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Pepe Escobar: Die NATO-Rußland Konfrontation in Syrien

Von Pepe Escobar, Quelle: rt.com, Übersetzung: FritztheCat (Propagandamelder)

Pepe-Escobar

Pepe Escobar aus Brasilien ist einer der herausragendsten Journalisten unserer Zeit. und arbeitet für Asia Times Online in Hongkong.

Ok, eine SU-30 fliegt ein paar hundert Meter für zwei Minuten in türkischen Luftraum ein (Provinz Hatay) und kehrt nach Syrien zurück, nachdem sie von zwei türkischen F-16 gewarnt wurden. Und dann ist der Teufel los. Als wäre das endlich der Vorwand für einen NATO-Rußland Krieg.

Die NATO, das war vorhersehbar, feuerte aus allen rhetorischen Kanonen. Rußland verursache eine “große Gefahr” und soll sofort damit aufhören, die putzigen “gemäßigten” Rebellen zu bombardieren! Die die Koalition der windigen Opportunisten nicht bombardieren will.

Aber Moment mal, die NATO ist zu beschäftigt um einen Krieg anzufangen. Wenigstens bis November liegt ihr Schwerpunkt auf dem monumentalen Manöver “Trident Juncture 2015”. 36.000 Soldaten aus 30 Ländern, mehr als 60 Kriegsschiffe, ca. 200 Flugzeuge; sie üben allen Ernstes die Verteidigung gegen das sprichwörtliche “die Russen kommen!”.

Aber der türkische Premierminister Ahmet Davutoglu – früher ein Verfechter der “keine Probleme mit den Nachbarn”-Doktrin) – “warnte” Moskau, daß man das nächste Mal “militärisch” antworten würde.

Bis er, war ja klar, zurückzog. “Wir haben aus Rußland erfahren…daß es ein Versehen war und daß sie die türkischen Grenzen respektieren, und daß es nicht mehr passieren wird.”

Der Zwischenfall hätte leicht entschärft werden können, über militärische Kanäle, ohne das ganze Aufplustern.

Aber Ankara – die Ostflanke der NATO – steht unter gewaltigem Druck der “Außergewöhnlichen”. Es ist kein Zufall, daß sich der Pentagon-Häuptling und berüchtigte Neokon Ash Carter mit Ankara über den Zwischenfall “abgestimmt” hat. Und Carter kann natürlich die offizielle Linie Washingtons meisterlich aufsagen: “Durch die militärischen Aktionen gegen Ziele der gemäßigten Rebellen in Syrien hat Rußland den Bürgerkrieg verschärft.”

“Sultan” Erdogan, voll auf Linie, und frisch zurück aus Straßburg (nein, keine Bewerbung für das Europäische Parlament), setzte noch eins drauf: “Assad hat Staatsterrorismus betrieben, und leider beschützen ihn Rußland und der Iran.”

Aber “Sultan” Erdogan wird nicht als der Auslöser des lange erwarteten heißen NATO-Rußland Krieg in die Geschichte eingehen. Jedenfalls noch nicht.

Gebombt wird nur wenn wir es sagen

Auftritt Dr. Zbigniew “Großes Schachbrett” Brzezinski: er grummelt in einem Financial Times Kommentar, daß Washington “Vergeltung üben sollte” wenn Moskau nicht aufhört, Objekte der USA in Syrien anzugreifen.

“Objekte der USA“ bedeutet “gemäßigte Rebellen”, von der CIA trainiert. Und überhaupt stünde die “amerikanische Glaubwürdigkeit” auf dem Spiel.

Dr. Zbig – Obamas wichtigster außenpolitischer Berater – besteht darauf, daß die Bombardierung CIA-trainierter “Rebellen” die “Unfähigkeit des russischen Militärs” zeige. Und der amerikanische Gegenangriff sollte “die dortige russische Marine und Luftwaffe” “entwaffnen”. Na, so wird das schon eher was mit dem heißen NATO-Rußland 2.0 Krieg.

Dr. Zbig gestand aber auch, daß sich das “regionale Chaos leicht nach Nordosten ausbreiten” könnte; darunter würden “sowohl Rußland als auch China leiden”. Wen juckt es? Was zählt ist, daß “amerikanische Interessen und amerikanische Freunde…ebenfalls darunter leiden würden”.

Und so etwas geht im “chaotischen Imperium” als erstklassige geopolitische Analyse durch.

“Sultan” Erdogan ist selbst etwas unruhig, Moskau hat jetzt seinen drei Jahre gehegten alten Traum einer Flugverbotszone über Nordsyrien beerdigt. Es gibt jetzt eine Flugverbotszone über Syrien, aber sie wird von Rußland verwaltet.

Das ist die Erklärung für die Hysterie auf allen Kanälen. US-Kongreß! Mehr Sanktionen gegen Rußland! Wie sollen wir eine Flugverbotszone durchsetzen, wenn Rußland schon da ist?

Dabei lief es so gut für den “Sultan”. Ankara hat – auf Drängen Washingtons – endlich seine Luftwaffenstützpunkte für den Kampf gegen ISIS/ISIL/Daesh geöffnet, aber nur solange wie es Teil eines Regimewechsels in Damaskus ist. Und dafür würde Ankara seine Flugverbotszone bekommen.

Auftritt eines wiederkehrenden Albtraums des “Sultan”: Die kurdische PYD (Partei der demokratischen Union) und ihre Schwesterorganisation, die Kurdische Arbeiterpartei PKK.

Der “Sultan” kann es einfach nicht dulden, daß die PYD das Westufer des Euphrat erreicht, um in den Kampf gegen ISIS/ISIL/Daesh einzugreifen. Der “Sultan” will die PYD in Kobane “eindämmen”.

Das Dumme ist, daß die PYD – unterstützt von der PKK – der einzige verläßliche Verbündete des “chaotischen Imperiums” ist. Aber der “Sultan” konnte nicht anders: Er zog – wieder einmal – in den Krieg gegen die PKK. Washington war darüber nicht sehr begeistert.

Und da ist diese Schlüsselroute von Bab al-Salam an der Grenze runter nach Aleppo – sie wird kontrolliert von Ankaras Gangsterbanden.

Das ist Ankaras Brücke nach Aleppo. Ohne sie gibt es keine Aussicht auf einen Regimewechsel. Niemals. Das künstliche Kalifat drohte, die Route zu übernehmen. Es mußte gehandelt werden.

Russlands spektakulärer Auftritt auf dem Kriegsschauplatz hat all die ausgefeilten Pläne über den Haufen geworfen. Stellen Sie sich die komplette Befreiung des syrischen Nordostens vor, sobald die PYD – unter Mithilfe von PKK-Kämpfern – ausreichend bewaffnet ist um die ISIS/ISIL/Daesh-Gangster zu zerquetschen. Und stellen Sie sich russische Luftunterstützung für diese Operationen vor, und dazu die Extra-Koordination der russisch-syrisch-irakisch-iranischen Zentrale in Bagdad.

Gegen eine solche Offensive müßte der “Sultan” in seiner Verzweiflung seine F-16 einsetzen. Und dann kann es wirklich ganz schnell zappenduster werden im NATO/Rußland-Szenario – mit schrecklichen Konsequenzen. Der “Sultan” wird vorher nachgeben. Und die NATO wird wieder dorthin zurück kriechen wo sie schon immer war – in die Schande – zurück zu ihren “die Russen kommen!”-Manöver.

 

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