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Die wahre Gefahr des Zerfalls der EU kommt aus Dänemark

Quelle: www.vz.ru, Übersetzung: fit4Russland

Während Christensen mitreißende Reden auf Meetings zelebriert und den Kontakt mit den Verbündeten in Europa pflegt, ist Pernille Vermund zum Gesicht der “Neuen Bürgerpartei” geworden. Die blauäugige Blondine mit nahezu perfekter Optik macht sich sehr gut auf den Titelseiten von Zeitschriften und im Fernsehen. Darüber hinaus hat sie eine rührende Biographie, fast wie in einem Märchen von Hans-Christian Andersen.

“Kopftücher verbieten”, “Verpflegung für Migranten einstellen”, “Raus aus der EU” – mit solchen Parolen will die Dänische Partei “Neue Bürgerpartei” und ihre schillernde Führerin Pernille Vermund, die oft als “Dänische Le Pen” genannt wird, die Stimmberechtigten des Landes gewinnen. Die neue Partei der Euroskeptiker hat aber eine Besonderheit: Sie schlägt vor, daß sich Dänemark vom diskreditierten Deutschland trennt und unter die Schirmherrschaft von London geht.

Obwohl Dänemark das Image eines ruhigen und toleranten skandinavischen Landes hat, war es eines der Ersten, das durchgegriffen hat, als die selbst gemachten Flüchtlinge die Festung Europa stürmten. Insbesondere ist es das erste Landes, das vorübergehend das Schengener Abkommen aufhob: Noch im Jahr 2015 wurde die Grenzkontrollen an der Grenze mit Deutschland und Schweden eingeführt. Damals wurde ein Gesetz verabschiedet, das es ermöglichte, bei Migranten die Werte und Vermögen im Wert von über 10.000 Kronen zu konfiszieren. Auch mittels dieser Erlöse wollte der Staat die Unterbringung der Flüchtlinge zu organisieren und finanzieren versuchen, weil man vermutete, das wären keine so arme Migranten und somit müßten sie das akzeptieren und sich finanziell beteiligen.

Dabei hatte im Land eine liberale Partei die Macht, die ihren Worten nach für Multikulturalismus und Gleichheit auftrat. Jedoch drohte der 10-Millionen-Bevölkerung des kleinen Landes eine Kriminalitätszunahme und damit echte Katastrophe. Die Regierung hat versucht, das zu verhindern.

Offensichtlich hatten die Flüchtlinge eine Route quer durch Dänemark entdeckt und verwendeten es als Korridor nach Schweden. Sie hatten die Sozialleistungen in verschiedenen Ländern verglichen und kamen zum Schluß, daß Stockholm ihnen die höchsten Leistungen bieten kann: den besten sozialen Schutz und eine gute Chance, später ihre Verwandten zu sich nach Schweden zu holen. Laut den dortigen Regelungen für den Familiennachzug. “Die Migranten wählen sich in Europa ein Land aus um dort zu bleiben, gerade so, als ob sie am Einkaufen sind”, war damals der Führer der konservativen Dänischen Volkspartei (Dansk Folkeparti, DF) Kristian Thulesen Dahl empört.

Der größte Teil der Migranten kam aus Deutschland nach Dänemark, in einem normalen Zug, die fehlenden Grenzkontrollen innerhalb des Schengen-Raums ausnutzend. Als die Polizei zum ersten Mal versuchte, ihre Dokumente zu überprüfen, sprangen Hunderte von Migranten von der Zug-Plattform über die Gleise und, wie dänische Journalisten melancholisch schrieben, “liefen in den Wald”. Die gleiche Situation wurde auch auf der Öresundbrücke beobachtet , die die dänische Hauptstadt Kopenhagen mit Malmö in Schweden verbindet.

Die Grenzbeamten haben dann zwar immer weiter und wieder versucht, irgendwelche verlorengegangenen Pässe zu prüfen, aber die Illegalen liefen immer wieder einfach und unanständig weg, strömten durch das Land und haben erneut und hartnäckig versucht, sich über die Grenze ins gelobte Schweden-Schlaraffen-Land zu schleichen. Dabei halfen ihnen sehr gerne die Ortsansässigen. Für gutes Geld organisierten die den Transport nach Schweden auf ihren Booten. So war das kleine Dänemark überschwemmt mit Tausenden von illegalen Migranten. Am lautesten forderte jene Dänische Volkspartei Ordnung zu schaffen, die noch vor kurzem die konservativste im ganzen Land gewesen war.

