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Die Skythen – Geschichte, Kultur und Geheimnisse des Reitervolks Teil 2

In den Augen der Griechen waren die Skythen eine versoffene Horde

Teil 2

Die Skythen wurden von den griechischen Geschichtsschreibern als unmäßige Trinker bezeichnet. Den Griechen fiel vor allem auf, daß sie den Wein pur tranken, nicht mit Wasser gemischt, wie es griechischer Sitte entsprach. Skythen importierten diesen Wein offenbar in großen Mengen über die griechischen Städte an der Schwarzmeerküste. Sein Besitz galtals ein Zeichen von Reichtum und Macht.

Wein wurde hochgestellten Toten der Skythen zusammen mit kostbarem Trinkgeschirr ins Grab gegeben. Die Trinksitten der Skythen scheinen teilweise auch auf die zeitgenössischen Griechen abgefärbt zu haben. So ermahnte der griechische Lyriker Anakreon wohl aus gegebenem Anlaß vor einer Veranstaltung seine Landsleute mit den Worten: „Heute wollen wir nicht wieder mit Geschrei und lautem Johlen wie die Skythen uns bezechen, wollen nur behaglich trinken und die schönsten Lieder singen.“

Herodot berichtet vom spartanischen König Kleomenes, er sei durch den Umgang mit den Skythen deren Sitte verfallen, unverdünnten Wein zu trinken. Man habe ihn schließlich der Trunksucht angeklagt. Seither hätten die Spartaner vom „skythischen Zechen“ gesprochen, wenn sie puren Wein becherten.

Die Liebe zum Wein hatten die Skythen mit ihren Verwandten, den Iranern gemein. Auch über sie hatte Herodot geschrieben, daß sie gewaltige Zecher seien: „Sie pflegen im Rausch die wichtigsten Angelegenheiten zu verhandeln. Den Beschluß, den man so gefaßt hat, trägt der Hausherr, in dessen Hause die Beratung stattfindet, am nächsten Tage, wenn die Beratenden nüchtern sind, noch einmal vor. Ist man auch jetzt damit einverstanden, so führt man das BeSchloßene aus. Auch ein Gegenstand, den sie nüchtern vorberaten haben, wird in der Trunkenheit noch einmal erwogen.“

Hippokrates beschreibt die skythischen Amazonen

Die Andersartigkeit der Steppenreiter beschäftigten das Interesse und nicht zuletzt auch die Phantasie der Griechen. Dass man wirklich jedes Wort für bare Münze nehmen kann, das sie über die Skythen verloren, bleibt zumindest zweifelhaft. Aber da sie die einzige Quelle über die Skythen sind, kommt man an ihren Berichten nicht vorbei.

Hippokrates beispielsweise schreibt über die Skythen am Asowschen Meer, das die Griechen seinerzeit als „Mäotis-See“ bezeichneten: Dort gäbe es einen Skythenstamm, der sich von den übrigen Stämmen unterscheidet […]. Ihre Frauen reiten, schießen mit dem Bogen, schleudern den Wurfspeer vom Pferd herab und kämpfen, solange sie Jungfrauen sind, gegen die Feinde. Sie geben ihre Jungfrauschaft nicht auf, bevor sie drei Gegner getötet haben […]. Ihnen fehlt die rechte Brust. Wenn sie noch ganz klein sind, drücken ihnen die Mütter ein spezielles heißes Bronzegerät auf die Brust, durch diese Verbrennung wird das Wachstum der Brust verhindert; Kraft und Fülle gehen ganz in die rechte Schulter und den rechten Arm.“

Hippokrates schildert in diesem Bericht offenbar die geheimnisvollen Amazonen, die zu jener Zeit immer wieder „Schlagzeilen“ machten. Ihren Ruhm begründeten sie vor allem durch kriegerische Glanztaten gegen das damalige Weltreich der Perser. Ihr größter Triumph war der Sieg über den Perserkönig Kyros d.Gr. Er hatte um 530 den Fluß Jaxartes (heute Syrdar‘ya) in Mittelasien überschritten und war mit seinen Truppen in das Reich von Tomyris, der Königin des Skythenstammes der Massageten, eingedrungen. Um einen Krieg zu verhindern, hielt Kyros zuerst um ihre Hand an. Doch Tomyris lehnte ab und forderte den persischen König zum Kampf heraus.

Perserkönig Kyros d. Gr. fiel im Kampf mit dem Heer der Skythenkönigin Tomyris

Im Vorfeld des folgenden Krieges gelang es dem Perserkönig zwar, ein Drittel des Massageten-Heeres in eine Falle zu locken und aufzureiben. Doch in der darauffolgenden Schlacht – nach dem griechischen Geschichtsschreiber Herodot „die Größte, die die Perser je geführt hatten“ – wurde das überlegene persische Heer von den Kriegern der Skythen, unter denen viele Frauen waren, vernichtet. Kyros d. Gr. fiel in der Schlacht. Er wurde von den Skythen erschlagen.

Das Nomadenvolk der Skythen, ohne eigene Schrift und ohne echtes Staatsgebilde, hinterließ keine eigenen Chroniken, die über seine Taten berichtet hätten. Sie hatten keinen Felix Dahn, wie die Goten, der ihre Taten und ihre Geschichte heroisiert, keinen Äschylos wie die Perser, der ihr Schicksal und ihren Niedergang in Dramen besungen hätte. Kaum jemand beruft sich heute auf sie, möchte skythischer Abstammung sein.

 

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Den Kampf vom Pferderücken aus entwickelten die Skythen zur Perfektion