Home / Medien / Aus den Blogs / “Europa in Brand”: Rostislav Ischenko sagt Krieg in Europa voraus

“Europa in Brand”: Rostislav Ischenko sagt Krieg in Europa voraus

ischenko rostislav Quelle: oko-planet.su

ishchenko

Rostislav Ischenko arbeitete in Aussenministerium der Ukraine und in der Präsidentenadministration. Jetzt ist Rostislav Ischenko ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für die Systemanalyse und Prognose in Rußland.

Rostislav Ischenko ist ein Analyst und Präsident des ukrainischen Zentrums für die Systemanalyse und Prognose. Noch im Sommer vor dem Maidan hat er den Staatstreich und den Bürgerkrieg in der Ukraine vorausgesagt. Jetzt sagt er einen Bürgerkrieg in Europa voraus:

Gescheite, kluge, gebildete Menschen, die die Situation recht realistisch einschätzen, fragen: Warum muß Europa niederbrennen? Und sie begründen: Erstens, warum sollen die Amerikaner ihren engsten Verbündeten anzünden? Zweitens, Europa kann jederzeit einen Rückzieher machen, die richtige Entscheidung treffen, sich von den USA distanzieren und sich retten.

Scheinbar stimmt es. Den USA blieben nach Europa keine Verbündeten mehr. Die EU kann von niemandem gezwungen werden als Opferlamm wortlos in den Tod zu laufen. Mehr noch, der Besuch von Hollande und Merkel in Moskau, dann Minsk, die beunruhigten Stimmen aus Polen (dem treuesten Wächter der amerikanischen Interessen in der EU), ein offener Aufstand Griechenlands und ein latenter, in die offene Phase übergehender Aufstand Ungarns – das alles zeigt, daß die EU endlich realisiert (auf der höchsten politischen Ebene), was die Fortsetzung der bedienungslosen Unterstützung der nazistischen Ukraine und des leichtsinnigen Sich-treiben-lassen im Fahrwasser der amerikanischen Politik für sie bedeutet. Ja, sie hat es realisiert. Doch in der Politik spielt der Zeitfaktor eine große, oft eine entscheidende Rolle.

Ich war sicher, daß die EU Politik sich schon im letzten Jahr (spätestens September-Oktober) radikal ändern würde, weil aus meiner Sicht die qualifizierten europäischen Politiker die Gefahr nicht übersehen konnten, und das Verhalten der europäischen Geschäftswelt davon zeugte, daß, wenn doch, daß da einer da war, der es ihnen erklärt hätte. Trotzdem hat die EU im Herbst-Winter 2014 und Anfang 2015 die antiRussische Rhetorik weiter verschärft und sich immer weiter auf der Seite der USA in den Konflikt reinziehen lassen, und sich dadurch die Rettungswege immer weiter abgeschnitten und den Freiraum für das Manöver eingeengt. Ich glaube nicht an die völlige Realitätsferne der europäischen politischen Elite, deswegen habe ich nur eine vernünftige Erklärung für ein solches Benehmen.

EU Politiker dachten: “Die Amerikaner gewinnen”

Nach der jahrzehntelangen Hegemonie der Amerikaner haben sich die europäischen Politiker so an die Alternativlosigkeit der USA-Dominanz gewöhnt, daß sie entgegen der offensichtlichen Tatsachen weiter sicher sind, daß die Amerikaner gewinnen und deswegen sie sich keine Mühe geben müssen. Ein Stereotypenwechsel geschah erst als die Unvermeidbarkeit der Niederlage der ukrainischen Streitkräfte in der Winterkampagne im Donbass klar wurde.

Ich glaube, keiner zweifelt daran, daß die europäischen Politiker nicht sentimental sind und es ihnen gleich ist, ob zwei oder zwanzig Tausend Ukrainer im Debalzewo-Kessel gefallen sind. Das bedeutet, die Niederlage der ukrainischen Armee erzeugte die Gefahr einer europäischen Katastrophe. Nur in Kiew und nur die realitätsfremden Mediadiener der Nazis glauben, daß die Kanzlerin und der Präsident alles fallen gelassen haben und einige Tage wenig geschlafen und schlecht gegesssen haben, um irgendeinen Poroschenko zu retten.

Warum beunruhigt die jetzige Niederlage der ukrainischen Armee Europa so sehr?

