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Dürre im Westen der USA – Kalifornien sehnt sich nach Wasser

Das Aquädukt des Colorado River bei Hayfield Lake in Kalifornien. Die Pegel sind auf rekordtiefem Niveau. (Bild: Lucy Nicholson / Reuters)

Mensch, Tier und Landwirtschaft leiden unter der verheerenden Dürre in Kalifornien. Mit einer staatlich verordneten Wasserreduktion will Gouverneur Brown die Folgen eindämmen.

«Braun ist das neue Grün», steht auf dem Schild in einem Vorgarten. Auf einem anderen durstig aussehenden Rasen hat der Besitzer eine Tafel placiert mit der Aufschrift: «Ich trage meinen Teil bei». Derart vertrocknete Wiesen gehören dieser Tage fest zum Stadtbild von Los Gatos – einer Vorstadt von San Jose im Santa Clara Valley – ebenso wie leere Flußbetten. Ein solches findet sich etwa vor dem Gebäude der lokalen Wasserverwaltung. «Das hier ist normalerweise ein Reservoir», sagt der Mitarbeiter Marty Grimes und zeigt auf eine Fläche aus Sand, Steinen und ein paar Pflanzenstengeln. Erst auf den zweiten Blick und mit ein wenig Phantasie erkennt man die Form eines Beckens. Grimes arbeitet seit 20 Jahren bei der Behörde des Santa Clara Valley. Leer oder gar ausgetrocknet sei das Reservoir in dieser Zeit zuvor nie gewesen.

Kalifornien erfährt derzeit eine der schlimmsten Dürren, die der Gliedstaat je erlebt hat.

Grund dafür ist eine fatale Kombination aus sehr wenig Niederschlag und starker Hitze. 2014 war das wärmste je gemessene Jahr sowie das drittrockenste seit Beginn der Aufzeichnungen vor 119 Jahren. Außergewöhnlich ist aber nicht nur die Intensität der jetzigen Dürre, sondern auch ihr geografisches Ausmaß. Die extreme Trockenheit betrifft diesmal nämlich auch den Norden Kaliforniens und nicht nur den besonders warmen Süden, der häufiger Dürren erlebt. Erschwerend kommt hinzu, daß nun auch noch eine Wasserquelle stockt, die gerade im Sommer essenziell ist: das Schmelzwasser von den Bergen der Sierra Nevada. Ein Drittel seines Wassers bezieht der Gliedstaat normalerweise von dort. Doch auch das Schmelzwasser ist dieses Jahr knapp, weil die vergangenen Winter zu warm waren. Im April hatte die Schneedecke gerade einmal 6 Prozent ihrer Durchschnittshöhe.

Drastische Schritte ergriffen

Als Folge des Wassermangels hat der Gouverneur von Kalifornien, Jerry Brown, am 1. April den Notstand verhängt. Zum ersten Mal in der 165-jährigen Geschichte des Gliedstaats wurde eine verbindliche Wasserreduktion angeordnet. «Wir befinden uns in einer neuen Ära», sagte Brown. Die Tage, an denen die Bürger ihre «hübschen kleinen Rasen» jeden Tag gossen, seien vorbei. Konkret müssen städtische Gebiete ihren Wasserverbrauch dieses Jahr um 25 Prozent im Vergleich zu 2013 reduzieren. Diese Auflage bezieht sich auf die 400 lokalen Wasserbehörden, die 90 Prozent der Einwohner sowie einen Teil der landwirtschaftlichen Betriebe versorgen. Wie sie die Auflage umsetzen und Verstöße ahnden, ist weitgehend den Behörden überlassen.

Der Westen der USA leidet unter der Dürre. Tragweite der Trockenheit in verschiedenen Regionen – Stand 21. Juli 2015

Kalifornien gewinnt sein Wasser aus Regen, aus Schmelzwasser und aus anderen Gliedstaaten, etwa aus dem Colorado River. Rund 50 Prozent des nutzbaren Wassers werden in die Natur zurückgeführt, um beispielsweise sicherzustellen, daß bedrohte Fischarten nicht aufgrund trockener Flussbetten aussterben. Etwa 10 Prozent gehen an Städte, Gemeinden und die Industrie, rund 40 Prozent erhält die Landwirtschaft.

Wer welches Anrecht auf die knappe Ressource hat, ist nun die große Streitfrage. Die von Gouverneur Brown im April angeordnete Maßnahme sparte zunächst viele Landwirte aus, weil diese ihr Wasser meist nicht von den lokalen Behörden beziehen. Doch mittlerweile hat die Regierung die Restriktionen ausgeweitet – zuletzt erstmals auch auf die Inhaber von «senior water rights», also auf Landwirte mit Wasserrechten, die mehr als 100 Jahre zurückdatieren.

Dieser Schritt illustriert den Ernst der Lage. Die Landwirtschaft Kaliforniens ist die größte in den USA, für sich allein genommen stellt sie gar die fünftgrößte weltweit dar. Etwa ein Drittel des amerikanischen Gemüses sowie zwei Drittel von Obst und Nüssen stammen von hier.

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