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Die Runen: 3. Das Futhark

Elder-Runes

Rune selbst leitet sich zunächst ab aus dem althochdeutschen “Runa” für Geheimnis oder Geflüster.
Wotan, auch Odin genannt (Ódhinn = der Hohe), soll den Menschen die Runen gebracht haben. Er erhielt sie durch das Opfer seiner selbst am Baume Yggdrasil, an dem er neun Nächte mit dem Ger verwundet und ohne Speisung hing. Sein Galgen wurzelt im Urdbrunnen, dem in ältester Zeit die drei Nornen, die Schicksalsfrauen der nordischen Mythologie, entstiegen waren.

Durch die Runen kommt Odin vom Baum los und erhält eine weitere Deutung durch seinen Mutterbruder Mimir. Dem verpfändet er dafür eines seiner Augen, das nun in Mimirs Brunnen schwimmt.

Die Runen verleihen den mit ihr versehenen Dingen ihre Macht. Man verwendet sie zur Erforschung der Zukunft und kann mit ihnen Gegenstände weihen, beispielsweise einen Trinkbecher so bezaubern, so daß der kein Gift enthält.

Das Alphabet der Runen wird oft als “Futhark” bezeichnet, das sind die ersten 6 Buchstaben im Alphabet.Insgesamt besteht das Alphabet aus 24 Buchstaben, wobei diese in 3 Reihen zu je 8 Buchstaben unterteilt sind, die jeweils für eine Gottheit stehen

Das Runenalphabet Futhark

langrunenRunen besitzen Lautwerte, denen entsprechend man sie eben auch als Schriftzeichen verwenden kann, so wie beim lateinischen Alphabet auch. Anders als bei diesem haben die Runen darüberhinaus auch Eigennamen. Die germanischen und nordischen Völker gaben ihren Runenzeichen Namen, welche sich auf Aspekte ihres täglichen Lebens und ihrer Mythologie bezogen. Dadurch transformierten sie die einfachen Piktogramme in ein magisches Alphabet, welches zur Magie und Divination benutzt werden konnte.

Während beim römischen Alphabet das “A” auch nur “A” heißt und das “B” nur “B” (aber “Be” gesprochen wird) ist es bei den Runen eher mit dem “Y” vergleichbar, welches im Deutschen den Eigennamen “Ypsilon” hat. Hieran erkennt man, daß das “Y” ursprünglich nicht zum römischen Alphabet gehörte und im Deutschen dann einen Eigennamen erhalten hat (auch wenn dieser dem Griechischen entlehnt wurde), wohingegen das “Y” zum Beispiel im Englischen auch nur einen Lautwert (“Why”) als Namen erhalten hat. Ähnlich wie beim “Y” hat jede Rune einen Eigennamen, welcher mit ihrem Lautwert beginnt.

Ein Runenalphabet wird “Futhark” genannt. Dieser geheimnisvoll klingende Name ist eigentlich nur ein künstlicher Begriff für das Runenalphabet, der aus den Lautwerten der ersten sechs Runen gebildet wird. Das Wort “Futhark” hat zwar sieben Buchstaben, doch liegt dies daran, daß das “th” bei den Runen ein einziger zusammenhängender Buchstabe ist, wie im nordischen “Þ”. Korrekt müßte man eigentlich “FuÞark” schreiben, doch soll hier die deutsche Schreibweise beibehalten werden.

So setzt sich der Name “Futhark” aus den ersten sechs Runen Fehu, Uruz, Thurisaz, Ansuz, Raidho und Kenaz zusammen:

FehuUruzThurisazAnsuzRaidhoKenaz

Ähnlich ist auch das Wort “Alphabet” entstanden, ebenfalls ein Kunstwort, nur wird dieses aus den Namen der ersten beiden Buchstaben des griechischen Alphabets, “Alpha” und “Beta” gebildet, vielfach nennt man das Alphabet aber auch einfach das “ABC”. Deshalb ist man bei den Runen einen ähnlichen Weg gegangen. Das Futhark besitzt allerdings eine andere Reihenfolge als das Alphabet, denn es beginnt mit “F” und endet mit “O”. Auch das griechische Alphabet endet mit “O”, beginnt aber, wie das lateinische, mit “A”.

Im Gegensatz zur lateinischen und griechischen Schrift können Runen außerdem von rechts nach links geschrieben und gelesen werden, ebenso wie im Hebräischen und Arabischen. Interessanterweise sind in archaischen Zeiten alle als “heilig” angesehen Schriftsysteme linksläufig gewesen, und diese Schreibweise gilt als die älteste überhaupt. Das älteste etruskische Schriftdokument (Schreibtafel von Marsilina, 8. Jahrhundert v.u.Z.) zeigt eine linksläufige Alphabetanordnung, ebenso wie der älteste lateinische Schriftfund (Forumstein, 6. Jahrhundert v.u.Z.) linksläufig gehalten ist. Bei den Römern wurde die Entwicklung zur rechtsläufigen Schreibrichtung erst im 3. Jahrhundert v.u.Z. abgeschlossen.

Runen sind im Gegensatz zu den Buchstaben anderer Schriftsysteme nicht richtungsbestimmt, und weil ihre Einzelelemente in verschiedene Richtungen streben, prägen sie sich schwer ein. Sie können sowohl linksläufig als auch rechtsläufig geschrieben und gelesen werden, auch serpentinenartig zeilenweise abwechselnd rechts- und linksläufig, also “bustrophedon”, d.h. “wie ein Ochse das Feld pflügt”.

Selbst eine senkrechte Anordnung der Zeichen ist möglich, man kann sie sogar auf den Kopf stellen (“Sturzrunen”). Innerhalb von Runentexten verwendete man häufig Worttrenner, die in der Regel aus Punkten oder kleinen Einkerbungen bestehen.

Der Begriff “Futhark” ist neueren Datums, die Germanen selbst haben ihr “Alphabet” sicherlich nicht so genannt. Er ist auch allgemein die bekannteste und verbreitetste Bezeichnung für die Runenreihe und soll daher hier beibehalten werden.

Eine andere Bezeichnung ist zwar ebenfalls ein Kunstwort, trägt jedoch der möglichen Linksläufigkeit der Runenreihe Rechnung und setzt sich daher, von ihrem Ende ausgehend, rückwärts aus den drei letzten Runen Othala, Dagaz und Ingwaz zu “Oding” zusammen, in Runen dann natürlich ebenfalls linksläufig Ing, D und O geschrieben: IngwazDagazOthala

Was die Runen ganz wesentlich vom lateinischen Alphabet unterscheidet, ist die Tatsache, daß jede Rune nicht nur einen phonetischen Laut, einen numerischen Wert und einen Namen hat, sondern auch eine symbolische Bedeutung.

So steht beispielsweise die erste Rune Fehu “Fehu” nicht nur für den Laut “F”, sondern auch für das Wort “Vieh”. Hieran wird ihre magische und divinatorische Beziehung festgemacht. Damit kann Fehu im übertragenen Sinne dann für beweglichen Besitz und Reichtum, aber auch für magische Kraft stehen und symbolisiert alles, was sich damit verbindet.