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Die Skythen – Geschichte, Kultur und Geheimnisse des Reitervolks Teil 1

Von Hans Wagner

Die Skythen waren ein Volk nomadischer Steppenreiter. Die Skythen selbst hinterließen keinerlei schriftliche Aufzeichnungen. Die Skythen bildeten keine festgefugten Staatengebilde und es gibt nur wenige Spuren von Siedlungen. Dennoch hat die Steppe vor allem in jüngerer Zeit einige Geheimnisse über die Skythen preisgegeben.

EM – Die Skythen selbst nannten sich „Skoloten“ – doch da alles, was man über sie weiß, in fremder Zunge und Sprache überliefert ist, gingen sie nicht einmal mit ihrem eigenen Namen, sondern als „Skythen“ in die Annalen der Geschichte ein. Skythen wurden sie von den Griechen genannt, deren Geschichtsschreiber über das Leben dieses Volkes in vielen Einzelheiten berichtet haben. Durch sie wissen wir, wo die Skythen herkamen, welche Sitten sie kannten und wie sie kämpften.

Skythen lebten als Reitervolk in den Steppen Eurasiens

Die Skythen waren ein Reitervolk, das in den weiten Steppen Eurasiens lebte. In der Wissenschaft geht man davon aus, daß die Skythen zu jenen Völkern der nordiranischen Sprachgruppe gehörten, die im ersten Jahrtausend v. Chr. aus Mittelasien in die südrussischen Steppengebiete der Turanebene eingeströmt waren.

Die Steppenregion im Süden Rußlands ist ungewöhnlich reich an Zeugnissen alter Kulturen. Seine geographische Lage macht dieses Gebiet zu einem Knotenpunkt, an dem sich die Wege vieler historischer Völker kreuzten. Stämme aus dem Kaukasus, Reiternomaden aus den asiatischen Weiten, Griechen und Römer, Iraner und schließlich die Goten – alle waren eine Zeitlang in diesem Gebiet zu Hause, um sich dann im Strom von Neuankömmlingen aufzulösen oder in andere Länder abzuwandern.

Die skythischen Steppenreiter fanden eine Heimat im Schwarzmeergebiet

Auch die Skythen wurden von anderen Völkerschaften – wie den Awaren zum Beispiel – verdrängt und fanden schließlich um das fünfte Jahrhundert ihre Heimat am Schwarzen Meer. Hier lebten die Skythen in Nachbarschaft zu den Griechen. Dort, wo nach antikem Verständnis die Grenze zwischen Europa und Asien verläuft, am Asowschen Meer und dem Unterlauf des Don, zog das Reitervolk der Skythen zu dieser Zeit durch die Weiten der Steppe.

Die Skythen waren ein Volk, das nach griechischem Verständnis am Ende der Erde lebte. In unserer Zeit führen die Skythen in den Geschichtsbüchern ein Schattendasein – völlig zu Unrecht. Lange vor den anderen Reitervölkern, wie den Hunnen oder den Mongolen, waren die Skythen vor 2500 Jahren die Beherrscher Zentralasiens, unterwarfen fremde Stämme zwischen dem Pamirgebirge und der Oder.

Skythen siedelten auf dem Gebiet der heutigen Ukraine – eine Wallburg am Dnjepr war Hauptstadt Großskythiens

Als sie sich im fünften Jahrhundert v. Chr. in das Gebiet nördlich und östlich des Asowschem Meeres zurückgezogen hatten, tauchten sie bald darauf in den Berichten der benachbarten Griechen auf. Zu dieser Zeit schrieb Herodot sein Geschichtswerk, dessen 4. Buch sich ausführlich mit den Völkerschaften des nördlichen Schwarzmeergebietes und der angrenzenden Steppen befasst.

Damals erstreckte sich der Herrschaftsbereich der Skythen vom Unterlauf des Don im Osten bis zur Donau im Westen – ein Gebiet das etwa der heutigen Ukraine entspricht. Ursprünglich hatten der Aktionsradius und die Kultur der Skythen vom Don bis zum Ural und bis in das nördliche Kasachstan und nach Sibirien gereicht.

Die Skythen waren kein einheitliches Volk, sondern ein Stammesverband, der ein Territorium beherrschte, auf dem sowohl nomadische als auch seßhafte Gruppen lebten und zu dem auch nichtskythische Stämme gehörten.

Ein Troß filzbespannter Wagen folgte den reitenden Männern der Skythen

Die dominierende Stellung unter diesen Stämmen kam laut Herodot königlichen Skythen zu. Sie standen an der Spitze der skythischen Stämme. Ihr Status war erblich. Einer von ihnen, König Ateas, schuf im 4. Jh. v. Chr. ein Großreich, das die Stämme der Skythen vom Asowschen Meer bis zur Donau vereinte. Zum Verwaltungs-, Handels- und Wirtschaftszentrum Großskythiens wurde eine Wallburg am unteren Dnjepr bestimmt.

Lebensweise und Kultur der Skythen werden u.a. in einem Bericht geschildert, der dem griechischen Arzt und Gelehrten Hippokrates zugeschrieben wird. Darin heißt es: „Die sogenannte skythische Einöde ist eine Ebene, reich an Gras, doch ohne Bäume und mäßig bewässert. Sie ist durchflossen von großen Flüssen, die das Wasser von den Steppen wegführen. Hier also leben die Skythen. Nomaden nennt man sie, weil sie keine Häuser haben, sondern in Wagen leben, von denen die kleinsten vierrädrig, andere sechsrädrig sind. Diese Wagen sind vollständig mit Filz überdeckt und wie Häuser konstruiert.“

Diese Wagen der Skythen würden von hörnerlosen Rindern gezogen. In den Filzzelten auf den Wagen wären die Frauen untergebracht, die Männer, schreibt Hippokrates, ritten auf den Pferden. Weiter schreibt der berühmte griechische Gelehrte: „Es folgen ihnen das Kleinvieh, das sie besitzen, die Rinder und die Pferde. Sie bleiben nur so lange an einem Ort, wie das Gras für das Vieh reicht, wenn es zu Ende geht, ziehen sie an einen anderen Ort. Sie selbst essen gekochtes Fleisch, trinken Stutenmilch und essen hippake, das ist Käse aus Stutenmilch. So sind die Lebensweise und die Bräuche der Skythen.“

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In den Augen der Griechen waren die Skythen eine versoffene Horde