Home / Reisen und Abenteuer / Die Transsibirische Eisenbahn

Die Transsibirische Eisenbahn

Von Moskau nach Wladiwostok mit der Eisenbahn, das ist die Strecke für die hartgesottenen Fans des Schienenverkehrs.

Knapp 9300 Kilometer – acht Tage und sieben Nächte dauert diese Fahrt. Die Wagen sind zumindest in der ersten Klasse komfortabel, aber nicht luxuriös. In der Holzklasse sind sie eine echte Herausforderung für die Fahrgäste. Billig ist dieses Vergnügen auch nicht mehr, aber wer diese Reise einmal gemacht hat, wird wohl noch seinen Enkelkindern davon erzählen. Zug der Transibirischen Eisenbahn fährt an einem Seeufer entlang. Im Hintergrund verschneite Berge. (Rechte: dpa) Die Transsib führt durch traumhafte Landschaften

Die Geschichte der Transsib Ende des 19. Jahrhunderts wagten sich die Russen unter ihrem Zar Alexander III. an die gigantische Aufgabe, eine Bahnlinie quer durch Eurasien zu bauen. Die strategischen Vorteile lagen auf der Hand: Man wollte mit der bahn einen eisfreien pazifischen Hafen erreichen, einen besseren Zugriff auf Sibiriens Rohstoffe ermöglichen und Raum für die expandierende Russische Wirtschaft schaffen.

Am 31. Mai 1891 legte der damalige Thronfolger Nikolai Alexandrowitsch (der spätere Zar Nikolai II.) den Grundstein zum Bau der Transsib in Wladiwostok an der Pazifikküste. Die Bahn wurde nicht zusammenhängend gebaut, sondern es wurden im Lauf der kommenden Jahrzehnte verschiedene Teilstücke in Angriff genommen und fertig gestellt. Noch heute läßt sich an den Namen der einzelnen Eisenbahnverwaltungen ablesen, welche Teilstrecken das waren: Westsibirien-, Mittelsibirien-, Baikal-, Transbaikal-, Amur- und Ussuri-Bahn.

Anfangs fuhr die Transsib mit Dampfkraft. Die Schwierigkeiten beim Bau dieser Bahnstrecke waren groß. Zeitweise waren mehr als 90.000 Arbeiter damit beschäftigt, die Gleise zu verlegen. Da in Sibirien so gut wie keine qualifizierten Arbeitskräfte zu finden waren, mußten diese oft über Tausende von Kilometern herbeigeschafft werden. Einfache Lohnarbeiter kamen aus China, Japan und Korea, ein Teil der Steinmetze für die Brückenarbeiten sogar aus Italien.

Die sibirische Kälte machte im Winter das Leben fast unerträglich. Im Sommer dagegen ertranken die Arbeiter geradezu im Schlamm entlang der Strecke. Trotzdem schafften sie es, die Transsib innerhalb von 25 Jahren fertig zu bauen. Zehntausende verloren dabei jedoch ihr Leben. Schwere Unfälle waren an der Tagesordnung, ausbrechende Epidemien konnten aufgrund mangelnder ärztlicher Versorgung nur schwer eingedämmt werden. Zwar wurde der regelmäßige Schienenverkehr zwischen St. Petersburg und Wladiwostok schon 1903, also zwölf Jahre nach Baubeginn, aufgenommen. Mit einem ununterbrochenen Schienenstrang waren die beiden Städte bereits 1904 verbunden, allerdings nicht im endgültigen Verlauf. So dauerte es bis Oktober 1916, bis die Bauarbeiten an der Transsib auf dem Gebiet des russischen Reiches endlich vollendet waren.

Zahlen und Fakten

Die Länge der Strecke, die seit dem 25. Dezember 2002 auch durchgehend elektrifiziert ist, beträgt exakt 9288,2 Kilometer. Die Transsib kreuzt zwei Kontinente: 1777 Kilometer davon entfallen auf Europa und 7512 Kilometer fährt die Bahn durch Asien. 16 große Flüsse und Ströme überquert die Transsib auf ihrem Weg von West nach Ost: Wolga, Wjatka, Kama, Tobol, Irtysch, Ob, Tom, Tschulym, Jenissei, Oka, Selenga, Seja, Bureja, Amur, Chor und Ussuri. Die breiteste Überführung führt gut zwei Kilometer über den Amur.