Irgendwann hatte ein Abgeordneter des dänischen Parlaments sogar vorgeschlagen, Boote mit Flüchtlingen zu beschießen, damit sie sich nicht an die Küste von Dänemark annähern könnten.

Schließlich zeigten die Dänen mehrere Bestimmungen der europäischen Menschenrechtskonvention auf und drohten damit, ihr Recht einzuklagen, die Menschenrechtskonvention aus ihrer Sicht betrachten zu dürfen. Angela Merkel mußte mit dem dänischen Ministerpräsidenten Lars Rasmussen im manuellen Modus direkt verhandeln, und versuchte hartnäckig ihn zu überreden, das Land für Flüchtlinge zu öffnen.

Eine andere Sache ist jedoch, daß all diese Maßnahmen, wofür die europäische Weglassungs- und faktenarme Vermutungspresse die dänische Führung als fremdenfeindlich abstempelte, keinen großen Erfolg gebracht hatten. Unkontrollierbare Migranten liefen weiterhin davon, in den Wald und verdarben jegliche dänische Kriminalstatistik.

Dabei hat die Dänische Volkspartei, der Hauptfeind von Migranten, ihren Eifer deutlich gesenkt und bildete eine Koalition mit den regierenden Liberalen von “Venstre” (Danmarks Liberale Parti). Aber so ist das in der Natur. Ein Vakuum wird sofort gefüllt, und die Rolle von Verteidigern des traditionellen Europa haben die “neue Rechte”, die “Neue Bürgerpartei” schnell übernommen. Das ist eine im Moment rein zahlenmäßig noch kleine politische Vereinigung, in der es eigentlich nur dreitausend Mitglieder gibt, geführt von den ehemaligen Mitgliedern der “Dänischen Volkspartei” Pernille Vermund und Peter Christensen. Ihre politische Karriere bei der “Dänischen Volkspartei” hatte nicht geklappt und heute beschimpfen sie ihre ehemaligen Kollegen dafür, daß sie sich an das europäische Establishment verkauften und versprachen den Dänen eine “wahrhaft konservative Agenda”.

Der “Neuen Bürgerpartei” ist es schnell gelungen, zwanzigtausend Unterschriften von Wählern zu sammeln, was es ihnen ermöglicht hat, im Folketing (Parlament) im Jahr 2019 und bei den Kommunalwahlen bereits im November 2017 zu kandidieren.

Während Christensen mitreißende Reden auf Meetings zelebriert und den Kontakt mit den Verbündeten in Europa pflegt, ist Pernille Vermund zum Gesicht der “Neuen Bürgerpartei” geworden. Die blauäugige Blondine mit nahezu perfekter Optik macht sich sehr gut auf den Titelseiten von Zeitschriften und im Fernsehen. Darüber hinaus hat sie eine rührende Biographie, fast wie in einem Märchen von Hans-Christian Andersen.

Vor ein paar Jahren wurde die 41-jährige Pernille Vermund von ihrem Mann verlassen. Die alleinerziehende Mutter mußte die Politik (Dänische Volkspartei) zur Seite legen und sich voll und ganz der Erziehung ihrer drei Söhne widmen. Bald jedoch hatte sie verstanden, daß sie nicht mehr länger schweigen kann, ging zurück in die Politik und gründete ihre eigene Partei. In Abwesenheit von Sponsoren verdiente Pernille Vermund Geld für die Partei selbst und eigenhändig und noch vor Kurzem war sie gezwungen, in einem Café als Kellnerin in Teilzeit zu arbeiten.

Sie wird manchmal auch als die “Dänische Le Pen” genannt. Von Einigen positiv, von den Anderen mit Feindseligkeit.

Die “Neue Bürgerpartei” fördert die traditionelle Tagesordnung für modernen europäischen Nationalismus: Die Beendigung der Aufnahme von Flüchtlingen, eine Rückbesinnung auf die dänischen Werte und das Verbot von Hijabs. Darüber hinaus verlangen sie von den Migranten zu arbeiten und nicht von Sozialhilfe zu leben.