Blicken wir ein halbes Jahr zurück. Nach der Vernichtung der südlichen Gruppierung der ukrainischen Streitkräfte in August und dem Unterschreiben der Vereinbarungen im Minsk-1, erzählten die Kiewer massenmedien und Politiker, auch die höchsten Politiker, ganz offen, daß man nur ein wenig warten soll und dann die ukrainische Armee mit Donbass das selbe macht, was die Kroaten mit der Serbischen Krajina während der Operationen “Blitz” und “Sturm” gemacht haben. Es ist klar, daß diese Ideen weder in einem ukrainischen Gehirn noch in einem kroatischen Gehirn entstanden sind. Sowohl die Nazis von Tudjman als auch die von Poroschenko-Jazenjuk-Turtschinow wurden von Washington gesteuert. Sie haben nicht mal versucht ihre Absichten zu verbergen, denn es war klar, daß die Weigerung von Kiew gleichberechtigt mit den Führern der Volksrepubliken Donezk und Lugansk in Minsk zu verhandeln, keine andere als eine militärische Lösung übrig läßt.

Eine lange Pause in den aktiven Kampfhandlungen erlaubte der Volkswehr sich zu verstärken und führte die ukrainischen Kräfte zur militärischen Vernichtung, deswegen mußte man so schnell wie möglich handeln – sofort, sobald die Kampffähigkeit der im Sommer besiegten Einheiten wiederhergestellt war.

Offensichtlich erwarteten die USA eine passivere Position Rußlands und konnten die Europäer davon überzeugen, daß Kiew noch vor Ende Winter den Bürgerkrieg gewinnt würde. Uns allen ist klar, daß der theoretische Sieg von Kiew die geopolitische Situation wesentlich verändert hätte, auch würden sich die Möglichkeiten Rußlands deutlich verringern eine aktive Aussenpolitik zu führen und genauso deutlich würde sich die innere Gefahr für den russischen Staat erhöhen. Das heißt, wenn die EU vier-fünf Monate gewartet hätte, wäre sie – so war die Überzeugung – ohne großen Aufwand an der Seite des Siegers gewesen. Die Variante mit der Niederlage erschien auch nicht tödlich – wenn die Nazis den Donbass nicht vollständig hätten bereinigen können, dann hätte sich die Frontlinie etwas mehr oder weniger in eine oder andere Richtung verändert, und danach hätte sich der Positionskrieg fortgesetzt, in dem der Donbass schon einfach deswegen verliert, weil der grösste Teil seines Territoriums, darunter fast alle großstädte fast vollständig beschossen werden kann.

daß die Armee des Donbass eine ernsthafte Offensive starten kann, hat man in Brüssel und Washington nicht geglaubt, höchstens glaubten sie an eine effektive Verteidigung. Im Prinzip lief es fast einen Monat lang so. Ja, sie konnten die Frontlinie nicht durchbrechen. Ja, der Donezker Flughafen war verloren. Ja, es gab intensive Kämpfe bei Stschastje und Popasnaja, aber insgesamt war alles stabil. Und die EU machte sich keine Sorgen. Genau so lange, bis Uglegorsk eingenommen wurde und die theoretische Möglichkeit einer Umkesselung der Debalzewo Gruppierungen begann sich rasend in Realität zu verwandeln.

Aus der Sicht der Geopolitik spielt es keine Rolle, wie viele Tote gibt

Wir werden noch erfahren, wie viele Panzer, Kanonen, Gefangene die Volkswehr in Debalzewo eingenommen, wie viele Tote Kiew verloren hat. Aus der Sicht der Geopolitik spielt es keine Rolle. Von Bedeutung ist nur die Tatsache der großflächigen Niederlage der ukrainichen Armee, die die Fähigkeit verloren hat in einer relativ kurzen Zeit die Kampffähigkeit herzustellen.

Jetzt, auch wenn die USA sich eine reelle und nicht nur virtuelle Möglichkeit der Bewaffnung der ukrainischen Armee ausdenken, wird man dafür mindestens ein Jahr und riesige finanzielle Investitionen brauchen. Die USA werden das offensichtlich nicht tun. Und offensichtlich weiß man dies in Europa. Mehr noch, sie wussten das noch bevor die ukrainische Armee am 16-18 Januar die unglückliche Offensive zu starten versuchte.

Nächste Seite:

  • Berlin und Paris (selbstverständlich auch Brüssel) sind bestens informiert
  • Die EU hat ihre Chance einer GewissenUnabhängigkeit von der USA letztes Jahr vertan
  • Jetzt hat EU keine Zeit für ein ruhiges Neuausrichtung
  • Wenn man den Willen des einfachen Volkes ignorieren kann, dann sollte man die Wünsche des bewaffneten Volkes befriedigen
  • Europa hat leider keinen eigenen Putin, und sie weigert sich die Dienste Rußlands anzunehmen