Der kälteste Abschnitt der Transsib findet sich circa 800 Kilometer nordöstlich von Tschita, zwischen Mogotscha und Skoworodino. Hier können die Temperaturen im Winter auf bis zu minus 60 Grad Celsius fallen. Die größte Steigung der Strecke liegt am Ufer des Baikalsees und führt hinauf zum Adrianowpass. Innerhalb von nur 30 Kilometern muß die Bahn mehr als 400 Höhenmeter bezwingen.

Der Zug durchfährt sieben Zeitzonen, wobei man bei einer Reise mit der Transsib beachten muß, daß alle Fahrpläne und Abfahrtszeiten sich immer nur auf die Moskauer Zeit beziehen. Auch die Bahnhofsuhren an den Stationen zeigen die Moskauer Zeit.

Wagenklassen

Eine Reise in der Transsib kann man in vier unterschiedlichen Wagenklassen antreten – von bequem bis abenteuerlich:

  • Schlafwagen, auf russisch “spalnyj wagon”, ermöglichen die komfortabelste, aber auch teuerste Art des Reisens. Die Waggons bestehen in der Regel aus Zwei-Personen-Abteilen ohne Waschgelegenheit.
  • Coupéwagen, auf russisch “kupejnyj wagon”, sind eine gute Möglichkeit, ordentlich und doch verhältnismäßig preiswert mit der Transsib zu reisen. Es sind Vier-Personen-Abteile, bei denen tagsüber die oberen Betten hochgeklappt werden können.
  • Platzkartenwagen, auf russisch “plazkartnyj wagon”, besitzen keine richtigen Abteile, vielmehr sind sie zum Gang hin offen. Dies ist wohl eher eine Option für arme Studenten.
  • Gemeinschaftswagen, auf russisch “obschtschij wagon”, sollte man nur im äußersten Notfall benutzen. Für die Abteile werden so viele Karten verkauft, daß nachts zum Teil nicht genug Schlafplätze vorhanden sind. Außerdem gibt es keine Bettwäsche.

Die Züge der Transsib haben wie alle russischen Züge eine Nummerierung, die gleichzeitig eine Art Klassifizierung darstellt. Generell gilt: Je niedriger die Zahl, desto besser der Zugstandard. So ist der bekannteste der Transsibzüge der Rossija-Express. Er hat die Zugnummer 1 beziehungsweise 2 und ist wirklich empfehlenswert, aber natürlich auch am teuersten.

Kleine Schwester – die Baikal-Amur-Magistrale

Die Baikal-Amur-Magistrale, kurz BAM genannt, verläuft nördlich der Transsib zwischen Taischet und dem Pazifik. Sie ist 4282 Kilometer lang und erschließt das sibirische Hinterland. Daneben soll sie die wirtschaftliche Verbindung nach Japan verbessern. Nach dem offiziellen Baubeschluß 1937 und wurde sofort mit ersten Bauarbeiten begonnen. Allerdings wurden während des Zweiten Weltkriegs alle Bautätigkeiten unterbrochen. 1974 begann dann der eigentliche Bau der BAM.

Den Sowjets war die Bahnstrecke nämlich plötzlich zu einem großen sozialistischen Prestigeobjekt geworden. Der kommunistische Jugendverband rief die sowjetische Jugend zur Mitarbeit auf und über 100.000 junge Leute kamen als Freiwillige. Es wurden Tunnel gebohrt, fast 2000 Brücken gebaut, Städte errichtet, Kohlegruben ausgehoben und Kraftwerke ans Netz gebracht. Am 27. Oktober 1984 wurde der Bau der BAM offiziell mit dem Einschlag des goldenen Nagels in die letzte Schwelle beendet. Allerdings wurde der letzte Tunnel erst 2003 fertiggestellt, bis dahin mußte der betreffende Streckenabschnitt noch mit Geländewagen durchquert werden.