechnen und in Brüssel sollte das bekannt sein. Deswegen, sobald es klar wurde, daß die nächste militärische Katastrophe unvermeidbar ist, organisierten Paris und Berlin eine merkwürdige Mission. Sie ist merkwürdig, weil, während sie scheinbar die Ukraine unterstützten, sie maximal die Wünsche von Putin befriedigten, maximal Poroschenko erniedrigten und scheinbar nichts erreichten. Sie erreichten nichts, wenn man davon ausgeht, daß sie das Kiewer Regime retten wollten. Aber in Wirklichkeit versuchten sie einen Tausch – ganz schnell Kiew zu verraten (weil sie schon wußten, daß Kiew von den USA aufgegeben wurde), um sich auf die Stabilisierung der EU zu konzentrieren. Jedoch, wie ich schon oben schrieb, spielt in der Politik Zeit oft eine Schlüsselrolle.

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