Aber im Allgemeinen ist ihr ökonomisches Programm anders. Die Partei will ein Ende mit dem skandinavischen Sozialismus in Dänemark. Insbesondere beantragt sie die Steuern so radikal zu verringern, daß der Staatshaushalt es einfach nicht fertigbrächte weiterhin den sozialen Bereich zu finanzieren. Dabei schlägt Pernille Vermund vor, ganz auf die Steuer für Kapitalgesellschaften zu verzichten, was nichts Anderes heißt, als daß sie in Dänemark ein kleines nettes Offshore, einen perfekten Wohnort für große transnationale Gesellschaften nach dem Zusammenbruch der Europäischen Union herrichten will.

Das wichtigste Punkt der Tagesordnung der “Neue Bürgerpartei” ist der Austritt Dänemarks aus der EU und Kurs auf die Annäherung zu Großbritannien.

Historisch gesehen war das dänische Königreich einst fast ein Vasall von Deutschland. Sie hatten jene Beziehungen, die leicht erinnern an die Beziehung zwischen Rußland und den baltischen Staaten. Unter Hitler stellte Dänemark den Rekord für die Geschwindigkeit der Übergabe seiner Truppen an die Truppen des Deutschen Reichs auf: Der dänische Widerstand dauerte genau zwei Stunden. Trotzdem wurde Dänemark nach dem Krieg als bedauernswertes Opfer des faschistischen Regimes anerkannt und bis 1983 erhielt es von Deutschland Reparationen. Aber das hinderte dänische Politiker nicht, von Zeit zu Zeit von Berlin neue Entschädigung “für die heldenhaften Leiden des dänischen Volkes” zu verlangen.

Heute ist Deutschland der größte Wirtschafts- und Handelspartner Dänemarks. Der politische Einfluß von Merkel in dem Land ist riesig. Doch gerade diese engen Beziehungen der beiden Länder spielen in letzter Zeit gegen Berlin: Die Dänen schauen entsetzt auf die Anschläge und Gewalttaten, die die Migranten in der BRD veranstalten, und vermuten, daß all dies ihre eigene Zukunft werden sollte.

Wenn außerdem die zentrifugalen Kräfte in der EU weiter wachsen werden, droht es mit einer Schwächung der historisch gewachsenen “Partnerschaft ersten Ranges”.

So beginnt Dänemark also ganz nach der Logik eines Vasallen, sich um einen neuen Patron zu kümmern.

Und hier erwies sich die Idee als sehr hilfreich, die bei britischen Anhängern der Scheidung mit der EU beliebt war. Am aktivsten sprach sie Daniel Hannan aus (Daniel John Hannan ist ein britischer Journalist und Politiker der Conservative Party und seit 1999 Mitglied des Europäischen Parlaments), der leidenschaftlichste Verfechter des Brexit im britischen Parlament. Seinen Gedanken nach wird das Vereinigte Königreich nach dem Austritt aus der EU in der Lage sein, eine “freundliche Allianz” mit seinen Nachbarn zu bilden. Unter den Kandidaten für eine “besondere Beziehung” mit London wird oft Polen und Dänemark genannt.

Verbunden durch wirtschaftliche und politische Allianzen, werden diese verbundenen Länder nach dem Vorhaben der britischen Strategen, Beziehungen neuer Art mit der EU aufbauen können, oder doch mit dem, was von der EU noch übrig bleibt.

Die Idee eines neuen Bündnisses der Länder, in dem England die führende Rolle übernehmen wird, ist bei jenen britischen Boulevardzeitungen sehr beliebt, die aktiv für den Brexit warben. Heute veröffentlichen sie Fotos der attraktiven Pernille Vermund auf ihren besten Seiten und schreiben voller Sympathie über die “Neue Bürgerpartei”.

Trotz aller nationalistischer Pro-Dänemark-Rhetorik, für Kopenhagen ist diese Partei d i e Chance, bei Bedarf den “Chef” zu wechseln und für Großbritannien ist es die Möglichkeit einen neuen Vasallen zu bekommen.

Artikel zuerst erschienen auf: https://www.fit4russland.com/analyse/1809-die-wahre-gefahr-des-zerfalls-der-eu-kommt-aus-daenemark-und-uebertrifft-die-bisher-beschworene-russische-gefahr-um-laengen